Skip to main content

Landratsamt nimmt Stellung

Erste PFC-Spuren im Ortenaukreis aufgetaucht

Nun hat die Ortenau also doch ein PFC-Problem, wenn auch bislang ein eher kleines, gemessen am Landkreis Rastatt. Im Dezember sollen vorsorglich weitere Grundwasseruntersuchungen stattfinden. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Anfang 2020 vorliegen.

Idylle oder PFC: Untersuchungen von Pflanzen, Grundwasser und Böden sollen auch in der Ortenau Klarheit bringen, ob Flächen mit Chemikalien aus Papierschlämmen belastet sind. (Symbolbild) Foto: Klatt

Nun hat die Ortenau also doch ein PFC-Problem, wenn auch bislang ein eher kleines, gemessen am Landkreis Rastatt.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

Bereits im September bestätigte das Landratsamt, dass  es auf Anregung des Umweltministeriums ein PFC-Untersuchungsprogramm für den nördlichen Ortenaukreis veranlasst hatte. Für die betroffenen Flächen konnte nicht ausgeschlossen werden, dass Komposte aus dem Raum Rastatt verwendet worden sein könnten.

Insgesamt wurden 22 Flächen (31 Flurstücke) beprobt. Die Ergebnisse der Pflanzen- und Grundwasserbeprobung waren unauffällig. Nun aber wurde deutlich: In Sickerwasser auf einigen Flächen findet sich der Schadstoff durchaus – betroffen sind die Städte Achern und Rheinau. Der Kreis will jetzt auch früher untersuchte Flächen im Lichte dieser Erkenntnis noch einmal unter die Lupe nehmen.

PFC in der Ortenau? Eine Chronologie

- Im vergangenen Jahr gaben sich die Kommunen zunächst noch gelassen. Für Grund- und Trinkwasser wurde Entwarnung gegeben.

- Vor wenigen Wochen wurden schließlich doch genauere Untersuchungen angeordnet, weil Verdachtsmomente auf belastete Böden bekannt wurden.

Man hatte jetzt Weizen und Triticale im Rahmen des Pflanzenscreenings am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg auf 13 verschiedene PFC untersucht und es konnten in den acht Proben keine Gehalte oberhalb der Bestimmungsgrenze (2 Mikrogramm pro Kilogramm) festgestellt werden. Und es wurden nur Weizen und Triticale untersucht, weil lediglich diese beiden Kulturarten auf den betroffenen Flächen angebaut worden waren.

Zusammensetzung der PFC im Boden nicht genau geklärt

Mittlerweile liegen aber nun auch die Ergebnisse der PFC-Untersuchungen von Boden und Sickerwasser (Eluat) vor. 96 Bodenproben wurden entnommen und im Feststoff waren keine PFC nachweisbar. Dass das aber nicht zwangsläufig heißen muss, dass dort auch keine vorhanden sind, können die Kollegen vom Landratsamt in Rastatt aus leidvoller Erfahrung nur bestätigen.

Mehr zum Thema:

Denn die genaue Zusammensetzung der PFC im Boden ist nach wie vor nicht genau geklärt und bei den gängigen Untersuchungen wird dem zufolge auch nur ein Bruchteil der denkbaren PFC erfasst. So kann es eben passieren, dass man im Boden selber nichts misst, im Eluat aufgrund von Abbauprozessen aber schon. Und das Sickerwasser kann über das Grund- und Beregnungswasser dann letztendlich wieder in die Pflanzen gelangen. Deswegen müssen sowohl der Anbau als auch die Beregnung angepasst und kontrolliert werden.

Maximalwert in der Ortenau fast dreimal so hoch wie erlaubt

Und auch in der Ortenau wurden im Eluat PFC gemessen. Auf acht Flurstücken mit einer Gesamtgröße von 5,8 Hektar wurde die Quotientensumme von 1 knapp überschritten. Vereinfacht gesagt berechnet man die Quotientensumme aus den Konzentrationen von sieben verschiedenen PFC, ist das Ergebnis größer als 1, müssen die Landwirte Vorgaben bei der Beregnung ihrer Felder beachten, die im Landkreis Rastatt detailliert erarbeitet wurden.

Der Maximalwert der gemessenen Quotientensumme in der Ortenau liegt bei 2,9, ist also fast dreimal so hoch wie erlaubt. Deswegen werden auch im Dezember vorsorglich weitere ergänzende Grundwasseruntersuchungen stattfinden, so die Pressestelle des Landratsamts. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Anfang 2020 vorliegen.

Ferner werde für die landwirtschaftliche Erzeugung auf Flächen mit einer Quotientensumme größer als 1 das gleiche Prozedere wie im Regierungsbezirk Karlsruhe stattfinden. Das heißt, dass eine Beregnung der Felder nur eingeschränkt zulässig ist.

Auf den betroffenen Anbauflächen werden auch in 2020 im Rahmen des Vorerntemonitorings Pflanzenproben gezogen und auf PFC untersucht, um die Verbrauchersicherheit zu gewährleisten. Die Probenahme wird von Mitarbeitern des Amts für Landwirtschaft vorgenommen. Dazu finden regelmäßig Absprachen mit den Kollegen im benachbarten Landkreis statt, die einen enormen Erfahrungsvorsprung in Sachen PFC haben.

Alles Wissenswerte rund um den PFC-Skandal gibt es auch im Dossier zum Thema.

nach oben Zurück zum Seitenanfang