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Garagen ausgeräumt

Ertappt, verurteilt, weitergemacht: Polizei im Ortenaukreis schnappt dreisten Fahrraddieb

Wenig beeindruckt war ein in Frankreich wohnender Georgier von der deutschen Justiz. Eine Bewährungsstrafe konnte ihn nicht vom Diebstahl hochwertiger Fahrräder abhalten. Fast das ganze Jahr über trieb er sein Unwesen.

Mutmaßlich gestohlene Fahrräder liegen in einem weißen Transporter auf dem Gelände des Polizeipräsidiums.
Fahrraddiebstahl im großen Stil hat offenbar ein in Frankreich wohnender Mann im zu Ende gehenden Jahr in der Ortenau betrieben. Hier ein Symbolbild. Der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Foto: Marius Becker/dpa

Mindestens 70.000 Euro Beute hat ein Einbrecher in den vergangenen Monaten in einem rund 50 Kilometer langen Streifen entlang des Rheins gemacht. Seine Masche: Er „knackte“ Garagen und stahl dort hochwertige Fahrräder und E-Bikes. Dass er erst im Sommer praktisch auf frischer Tat ertappt worden war, beeindruckte den Mann nicht.

Mit Hilfe von Spezialisten für die Gesichtserkennung hat die Polizei einen im Raum Straßburg lebenden Georgier dingfest gemacht. Doch das wirft neue Fragen auf. Unter anderem die, ob man das gesamte Ausmaß des Raubzugs bereits erfasst hat. Denn eine Spur führt bis nach Reutlingen.

Auch die Identität des Mannes ist noch unklar

Die andere Frage ist die: Wen hat man da eigentlich? Einen 34 Jahre alten Georgier, der zuvor schon einschlägig aufgefallen war? Oder einen 39 Jahre alten Landsmann, als der sich der Verdächtige in einem Schnellverfahren vor Gericht ausgab? „Das gehört zu den Fragen, die wir noch klären müssen“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg.

Das dürfte nicht ganz einfach werden, denn so richtig klar wird nicht, warum der Mann vor Gericht eine falsche Identität angegeben hatte – schließlich hätte der 39-Jährige auch schon einiges auf dem Kerbholz, nur nicht bei der deutschen, sondern bei der französischen Justiz. Ziemlich klar ist aber, dass ihn die Bewährungsstrafe aus dem Sommer nicht sonderlich beeindrucken konnte.

Von Mai bis Dezember dauerten die Machenschaften des mutmaßlichen Täters, der, so vermutet die Polizei, in mindestens 13 Fällen Garagen in der Ortenau und im südlichen Landkreis Rastatt heimgesucht hatte. 13 E-Bikes und neun hochwertige Fahrräder soll er dabei erbeutet haben, berichten die Ermittler, 70.000 Euro war die Beute wert. Wie hoch der zusätzlich angerichtete Sachschaden ist, muss noch ausgerechnet werden.

Von den Taten existieren Videoaufnahmen, und die Polizei konnte mit Hilfe der sogenannten „Super Recogniser“, speziell ausgebildeter Beamten bei der Kriminalpolizei, dem Georgier mit Wohnsitz in Frankreich auf die Spur kommen.

Im August schon in Willstätt ertappt

Der war kein Unbekannter, er wurde bereits im August in Willstätt festgenommen und in einem beschleunigten Verfahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte zwei Elektroscooter, ein Fahrrad und eine Werkzeugkiste aus einer Garage entwendet. Bereits drei Wochen vorher war er am selben Ort tätig geworden und hatte zwei Fahrräder und Werkzeug an sich genommen.

Vor Gericht hatte der Mann die Personalien eines 39 Jahre alten Georgiers angegeben, der selbst mit mehreren Straftaten im Informationssystem der französischen Justiz geführt wird. Es gab eine mehrmonatige Gefängnisstrafe zur Bewährung und eine Geldauflage von 1.000 Euro.

Spur führt bis nach Reutlingen

Dass das Geschäft offenbar professionell betrieben wurde, das war spätestens Anfang Oktober deutlich geworden. Da eines der gestohlenen Fahrräder mit einem Ortungschip ausgerüstet war, stieß die Polizei auf eine Garage in Reutlingen. Inhalt: 14 hochwertige Fahrräder. Nur die Hälfte davon konnte man bisher den Taten in der Ortenau zuordnen, die Herkunft der Übrigen ist unklar.

Erst Anfang Dezember konnte die Polizei dem mutmaßlichen Täter das Handwerk legen. In Achern-Gamshurst hörte eine Anwohnerin vor einer Woche verdächtige Geräusche und sah, wie zwei Männer wegrannten. Die Polizei konnte in der Industriestraße ein verdächtiges Auto entdecken, darin der Georgier, der zuvor schon in Willstätt aufgefallen war.

Jetzt wird geprüft, ob man dem Mann die vielen Raddiebstähle zur Last legen kann. Vorerst sitzt er auf Antrag der Staatsanwaltschaft Baden-Baden unter dem Verdacht des gewerbsmäßigen Diebstahls in Untersuchungshaft.

Hinweise darauf, dass Fahrräder, wie früher immer wieder kolportiert, über einen LKW-Parkplatz beim Kehler Hafen umgeschlagen wurden, habe man in diesem Fall nicht, so die Polizei auf Rückfrage.

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