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Saisonstart vor Pfingsten

Europa-Park in Rust geöffnet: Mit Corona-Abstand unterwegs im Freizeitpark

Der Europa-Park ist nach der unfreiwilligen Corona-Pause in die Saison gestartet. Maximal 10.000 Besucher dürfen in Achterbahnen mit Masken in hohem Tempo über die Schienen flitzen oder in Rundfahrten auf Abstand, das Park-Ambiente genießen. Im Freizeitpark unter Einhaltung des Corona-Regelwerks - so ist der Besuch.

So leer ist ein Wagen der "Blue Fire" zum Saisonstart. Das hat seine Gründe: Nur zusammen angereiste Personen dürfen zusammen sitzen, es herrscht Maskenpflicht in den Attraktionen, auch während der Fahrt, und Sitzreihen bleiben frei, um die Abstandsregeln einzuhalten. Foto: Europa-Park

Am Freitag vor Pfingsten geht es im Europa-Park normalerweise beschaulich zu. Der 29. Mai 2020 ist aber kein normaler Freitag vor den Ferien. Es ist der Tag, an dem der Freizeitpark nach rund 60 unfreiwilligen Schließtagen wieder seine Toren öffnet. Wenn auch nicht so, wie es Parkfans vielleicht gewohnt sind.

Den Start in die Sommersaison im Europa-Park, die normal Ende März, kurz vor Ostern, beginnen sollte, begleiten viele Corona-Vorschriften. Nicht nur der Europa-Park auch das Phantasialand bei Köln oder Tripsdrill bei Heilbronn gehen an diesem Tag wieder an den Start.

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Der Disneyland Park in Shanghai hat die Wiedereröffnung bereits seit zwei Wochen hinter sich - im Gegensatz zu den Disney-Parks in Paris, Tokyo, Los Angeles und Orlando, die nach wie vor geschlossen sind. Wie im Europa-Park verzichtet man aber auch in China auf die Parade und Shows und hat stattdessen Corona-Regeln erlassen.

Corona-Regelwerk im Freizeitpark

Doch wie läuft das jetzt mit dem Freizeitparkbesuch unter Einhaltung der Corona-Regeln? Wie werden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten? Wie funktioniert eine Öffnung für bis zu 10.000 Menschen, wo Großveranstaltungen bis Ende August verboten sind? Sind Achterbahnfahrten mit Maske ohne Atemprobleme möglich? Klappen die extra eingeführten Apps?

Die Umsetzung der Regeln hat der Europa-Park vorab in einem Video erklärt:

Ob die Maßnahmen erfolgreich sind, konnte der Freizeitpark bereits am Donnerstag testen. Bei einem Tag für Mitarbeiter und Angehörige ging der Park in den Probebetrieb. Diverse Bilder glücklicher Menschen wurden auf Facebook in den Europa-Park-Gruppen geteilt. Ungewohnt war dabei vor allem der Anblick der leeren Sitzreihen und der Achterbahnfahrer mit Maske.

Achterbahnfahrt mit Maske

Am Freitag dann der wirkliche Saisonstart: Familien und Adrenalin-Junkies strömen pünktlich zum Einlass um neun Uhr in den Park. Sie wollen als erstes herausfinden, wie Schlange stehen mit Abstand funktioniert.

Und so erleben Parkbesucher den Europa-Park zum Start:

Was beim Schlendern durch den Park auffällt: 10.000 Besucher sind sehr angenehm. Trotzdem gibt es auf den Wegen Gruppen, die sich treffen und die keine eineinhalb Meter Abstand halten. Dafür tragen auch auf den öffentlichen Wegen viele Menschen Maske, obwohl sie es dort nicht müssten.

Lust auf noch mehr Eindrücke in Bild und Video? Auf dem Instagram-Kanal der Badischen Neuesten Nachrichten gibt es eine Story von der Parköffnung mit noch mehr Besucherstimmen. In den Highlights ist sie unter Europa-Park gespeichert. Zum Instagram-Kanal.

Apropos Maske: Wie ist eigentlich eine Achterbahnfahrt mit Maske? „Wir haben es uns schlimmer vorgestellt und erwartet, dass sie wegfliegt“, erzählen Sophie Eisele und Stefan Zimmer aus Lauf nach ihrer Fahrt mit der Achterbahn "Blue Fire".

Sophie Eisele und Stefan Zimmer aus Lauf vor der Fahrt mit Maske in der Achterbahn "Blue Fire". Foto: Starck

Die Parkfans sind froh, da zu sein: „Es lohnt sich, es ist nicht so viel los und es verläuft sich gut. Also wir fühlen uns wohl“, sagt das Paar aus der Ortenau. Die Warteschlangen halten sich zur Mittagszeit denn auch in Grenzen. Gegen 13 Uhr muss nur für die Achterbahn „Blue Fire“ eineinhalb Stunden gewartet werden. Bei den Fahrangeboten liegt die Wartezeit unter 60 Minuten. Sehr entspannt für einen „nahezu ausverkauften Tag“.

Es ist ein anderes Arbeiten, aber es geht nicht anders.
Engelbert Gabriel, Sprecher Europa-Park

Gerade wer Warteschlangen, auch jene vor den Restaurants um die Mittagszeit, beäugt, kann zu einem ähnlichen Startfazit kommen wie Parkchef Roland Mack: In seinen Augen haben sich die Besucher vernünftig verhalten, sie haben die zum Schutz vor dem Coronavirus angeordneten Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten.

Diese Regeln bedeuten auch mehr Verantwortung für die Mitarbeiter, die vor Parköffnung drei Tage geschult wurden. „Es ist ein anderes Arbeiten. Jeder Mitarbeiter muss eine Maske tragen und bei den Temperaturen ist die Arbeit damit anstrengend, aber es geht nicht anders“, bilanziert Parksprecher Engelbert Gabriel.

Frust bei den Jahreskartenbesitzern

Wer eine gültige Clubkarte hat, kommt derzeit einmal im Monat gratis in den Park. Die Karte wird, wenn der Normalbetrieb wieder losgeht, trotzdem um die Tage verlängert, die in der Corona-Saison lagen (Schließzeit oder auch Corona-Öffnungs-Tage). Jahreskarteninhaber, die ihre Karte nicht verlängern konnte, weil sie etwa in den Corona-Schliesstagen ablief, kritisieren, dass sie immer Clubmitglieder seien und nun die Vorzüge nicht erhalten.

Sophie Eisele und Stefan Zimmer aus Lauf sind eigentlich Jahreskarteninhaber - oder auch Clubmitglieder - und haben genau dieses Problem. Am Freitag sind sie deshalb mit einem Tagesticket da, die Jahreskarte ist in der Corona-Schließzeit des Parks abgelaufen und kann erst im Normalbetrieb wieder verlängert werden. "Wir dachten anfangs noch, wir bekommen das Geld wieder, aber momentan kann keine Jahreskarte verlängert werden", sagen sie.

Es lohnt sich, es ist nicht so viel los und es verläuft sich gut.
Sophie Eisele und Stefan Zimmer, Parkbesucher und Clubmitglieder aus Lauf

Kritik der Clubkartenbesitzer kennt man im Park. "Sie müssen die Situation mittragen wie alle", bedauert Europa-Park-Sprecherin Diana Reichle und erklärt das Verlängerungsprinzip der Jahreskarten und weist darauf hin, dass die Gratiseintritte deshalb ein großzügiges Angebot seien. Das zieht auch bei den Parkfans, die froh sind, da zu sein: "Es lohnt sich, es ist nicht so viel los und es verläuft sich gut. Also wir fühlen uns wohl", sagt das Paar aus der Ortenau.

Die leeren Wagen und Plätze

Es ist ein gut besuchter, wenn auch nicht übervoller Europa-Park. Manches ist für die Besucher aber seltsam. Etwa die Leere vor, hinter und neben ihnen in den Fahrattraktionen, wo zur Sicherheit Plätze freigelassen werden. Manchmal hat man auch ein Boot ganz allein für sich.

Die Warteschlangen halten sich zur Mittagszeit  in Grenzen. Sehr entspannt für einen "nahezu ausverkauften Tag". Und wer es nicht so mit Menschen hat, wird wahrscheinlich die Leere gerade in ruhigen Rundfahrtattraktionen genießen - vor allem die Familienattraktionen im Eingangsbereich können an diesem Freitag oft ohne anstehen gefahren und genossen werden.

Was außerdem auffällt, überall im Park sind Aufkleber zur Abstandshaltung. In den Innenattraktionen, wie beim Voletarium, wurden zusätzlichen Holzkonstrukte mit Scheiben installiert, zum Spuckschutz. Statt Paraden fahren einzelne Wagen durch den Park oder Solo-Unterhalter sind unterwegs. Einige Restaurants sind in der Corona-Saison geschlossen. Dafür bilden sich zur Mittagszeit in den anderen Restaurants Schlangen, die am Nachmittag wieder abgebaut sind. Wer also gut frühstückt und der Stoßzeit am Mittag entgeht, kann den Parktag effektiver nutzen.

Distanz-App noch nicht verfügbar

Die App Distance Radar, mit der Parkbesucher für Abstand zu anderen Besuchern belohnt werden sollen, war am Tag der Saisoneröffnung noch nicht für alle Geräte verfügbar. Auf der Webseite ist von einer Einführung im Juni 2020 die Rede. Ob dieser Termin haltbar ist, muss sich zeigen. Die Corona-App für Deutschland kündigte der Bund ursprünglich für das Ende der Osterferien an, bis heute ist diese nicht erschienen. Die Chancen stehen aber gut, in Fankreisen kursierte der Link zur Android-App schon am Tag vor der Öffnung.

Mehr zum Thema: Europa-Park setzt auf neue Apps gegen Corona-Infektion

"Virtual Line" läuft nicht stabil

Dafür ist die App "Virtual Line" im Einsatz. Sie ist in die normale Europa-Park-App integriert. Wer sie nutzen will, stößt auf typische Anfangsprobleme. Dafür hat sich der Park für Handylose etwas Besonderes ausgedacht. Wer mit seinem Eintrittsticket bei einem "Virtual Line"-Helfer nach einer Zeitkarte fragt, bekommt einen Ausdruck nach Ticket-Scan. Das Prinzip sei ähnlich der Zeitkarten im Voletarium.

Tickets für die Virtual Line sind bei Helfern an der Bahn erhältlich Foto: Tanja Starck

So richtig zufrieden ist Sophie Eisele mit der App nicht: "Gut gedacht, nicht gut gemacht. Die App stürzt regelmäßig ab und man muss zweimal anstehen. Digital haben wir 45 Minuten gewartet und 30 Minuten dann noch mal an der Achterbahn Blue Fire." Sie ist gespannt, wie sich das noch einspielt.

Tickets kurzfristig erhältlich

Obwohl der Europa-Park 136 Tage geschlossen hatte, so lange wie zuletzt vor der Einführung der Wintersaison im Jahr 2001/2002, ist seine Saisonpremiere nicht ausverkauft. Als es mit dem Vorverkauf für die Tickets losging, war damit nicht zu rechnen. Viele Fans konnten es vielmehr kaum erwarten. Nicht anders ist zu erklären, dass das Online-Ticketsystem beim Verkaufsstart für rund 48 Stunden zusammenbrach. Mal war es nicht erreichbar, dann landeten Fans in langen, virtuellen Warteschlangen, mit Wartezeiten von über 60 Minuten. Ob ihre Tickets dann aber auch an der Kasse bezahlt wurden oder ob sie nur neugierig waren? Jedenfalls sind für alle Pfingstferientage, stand Freitag, noch Tickets verfügbar.

Ich setz mich doch nicht mit einer Maske in eine Achterbahn.
Carmen Fischer, Ottobeuren

Vielleicht sehen diejenigen, die lieber auf einen Parkbesuch verzichten, es wie Carmen Fischer aus Ottobeuren, die dem Park schreibt: "Wir verzichten dieses Jahr auf den Europapark, das macht doch mit den ganzen Regelungen keinen Spaß. Ich setz mich doch nicht mit einer Maske in eine Achterbahn. Wir freuen und hoffen auf ein normales Jahr 2021."

Wer in der Achterbahn keine Maske aufsetzen möchte, hat vielleicht in Tripsdrill eine Chance. Im Freizeitpark bei Heilbronn herrscht die Maskenpflicht nur im Wartebereich, nicht aber in der Fahrattraktion selbst. So hieß es zumindest in einer Medieninformation vorab.

Am Freitag starteten die großen Vergnügungsparks im Südwesten ihre Sommersaison. Der Europa-Park, Deutschlands größter Freizeitpark, begrenzt zum Reduzieren des Infektionsrisikos die tägliche Besucherzahl auf 10.000. Sonst kommen nach Angaben der Betreiber im Sommer bis zu 50.000 Menschen täglich in den Freizeitpark.

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