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Appell an die Bundesregierung

Für Brückenstrompreis: Vorstände und Belegschaften wollen gemeinsam in Kehl demonstrieren

Unternehmen sehen durch das Haushalts-Urteil selbst den von ihnen kritisierten Vorschlag zu einem „Brückenstrompreis light“ in Gefahr.

Heiße Sache: Bis zu 75 Tonnen Schrott landen gleich im Ofen der Badischen Stahlwerke in Kehl und werden per Strom eingeschmolzen. Es ist eines der zehn größten Stahlwerke in Deutschland. Der Stromhunger ist enorm. Benötigt wird so viel Strom, wie alle Kölnerinnen und Kölner zusammen brauchen.
Die Badischen Stahlwerke in Kehl sind eines der zehn größten Stahlwerke in Deutschland. Der Stromhunger ist enorm. Benötigt wird so viel Strom, wie alle Kölnerinnen und Kölner zusammen brauchen. Foto: Andrea Fabry

So etwas hat wohl kaum einer der Beteiligten bislang erlebt: Geschäftsführer, Betriebsräte und Gewerkschaften aus der Ortenau wollen an diesem Freitag Seite an Seite für einen Brückenstrompreis demonstrieren. „Für mich ist das eine Premiere“, sagt Carsten Rehbein von der IG BCE in Karlsruhe. Gemeinsam mit der IG Metall und den Industriebetrieben Koehler Paper und Badische Stahlwerke (BSW) in Kehl wird der ungewöhnliche Demonstrationszug an diesem Freitag über den Kinzigdamm ziehen. Je 150 Beschäftigte von Koehler und BSW, Vorstandsmitglieder, Betriebsräte und Vertreter von IG BCE und IG Metall werden im Rahmen des deutschlandweiten Aktionstages in Kehl erwartet.

Dramatische Situation nach dem Haushalts-Urteil

In der jetzigen Situation müsse man den Forderungen nach einem Brückenstrompreis doppelt Gehör verschaffen, sagt Rehbein. Die Situation für den Bundeshaushalt sei nach dem Karlsruher Urteil dramatisch. Der Sprecher von Koehler Paper, Alexander Stöckle, befürchtet, dass selbst die vor zwei Wochen vorgestellten Pläne der Bundesregierung zum gesenkten Industriestrompreis gefährdet seien, die ohnehin nur den Status Quo garantierten. Für die Koehler Gruppe, die seit rund zehn Jahren stark in Erneuerbare Energien investiere, sei ein Brückenstrompreis aber essenziell. Bei einem Exportanteil von 70 Prozent sei Koehler angesichts einer Verdreifachung der Strompreise in erheblichem Wettbewerbsnachteil gegenüber der internationalen Konkurrenz. Das sei mit Blick auf die Standortsicherung „ein absolut ernstes Thema“.

Auch der IG Metall reichen die Pläne der Bundesregierung zum gesenkten Industriestrompreis nicht aus. Deutschlands größte Gewerkschaft hält an dem für diesen Freitag geplanten Aktionstag fest, bei dem neben Kehl Tausende an verschiedenen Standorten einen sogenannten Brückenstrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde fordern werden, der besonders energieintensiven Branchen befristet zugutekommen soll.

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