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Adventsweg statt Weihnachtsmarkt

Gengenbacher Adventskalender findet statt: Wie die Organisatoren der Corona-Pandemie trotzen

Sie lassen sich von der Corona-Pandemie nicht unterkriegen. Auch in diesem Jahr gibt es einen Gengenbacher Adventskalender. Allerdings wurde der Adventsmarkt gestrichen. Doch mit viel Kreativität haben die Macher eine Alternative auf die Beine gestellt, die beleibe kein Schmalspurersatz ist.

Im Lichterglanz: Das Rathaus der pittoresken Stadt Gengenbach ist wieder Adventskalender. Dieses Mal zeigen die Fenster die Geschichte des „Kleinen Prinzen“. Foto: Dieter Wissing/Stadt Gengenbach

Seit 24 Jahren erstrahlt Gengenbach in der Adventszeit im festlichen Lichterglanz. Mehr als 100.000 Menschen kommen während dieser Tage in die pittoreske Barockstadt im Kinzigtal. Und dieses Jahr? Da ist doch alles ein bisschen anders. Aber was heißt ein bisschen? Schon die Planung war eine Sache für sich: Es gab viele Telefonate und noch mehr E-Mail-Verkehr, berichtet Lothar Kimmig.

Um - gemäß den Auflagen der Corona-Verordnung - Kontakte zu vermeiden, bekamen zum Beispiel die ausführenden Handwerker statt direkter Ansprache Listen ausgehändigt, die genau erläuterten, was wie wo montiert oder aufgehängt werden soll, so der Geschäftsführer der Gengenbacher Kultur- und Tourismus-GmbH weiter. Wie sehr die Pandemie die Besucher des Gengenbacher Adventskalenders ausbremst, verdeutlicht Kimmig an einem Beispiel: Voriges Jahr steuerten in diesen Wochen 380 Reisebusse die Kinzigtal-Stadt an, dieses Jahr kommt nicht ein einziger. Für Einzelhandel und Gastronomie habe das drastische Auswirkungen. Die Tourismus-Stadt selbst erwarte keine Ausgleichszahlungen, so Kimmig.

Organisatoren mit viel Kreativität

Es sind die unverrückbaren Rahmenbedingungen, denen dieses Jahr vor allem der Adventsmarkt zum Opfer fiel. Ebenso muss die Öffnungszeremonie der Adventskalender-Türchen (besser Fenster) am 1784 nach Plänen von Viktor Kretz erbauten Rathaus entfallen. „Da kamen zwischen 6.000 und 7.000 Leute in die Stadt“, so Reinhard End.

Der Künstlerische Leiter bringt es auf einen schlichten Nenner: Alles, was die Menschen zusammenführt, entfalle in diesem Jahr. Und dennoch: Mit viel Kreativität haben die Macher um Reinhard End etwas Leuchtendes wie Gehaltvolles auf die Beine gestellt, das den Besuch in Gegenbach durchaus lohnt. Im Mittelpunkt steht natürlich wieder das Rathaus mit den 24 „Türchen“. „Wir haben zum zweiten Mal in Folge die Geschichte des kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry als Thema“, berichtet End.

Beleuchteter Blickfang: Der Adventsweg zeigt in Gengenbach auch zahlreiche Bilder, die sich mit dem Themenspetrum Advent und Weihnachten beschäftigen. Foto: Dieter Wissing/Stadt Gengenbach

24 leuchtende Bilder sind es logischerweise, zwölf davon stammen von dem weltberühmten Schriftsteller und Piloten (1900-1944), zwölf weitere hat die zeitgenössische argentinische Kinderbuch-Illustratorin Valeria Docampo gestaltet. „Der kleine Prinz wird uns dann auch die nächsten beiden Jahre begleiten“, blickt End in die Zukunft.

Advents- und Weihnachtsweg als Ersatz

Denn mit den Bildern zu dem nach der Bibel weltweit am meisten verbreitenden Buch haben die Gengenbacher mal wieder eine richtig großen Fang gemacht. Das Thema kam aus einem Kontakt zustande, den End und Co zu dem in Lausanne beheimateten Schweizer Jean-Marc Probst geknüpft haben. „Er besitzt 8.000 Objekte, die mit St. Exupéry zu tun haben“, sagt End und freut sich, das Niveau weiter hoch halten zu können. „Wir hatten auch schon Warhol und Chagall.“ Und dazu 120.000 Gäste in den sechs Wochen des Adventskalenders.

Da der Adventsmarkt in diesem Jahr ausfallen muss, gibt es - als zweites Standbein - in diesem Jahr den Advents- und Weihnachtsweg. „Das ist alles andere als ein Schmalspurersatz“, betont der Künstlerische Leiter. Und Tourismuschef Kimmig ergänzt: „Der Advents- und Weihnachtsweg zum Kalender war schon länger in Planung. Die Pandemie hat dem Projekt nun noch einen starken Schub gegeben.“ In der Altstadt können die Besucher - alle Abstandsregeln einhaltend - rund 35 Stationen ansteuern, die in Inszenierungen, großformatigen Reproduktionen und Leuchtkästen fast das gesamt Spektrum adventlicher und weihnachtlicher Bildgestaltung aufgreifen.

Kernthema Weihnachtsbaum: Vor 444 Jahren wurde er in Gengenbach erstmals erwähn, auch ihm widmet der Advents- und Weihnachtsweg einige Bilder. Foto: Dieter Wissing/Stadt Gengenbach

Gezeigt werden in Lichtkästen originale Künstler-Fenster aus der Geschichte des Gengenbacher Adventskalenders, zum Beispiel Werke des wunderbaren Tomi Ungerer (1931-2019).

Weihnachtsbaum ist ein großes Thema

Das zweite große Thema ist die Geschichte des Weihnachtsbaums, der, vom Oberrhein und von Gengenbach ausgehend, eine weltweite Karriere machte, und nicht zuletzt lässt sich absolute Hochkunst wie die Weihnachtsdarstellungen aus dem Freiburger Münster von Hans Baldung Grien auf diesem besonderen Kulturtrip erwandern.

Zur Ausstellungsvielfalt kommen dann noch die unterschiedlichsten Krippen aus dem in Gengenbach ansässigen Mutterhaus der Franziskanerinnen. Zu sehen sind die Werke in den Kirchen ebenso wie in diversen Läden. „Die Schaufenster wurden mit Folie abgeklebt, in der kleine Ausschnitte den Blick auf das Exponat freigeben, den Blick auf das Wesentliche fokussieren“, so End. Seit diesem Dienstag leuchtet nun jeden Tag ein Fensterchen mehr auf, „bis der Kalender am 24. Dezember in voller Pracht erstrahlt“. Der Lichterglanz ist dann noch bis zum Dreikönigstag (6. Januar) zu bewundern.

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