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Zukunft des deutsch-französischen Baudenkmals

Historisches Stadtbad Straßburg: Bürgerinitiative kämpft für öffentliche Nutzung

Das Stadtbad Straßburg ist ein berühmtes deutsch-französisches Baudenkmal. Die Privatisierung des Badebetriebs und Büros im medizinischen Flügel bedrohen die öffentliche Zugänglichkeit. Eine Bürgerinitiative macht mobil.

Deutsch-französisches Baudenkmal: Das Stadtbad Straßburg vor dem Ersten Weltkrieg nach Plänen des deutschen Architekten Fritz Beblo in der Hauptstadt des damaligen Reichslandes Elsass-Lothringen erbaut. Foto: Alexandre Kostka

Zwei Professoren der Straßburger Universität sind besorgt. Der Kulturhistoriker Alexandre Kostka und der Germanist Andreas Häcker engagieren sich für den Erhalt des denkmalgeschützten Stadtbades in Straßburg und haben unter dem Vorsitz von Kostka die Bürgerinitiative „Freunde des Stadtbades“ gegründet.

„Das Stadtbad ist ein deutsch-französisches Denkmal“, sagt der Kulturhistoriker. Es wurde vor dem Ersten Weltkrieg nach Plänen des deutschen Architekten Fritz Beblo in der Hauptstadt des damaligen Reichslandes Elsass-Lothringen erbaut und gehört zu den bedeutendsten Badeanstalten dieser Epoche in Europa. Noch dazu ist es eine der am besten erhaltenen.

Das Stadtbad, das sich im Besitz der Kommune befindet, wurde im Sommer 2018 geschlossen. Seitdem laufen die umfangreichen Sanierungsarbeiten mit einem Gesamtvolumen von mehr als 33 Millionen Euro. Die große und kleine Schwimmhalle, die ursprünglich für Männer beziehungsweise Frauen reserviert waren, stehen kurz vor der Fertigstellung.

In der Kurabteilung, heute in Straßburg „Römisches Bad“ genannt, wird noch gearbeitet. Die Neueröffnung ist im nächsten Jahr geplant, aber unter völlig anderen Vorzeichen als bisher.

Badebetrieb in Straßburg wird privatisiert

„Bis 2018 wurde das Stadtbad von der Kommune betrieben“, berichtet Kostka. „Jetzt hat sie diese wichtige Einrichtung an einen privaten Betreiber verpachtet.“ Dabei handelt es sich um ein großes Bauunternehmen, das einen jährlichen Zuschuss aus öffentlichen Mitteln in Höhe von sechs Millionen Euro erhalten soll.

Zur Petition

Informationen auch in deutscher Sprache gibt es auf der Homepage der Bürgerinitiative. Dort kann man auch die Petition unterschreiben: https://amisdesbains.com

Die Bürgerinitiative sieht das kritisch. Das Eintrittsgeld für den normalen Badebetrieb orientiert sich mit fünf Euro auch in Zukunft an den Eintrittspreisen der anderen kommunalen Schwimmbäder. Das gilt aber nicht für den Wellnessbereich mit dem „Römischen Bad“.

Originale Ausstattung: Das Stadtbad Straßburg gehört zu den am besten erhaltenen Badeanstalten aus der Zeit des Historismus in Westeuropa. Foto: Alexandre Kostka

Kostka und Häcker gehen dort von Eintrittspreisen in der Größenordnung von mindestens 22 Euro aus. Für normale Gäste werden die beiden Galerien in den Obergeschossen, die einen spektakulären Blick auf die historische Architektur ermöglichen, nicht mehr zugänglich sein. Ihnen bleibt nur das Schwimmen im Untergeschoss.

Großer Sanierungsbedarf: Das Stadtbad Straßburg ist seit 2018 geschlossen. Foto: Alexandre Kostka

Ein Ärgernis für die Bürgerinitiative ist ebenfalls, dass das Obergeschoss des zweigeschossigen „Römischen Bades“, in dem sich bisher die Ruheräume und die Umkleiden befunden haben, komplett für die Öffentlichkeit gesperrt werden soll. „Das wenig glaubwürdige Argument lautet, dass dieses Stockwerk für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar sei“, sagt Kostka.

„Dort werden jetzt Lagerräume für Kosmetika entstehen. Das ist sehr schade, aber damit müssen wir wohl leben.“ Von den denkmalgeschützten drei historischen Duschen würden zwei abgebaut – angeblich, weil die Rohre verstopft seien.

Der dümmste Plan, den ich in meinem Leben gesehen habe.
Alexandre Kostka, Professor für Kulturgeschichte

Mehr als ein Ärgernis ist für Alexandre Kostka und Andreas Häcker die ungewisse Zukunft des medizinischen Flügels. Dort ist geplant, ein Haus für Gesundheitssport einzurichten. Eigentlich sei das eine gute Idee, aber das „Konzept der Technokraten“ für die neue Nutzung bezeichnet Kostka als „den dümmsten Plan, den ich in meinem Leben gesehen habe“.

In einem Aufsatz, den der Kulturhistoriker für den Internetauftritt der Bürgerinitiative „Amis des Bains de Strasbourg“ geschrieben hat, findet er noch deutlicher Worte: „Oben hui, unten Pfui (und links daneben, doppelt Pfui)“.

Zukunft des medizinischen Flügels: Das ist geplant

Um die Aufregung zu verstehen, muss man sich mit Architektur und Geschichte beschäftigen. Der medizinische Flügel ist viergeschossig. Im Erdgeschoss gibt es eine bis 2018 bestehende Therapieabteilung, deren originale Ausstattung aus dem frühen 20. Jahrhundert mit Duschen und Tauchbädern komplett erhalten und unter Denkmalschutz gestellt ist.

Im Geschoss darüber befand sich ein Gymnastikraum, darüber eine zum Zeitpunkt der Eröffnung hochmoderne Zahnarztpraxis für die ärmere Bevölkerung und im Obergeschoss die Wohnung des Direktors der Einrichtung.

In den oberen Stockwerken plant die Stadt nun Büros für den Gesundheitsdienst. Ausgerechnet in der Therapieabteilung sind Räumlichkeiten für eine vorbeugende Gesundheitsgymnastik vorgesehen. Die Duschen und Becken bleiben vor Ort und werden eingehaust. „Viel Platz bleibt da nicht übrig“, sagt Häcker. „Die Räumlichkeiten sind für diesen Zweck völlig ungeeignet.“

Zweisprachig: Der Auszug aus der Badeordnung im Stadtbad Straßburg. Foto: Andreas Häcker

Die beiden Dozenten schlagen deshalb vor, den ursprünglichen Gymnastikraum ein Stockwerk höher für diese Zwecke zu nutzen. Dafür haben sie eine Bürgerinitiative gegründet und sammeln Unterschriften, ausdrücklich auch auf der deutschen Seite des Rheins. „Immerhin ist es uns gelungen, die ursprünglichen Pläne der Stadt, das Bad zu verkaufen, zu verhindern“, sagt Häcker.

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