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Online-Handel als Trostpflaster

Mittelbadische Winzer beklagen hohe Umsatzeinbrüche

Der Weinverkauf an die Hotels und Restaurants fehlt den Winzern der Region besonders. Ob das Jahr 2021 die erhoffte Besserung bringt, ist noch ungewiss.

Positiver Blick in die Zukunft: Der Geschäftsführende Vorstand Günter Lehmann der Alde Gott Winzergenossenschaft hofft auf ein verkaufsstarkes Osterfest und auf viele Schwarzwald-Urlauber, die seinen Wein kaufen. Foto: Peter Bender

Der staatlich verordnete Stillstand wegen der Corona-Pandemie hinterlässt seine Spuren: Die Veranstaltungsbranche liegt brach, Hotels und Gaststätten haben immer noch geschlossen. Das spüren auch die Winzergenossenschaften der Region.

Markus Ell, Geschäftsführender Vorstand vom Winzerkeller Hex vom Dasenstein in Kappelrodeck, spricht von schweren Umsatzverlusten. In Bezug auf den Weinhandel mit der Gastronomie und Hotellerie ist gar die Rede von einem Komplettausfall. Dabei hat das Jahr 2020 für den Winzerkeller positiv begonnen.

Aus der Fusion mit der Oberkircher Winzer eG sind zum Beispiel neue Produkte entstanden. Dann aber kam der erste Lockdown im vergangenen Frühjahr.

„Das hat uns massiv getroffen“, erklärt Ell. Die Vinotheken mussten schließen, und auch in der Gastronomie gingen die Lichter aus. Mit den Teillockerungen im Sommer kam dann die erfreuliche Wende. Die Menschen fuhren nicht, wie sonst üblich, in den Pfingstferien weg, sondern blieben zu Hause. Vom Binnentourismus habe der Winzerkeller ungemein profitieren können, so Ell. Durch den derzeitigen Lockdown versucht er, „so schlank wie möglich“ durchzukommen.

Online-Handel als Trostpflaster

Der Internet-Handel hat sich in vielen Wirtschaftszweigen bewährt, auch bei den Winzern der Region. Die Gewinne für 2020 seien in diesem Geschäftssektor im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen, sagt Ell. Auch die Erträge aus den Zulieferungen an den Lebensmitteleinzelhandel seien höher. Um jedoch die harten Verluste aus dem Verkauf an die Hotellerie und Gastronomie zu kompensieren, habe der Geschäftsführer einige Investitionen eingestellt. In den prosperierenden Online-Handel wolle er zwar mehr Geld stecken, jedoch mit Bedacht.

Neben den fehlenden Erlösen aus dem Verkauf an die Gastronomie fehlt Günter Lehmann besonders der Wintertourismus. Unter normalen Umständen hielten Skifahrer und Rodler nach ihrem Winterausflug nicht selten bei der Alde Gott Winzergenossenschaft in Sasbachwalden für einen Zwischenstopp an. Etwa um sich einen Wein aus der Region zu kaufen, erklärt der Geschäftsführende Vorstand. Neben dem Haus befindet sich außerdem ein großer Stellplatz für mehr als 30 Wohnmobile. Besonders am Wochenende kaufen die Camper oft bei Lehmann ein. Auch diese Einnahmen fallen weg. Der Stellplatz ist geschlossen. „Der Verkauf im Haus fehlt“, sagt er.

Immerhin: Der Weinverkauf an die Supermärkte der Region konnte einen Teil des Verlustes auffangen. Bei ihm laufe der Online-Shop ebenfalls gut – auch wenn durch das Verpacken und Versenden der Weine mehr Aufwand entstehe, räumt Lehmann ein. Besonders positiv in Erinnerung bleibe ihm der Dezember vergangenen Jahres. Unternehmen, die ihre Weihnachtsfeiern coronabedingt absagen mussten, hätten stattdessen digitale Weinproben veranstaltet. Die Winzergenossenschaft aus Sasbachwalden verschickte zahlreiche Weinpakete und konnte ein wenig Gewinn machen. „Dadurch konnten wir neue Kunden erreichen und unsere Marke bekanntmachen“, erklärt Lehmann.

Hoffen auf rasche Lockerungen

2021 blickt er positiv entgegen. Er hofft auf rasche Lockerungen im April und auf ein verkaufsstarkes Osterfest. Lehmann setzt zudem auf den Sommer und den Schwarzwald-Tourismus, der in diesem Jahr deutliche Zuwächse erfahren und damit der WG neue Kunden bringen könnte. Der Wein könnte es hergeben, der WG-Chef ist mit dem Herbst 2020, der sehr früh begann, durchaus zufrieden.

Wein wird trotz des Lockdowns getrunken.
Georg Börsig, Geschäftsführender Vorstand der Waldulmer Winzergenossenschaft

November und Dezember vergangenen Jahres waren bei Georg Börsig, Geschäftsführender Vorstand der Waldulmer Winzergenossenschaft, ebenfalls besonders stark. Jedenfalls im Vergleich zum Frühjahr, als die Umsätze aus der Gastronomie wegbrachen. Börsig verweist auf einen Umsatzrückgang von mehr als zehn Prozent. Der Online-Verkauf habe auch bei ihm zugenommen, könne diesem Verlust jedoch nicht entgegenwirken. Die Ernte des vergangenen Jahres habe zudem nicht ganz den Erwartungen von Börsig entsprochen.

Dennoch sei er mit einem blauen Auge davon gekommen, räumt er ein. „Wein wird trotz des Lockdowns getrunken“, betont er. Der Verkauf an Privatleute und Fachhändler hätte besonders zum Ende des Jahres angezogen. Der Waldulmer Spätburgunder sei in den Wintermonaten oft verkauft worden – wenn auch nur digital über den Online-Shop oder per Click&Collect. Für das Jahr 2021 hofft Börsig auf Kurzurlauber, die seinen Wein kaufen. Bereits im Februar werden die ersten Flaschen Müller-Thurgau vom Jahrgang 2020 abgefüllt.

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