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Eineinhalb Jahre nach Beinahe-Aus

Papierspezialist Lenk aus Kappelrodeck wächst weiter

Zur Lenk Paper GmbH in Kappelrodeck gehört jetzt auch eine Papierfabrik in der Pfalz. Diese Woche erwarb der geschäftsführende Inhaber Rajeev Singh die Papierfabrik Schleipen in Bad Dürkheim.

Zwischen Papierrollen: Dirk Schuldt ist Geschäftsführer der Lenk Gruppe. Er arbeitet eng mit Inhaber Rajeev Singh aus Kanada zusammen. Foto: Michaela Gabriel

Er lässt mitteilen, dass er die Produktion dort breiter aufstellen und die Arbeitsplätze erhalten will. Der Hauptsitz der Lenk Gruppe, zu der auch eine Papierfabrik in Titisee-Neustadt gehört, werde weiterhin in Kappelrodeck sein.

Zwei Papiermaschinen laufen im Achertal 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche. Auch über Ostern sei die Produktion voll ausgelastet, sagt Geschäftsführer Dirk Schuldt. Man habe Sondergenehmigungen zum Betrieb auch an Feiertagen.

Im September 2019 stieg Rajeev Singh, weltweit agierender Geschäftsmann aus Toronto/Kanada, ins Papiergeschäft ein. Er übernahm die Papierfabriken in Kappelrodeck und Titisee-Neustadt, nachdem die Papierwerke Lenk AG und die Schwarzwald Papierwerke AG in finanziellen Schwierigkeiten waren. Damit rettete Singh in Kappelrodeck 190 Arbeitsplätze und 46 weitere in Titisee-Neustadt. Aktuell sind rund 240 Mitarbeiter an den beiden Standorten beschäftigt.

Neues Produkt entwickelt

Seine Zusage, Lenk Paper zu optimieren, habe Singh eingehalten, bestätigt Schuldt: „Wir sind mehr als zufrieden.” Es gebe zahlreiche Investitionen. Aus einem Entwicklungsprojekt sei inzwischen ein neues Produkt geworden. „Rodena View” heißt ein transparentes Papier, das so durchscheinend ist, dass es für Sichtfenster an Briefumschlägen und Bäckertüten sowie als Süßwaren- und Pflanzenverpackung geeignet ist. „Die ersten 50 Tonnen sind produziert. Sie gehen in den französischen Markt”, erklärt Schuldt. Lenk Paper hat aktuell einen Exportanteil von rund 50 Prozent.

„Papier statt Plastik” ist ein Trend, der der Papierbranche gerade in der Pandemie zugute kommt. Der Onlinehandel hat einen hohen Bedarf an Verpackungen und versucht dabei zunehmend, Plastik durch Papier zu ersetzen. „Im ersten Lockdown hatten wir Kurzarbeit. Aber seit Herbst 2020 gibt es wieder eine Vollauslastung”, berichtet Schuldt.

55.000 Tonnen Papier pro Jahr

Insgesamt hat Lenk Paper mit den Werken in Kappelrodeck und Titisee-Neustadt derzeit eine Produktionskapazität von rund 55.000 Tonnen Spezialpapieren pro Jahr. Durch die aktuelle Übernahme der Papierfabrik in Bad Dürkheim erweitert sich die Kapazität um rund 35.000 Tonnen. Die Fabrik in der Pfalz hat 86 Mitarbeiter und ist bislang spezialisiert auf grafische Papiere für den Buchdruck. Sie befand sich seit Anfang 2020 in einer Insolvenz in Eigenverwaltung, produzierte jedoch weiter.

„Kanadischer Investor kauft Schleipen” titelte die Dürkheimer Zeitung an diesem Donnerstag. Sie spricht von einer Rettung. Neben dem Kauf habe insbesondere die Möglichkeit, weiterhin das Abwasser in einer Kläranlage reinigen zu können, geregelt werden müssen.

Von Kappelrodeck aus werde die Papierfabrik Schleipen künftig geführt und verwaltet, erklärt das Unternehmen. Geschäftsführung, Einkauf, Vertrieb, Logistik und Finanzen der Lenk Gruppe sei zentral im Achertal angesiedelt. Das bedeute auch eine hohe Arbeitsplatzsicherheit vor Ort.

Die Gruppe aus jetzt drei Papierfabriken gehört zu 100 Prozent dem weltweit tätigen Unternehmer Rajeev Singh. Er ist Maschinenbauingenieur mit Erfahrung in der Konstruktion und Produktion von Komponenten und Baugruppen für die Automobil-, Flugzeug- und Medizinindustrie. Derzeit hält er Unternehmen in sechs Ländern weltweit.

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