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Eine Perspektive für Bewohner

Kappelrodeckerin hilft in den Armenvierteln von Kapstadt

Das Leben in den Townships von Kapstadt ist von Gewalt, Drogen und Kriminalität geprägt. Teresa Boulle hilft dabei, den Bewohnern eine lebenswertere Perspektive zu bieten.

Der Weltladen in Kappelrodeck verkauft  Produkte auch aus Afrika und unterstützt aus dem Erlös soziale Projekte, auch die von Teresa Boulle in Südafrika. Hier mit Thea Schmidt vom Weltladen-Team.   Foto: Roland Spether

Junge Leute stark machen, soziale Netzwerke aufbauen und gemeinsam Strategien für eine Lebensperspektive heraus aus einem Township in Kapstadt entwickeln: Dafür setzt sich die aus Kappelrodeck stammende Teresa Boulle, geborene Wald, in ihrer zweiten Heimat in Südafrika ein.

„Wir arbeiten mit jungen Erwachsenen aus einem Township, das sehr unterprivilegiert ist und in dem auf einem Quadratkilometer 40.000 Menschen leben“, so Boulle. Vor kurzem besuchte sie ihre Familie und Freunde in Kappelrodeck, informierte über ihre Arbeit, stellte Projekte vor und lud zur finanziellen Unterstützung ein. „Aus so einem Viertel herauszukommen, Arbeit zu finden und ein neues Leben zu beginnen, ist für die jungen Leute sehr schwer.“

In Südafrika lernte Sie die Liebe ihres Lebens kennen - und blieb

Vor sieben Jahren absolvierte damals noch Teresa Wald ein Sozialpraktikum in Südafrika, lernte dort die Liebe ihres Lebens kennen, heiratete und blieb in Kapstadt. Von Beruf ist sie Non-Profit-Managerin und qualifiziert für die Leitung von gemeinnützigen Einrichtungen, für Training, die Organisation von Projekten und außerschulische Bildung wie bei der Initiative „Amava Oluntu“.

Finanziell gefördert wird ihre hauptberufliche Tätigkeit durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie von der Kirche. Die Projekte unterstützen Einrichtungen wie der Verein „Starkmacher“ und der Weltladen ihrer Heimatpfarrei, der nach Auskunft von Thea Schmidt aus dem Erlös der Produkte aus vielen Ländern schon des Öfteren die Arbeit von Teresa Boulle unterstützte und ihr aktuell 1.000 mit auf den Weg gab.

„Amava“ bedeutet so viel wie Erfahrung, Lebensweisheit oder Wissen, das jeder Mensch von Geburt an durch jede Begegnung ansammelt. Damit möchte die Organisation vor allem außerschulisches Lernen und Kompetenzen anerkennen, die man im Laufe des Lebens aneignet.

Im Armenviertel ist der Alltag oft von Gewalt, Drogen und Kriminalität geprägt

Doch wer in einem der Townships in Kapstadt lebt, sammelt neben diesen Lebensweisheiten auch Erfahrungen von Armut, Gewalt, Drogen und Kriminalität, die fast keine Perspektiven für ein einigermaßen gutes und würdiges Leben ermöglichen. Zugänge zu Bildung, Beruf und Ausbildung fehlen.

Dagegen leistet die „Kapplerin“ mit ihrem Team persönlichen und fachlichen Widerstand, legt den Fokus auf Gemeinschaftsbildung, Chancengleichheit und im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe auf die Vermittlung von Kompetenzen, damit sich die jungen Leute selbst helfen und eine bessere Zukunft aufbauen können. Dahinter steht die Grundidee, dass in jedem Menschen etwas Wertvolles und Gutes steckt, das sichtbar und für die Gesellschaft nutzbar gemacht werden kann.

„Wir versuchen, zwischenmenschliche Lernräume zu schaffen, die vielfältigen Lebensweisheiten anzuerkennen und durch den Austausch individuelle Fähigkeiten zu entwickeln, um praktische Lösungen und widerstandsfähigere Einzelpersonen und Gemeinschaften zu schaffen.“ So liegt der Kern ihrer Arbeit auf der Stärkung von Einzelpersonen und Gemeinschaften, auf der gemeinsamen Suche nach nachhaltigen Lösungen für soziale Probleme etwa durch Trainings und Workshops mit partizipativen Methoden und interkulturelle Begegnungen, Förderung von jungem Unternehmertum und Netzwerkarbeit.

„Zwar wurden in Südafrika die sozialen Schichten seit dem offiziellen Ende der Apartheid vor 27 Jahren durchlässiger, dennoch bleiben große Teile der Bevölkerung wirtschaftlich marginalisiert“, so Boulle. Deshalb gehören Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildungschancen und eine schlechte Gesundheitsversorgung zu den größten Problemen im Land und von jungen Erwachsenen. Die daraus resultierende Ungleichheit wurde durch die Corona-Krise noch verschärft.

Viele denken, sie seien arm und dass sie deshalb auch nichts können. Das wurde ihnen ja auch so eingetrichtert.
Teresa Boulle, Sozialarbeiterin in Kapstadt

„Viele denken, sie seien arm und dass sie deshalb auch nichts können. Das wurde ihnen ja auch so eingetrichtert.“ Dabei gibt es so viele Potenziale und Talente, die darauf warten, genutzt zu werden. Vor dem Hintergrund vergangener Erfahrungen zwielichtiger Hilfsprogramme, werden Ideen von außen mit Misstrauen beäugt und eher abgelehnt. Es ist daher primäres Ziel, Menschen zu befähigen, lokale Schätze zu identifizieren und darauf aufzubauen, anstatt auf externe Hilfe und Lösungen zu warten. Hinzu komme das Thema Schwarz und Weiß, das zwar nach dem offiziellen Ende der Apartheid besser wurde. „Es bedarf noch einige Jahrzehnte, bis Heilung und gegenseitiges Vertrauen da sind“.

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