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Reichstett/Vendenheim

Erdbeben und weitere Stillegungen: Geothermieprojekt ist am Ende

Das Geothermieprojekt der Firma Fonroche in Reichstett/Vendenheim ist definitiv am Ende. Eine Wiederaufnahme der Aktivitäten auf dem Gelände der ehemaligen Ölraffinerie wird es laut Aussagen der Präfektin des Unter-Elsass, Josiane Chevalier, nicht geben.

Das Geothermie-Kraftwerk in Reichstett war einst ein Vorzeigeprojekt für Energiegewinnung aus Erdwärme. Nach einigen Erdbeben ist es nun hoch umstritten. Foto: Frederick Florin/AFP

Außerdem hat die Präfektin und damit die Vertreterin des französischen Staates vor Ort, drei weitere Geothermievorhaben im Umfeld von Straßburg – in Illkirch, in Eckbolsheim und Hurtigheim – vorerst gestoppt. An diesem Freitag (11. Dezember) wird über die Facebook-Seite der Eurométropole de Strasbourg eine Informationsveranstaltung zum Thema Geothermie live ins Internet übertragen.

Wer aufgrund des schweren Erdbebens am Freitag (4. Dezember) Schäden an seinem Haus entdeckt hat, kann sich über ein Kontaktformular direkt an die Firma Fonroche wenden. Nach Angaben der Stadt Kehl haben bereits etwa 100 Personen Schäden an ihren Häusern gemeldet.

An den beiden genehmigten Geothermievorhaben im Westen von Straßburg, in Hurtigheim und Eckbolsheim, haben die Arbeiten noch nicht begonnen. Antragsteller ist auch hier die Firma Fonroche. In Illkirch, wo Électricité de Strasbourg (ÉS), eine Geothermiezentrale errichten möchte, haben die Arbeiten zwar begonnen, wurden aber nach dem Erdbeben vom November 2019 vorübergehend eingestellt. Wie lange diese nun auf Eis gelegt sind, konnte Josiane Chevalier noch nicht sagen.

Noch vor der Ankündigung der Präfektin, auch die genannten Geothermievorhaben zunächst auf Eis zu legen, hat ÉS am Mittwoch die Anträge für zwei Geothermiebohrungen in Hoffen und Hunspach zurückgezogen. Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen sind offenbar bereits am 2. Dezember über diesen Schritt informiert worden, so die Stadt Kehl in einer Pressemitteilung.

Es gehe nicht darum, „der Geothermie den Prozess zu machen“ stellte die Präfektin noch am Mittwochabend auch auf Twitter klar. Vielmehr soll das Moratorium nun dafür genutzt werden, die Vorgänge, die zu den Erdstößen am 4. Dezember geführt haben, zu untersuchen. Dazu soll ein Expertenkomitee, bestehend aus internationalen Wissenschaftlern, eingesetzt werden, das unter der Leitung des französischen Energiewendeministeriums steht.

Auf dem Gelände von Fonroche in Reichstett/Vendenheim wird die Stabilisierungszirkulation ausschleichend verringert. Fonroche hatte diese Maßnahmen am Freitag, bereits eine Stunde nach dem ersten Beben, von sich aus eingeleitet. Bei einem abrupten Stopp dieses Prozesses, wäre nach Aussagen von Fachleuten mit weiteren Erdstößen zu rechnen. Das Verfahren bis zum kompletten Stillstand der Anlage kann drei bis vier Wochen dauern, wie die Präfektin ankündigte.

Eine Informationsveranstaltung, zu welcher Fragen eingereicht werden können, wird am Freitag, 11. Dezember, von 19 Uhr an, über die Facebook-Seite der Eurométropole de Strasbourg live ins Internet übertragen (strasbourg.eu oder participer.strasbourg-eurometropole.eu/-/geothermie).

An der Veranstaltung werden die Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian und die Präsidentin der Eurométropole, Pia Imbs, sowie Vizepräsidentin Danielle Dambach ebenso teilnehmen wie Erdbebenexperten. Über die Facebook-Seiten strasbourg.eu oder participer.strasbourg-eurometropole.eu/-/geothermie können bereits jetzt Fragen eingereicht werden.

Bis Mittwoch hatten bereits etwa 100 Personen Schäden an ihren Häusern gemeldet. Auch Betroffenen auf der deutschen Rheinseite wird geraten, ihre Schäden direkt über www.geoven.fr/contact/ anzuzeigen.

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