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Sparsamkeit oberstes Gebot

Klinik-Agenda im Ortenaukreis: Was passiert mit den Krankenhäusern nach der Schließung?

Die Agenda 2030 zur Neuordnung der Kliniklandschaft in Ortenaukreis ist umstritten - vor allen dort, wo Krankenhäuser geschlossen werden sollen. Für Oberkirch ist eine Nachnutzung gefunden, nun rückt Ettenheim in den Fokus.

Der Ortenaukreis ordnet seine Kliniklandschaft neu. Auch für das Klinikum in Lahr hat das Folgen. Foto: Bamberger

Die Folgenutzung der im Zusammenhang mit der „Agenda 2030“ zur Schließung vorgesehenen Kliniken nimmt Konturen an. Nachdem ein Konzept für das Ortenau-Klinikum in Oberkirch mit einem „Zentrum für Gesundheit“ gefunden wurde, deutet sich eine ähnliche Lösung für Ettenheim an.

Sparsamkeit bleibt für Christian Keller auch dabei das oberste Gebot. Angesichts der bis zur Umsetzung der Agenda 2030 drohenden Verluste von schätzungsweise 280 Millionen Euro treibt den Geschäftsführer des Ortenau-Klinikums die Frage um, wie das zu erwartende Defizit zu vermindern ist.

Schon in der kommenden Woche wird sich der Ausschuss für Gesundheit und Kliniken des Kreistags mit diesem Thema befassen. Den Kreisräten liegt dabei unter anderem ein Konzept vor, das gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen soll: Es geht um die Nachnutzung des Klinik-Standorts Ettenheim, das ähnlich wie in Oberkirch zu einem „Zentrum für Gesundheit“ ausgebaut werden könnte. Damit könnten die bereits beschlossenen Ausgaben für den Ausbau des OP-Bereichs eingespart werden.

Neuer Operationssaal in Ettenheim überflüssig

Handlungsspielraum gewinnt der Klinik-Geschäftsführer in Ettenheim durch die Anfang 2021 erfolgte Kündigung von Charlotte Hase, Chefärztin für Fuß- und Sprunggelenktherapie, deren Team den vorhandenen, allerdings sanierungsbedürftigen Operationssaal fast ausschließlich allein nutzt.

Wie aus der dem „Acher- und Bühler Boten“ vorliegenden Vorlage zur Sitzung hervorgeht, könne der Fachbereich nach dem Weggang der Chefärztin nicht mehr aufrechterhalten werden, da sie von ihrem gesamten ärztlichen Team zu ihrer neuen Stelle begleitet werde.

Die aktuelle Entwicklung macht den bereits beschlossenen Anbau eines neuen Operationssaals in Ettenheim überflüssig. Deshalb schlägt die Klinik-Verwaltung dem Ausschuss nun vor, das bereits angelaufene Planungs- und Vergabeverfahren zu stoppen und statt dessen im Bestand die Weichen für zwei „Eingriffsräume“ für ambulante Operationen zu stellen. Bei einem bisherigen Volumen von 4,69 Millionen Euro geht man von einem Einsparvolumen von 2,6 bis 3,1 Millionen Euro aus.

Zur Reduzierung des Defizits schlägt die Verwaltung für die Zeit bis zur Umwandlung des Klinik-Standorts Ettenheim in ein „Zentrum für Gesundheit“ vor, die Ausweitung der Inneren Medizin und des Fachbereichs Schmerztherapie zu prüfen, ebenso die Ergänzung des das Leistungsspektrums durch den Bereich Suchtmedizin.

Großes Potenzial für „geriatrische Rehabilitation“

Ebenfalls angestrebt wird die Verlagerung ambulanter Operationen von Lahr nach Ettenheim sowie die Ausweitung der vorhandenen Arztsitze im Medizinischen Versorgungszentrum. Prüfen wolle man, ob hier auch die chirurgische Notfallversorgung gewährleistet werden kann.

Als wesentlicher Baustein für das künftige „Zentrum für Gesundheit“ in Ettenheim soll der „geriatrischen Rehabilitation“ eine besondere Bedeutung zukommen. Wie aus der Vorlage hervor geht, wird hier „ein großes Potenzial für den Ortenaukreis“ gesehen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels komme der flächendeckenden und bedarfsgerechten medizinischen Versorgung älterer Menschen eine wachsende Bedeutung zu.

Ziel der Rehabilitation sei die Wiederherstellung der Selbstständigkeit älterer Menschen und die Vermeidung der Pflegebedürftigkeit. Die Klinikverwaltung will nicht ausschließen, dass eine solche Einrichtung in Ettenheim in Eigenregie geführt wird, sollten Gespräche mit potenziellen Anbietern nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen.

Um eine geriatrische Rehabilitation in Ettenheim sinnvoll aufzubauen, seien 60 Betten erforderlich. Wie es heißt, würden die dafür nötigen Umbauten im Gebäudebestand Kosten von acht bis zehn Millionen Euro verursachen.

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