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Kreis treibt Krankenhausreform weiter voran

Klinik in Ettenheim schließt: Neuer Standort und neues Konzept für Schmerztherapie

Der Ortenaukreis treibt seine Klinikreform weiter voran. Betroffen ist jetzt auch die Schmerztherapie in Ettenheim, die umziehen muss und neu aufgestellt wird. Das soll auch weiteren Ärger bei der Abrechnung vermeiden.

Die Schmerztherapie als letzte Option: In Ettenheim hat man vielen Schmerzpatienten geholfen. Mit der Schließung des Krankenhauses zieht die Einrichtung nach Lahr und wird neu aufgestellt. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Das ein wenig unscheinbar in einer Ecke des Kreises verweilende Klinikum in Ettenheim hatte immer eine Besonderheit zu bieten: seine Schmerzmedizin.

Wer keinen Rat mehr wusste, hat dort einen Termin gebucht. „Der Schwerpunkt liegt in der multimodalen Schmerztherapie für Patienten, die zuvor von Arzt zu Arzt gegangen sind“, sagt Peter Kraemer, medizinischer Direktor des Ortenau Klinikums. Jetzt zieht das Angebot um.

Schließung der Klinik rückt näher

Mit der nun schnell näher rückenden Schließung des Ettenheimer Hauses im Zuge der Agenda 2030 wird die Einrichtung nach Lahr verlagert – und neu aufgestellt. Nicht zuletzt, um bei der Abrechnung auf der sicheren Seite zu sein, strebt der Kreis eine teilstationäre Lösung an. Die Patienten kommen morgens und gehen abends wieder.

„Wir können uns mit dem neuen Konzept moderner und MDK-konform aufstellen“, so Peter Kraemer im Hinblick auf regelmäßige Rückfragen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Die bislang praktizierte stationäre Behandlung über bis zu 14 Tagen sei „immer wieder streitig gestellt“ worden. Dem könne man mit einer Tagesklinik und teilstationären Behandlungszeiten jeweils zwischen 8 und 16 Uhr entgehen.

Der Andrang ist riesig und die Wartezeiten sind lang.
Peter Kraemer, Medizinischer Direktor Ortenau Klinikum

Die Einrichtung in Ettenheim hatte Patienten in einem beachtlichen Einzugsbereich im gesamten südbadischen Raum gewinnen können. Doch sie ist überschaubar: In einem ersten Schritt sollen acht Plätze am Lahrer Klinikum eingerichtet werden, die Möglichkeit der stationären Aufnahme bleibe aber weiterhin bestehen, wenn dies geboten ist.

Um die Nachfrage muss man sich nicht sorgen: „Der Andrang ist riesig und die Wartezeiten sind lang“, so Kraemer auf Nachfragen aus dem Krankenhausausschuss am Dienstag.

Doch auch wenn man mit der teilstationären Variante eine Lösung gefunden hat, von der man sich weniger Nachfragen des Kostenträgers erhofft, das Problem der Finanzierung steht weiter im Raum. Denn landesweit gebe es solch teilstationäre Angebote gerade einmal an drei Häusern. Damit müssen die Sätze zur Kostenerstattung einzeln verhandelt werden – man werde sich wohl irgendwo in dem Spektrum wiederfinden, das auch für die anderen Häuser gilt.

Verträge sind unterzeichnet

Der Kreistag hatte im Oktober vergangenen Jahres die Schließung des Ettenheimer Hauses auf den Weg gebracht. Es wäre, nach Gengenbach und Oberkirch, der dritte Standort, der der Agenda 2030 zum Opfer fällt.

Sobald die Arbeiten zur Einrichtung der dort geplanten geriatrischen Reha beginnen, werde ein Teil des Gebäudes abgerissen und der Klinikbetrieb ende, kündigt die Verwaltung an.

Das könnte bald sein, die entsprechenden Verträge mit einem Betreiber der Rehaeinrichtung wurden jüngst unterzeichnet.

Um Ettenheim hatte es, wie um Oberkirch, harte Debatten gegeben, letztlich setzte sich die Verwaltung angesichts der dramatischen Kostenentwicklung in den Krankenhäusern mit ihrem Zeitplan durch, der das Aus für Oberkirch und Ettenheim weit vor der ursprünglich erwarteten Restlaufzeit vorsieht.

Harte Debatten um den Standort

Auch in Oberkirch soll ein so genanntes Gesundheitszentrum entstehen, der Krankenhausbetrieb ruht bereits seit September vergangenen Jahres. Ebenso einstimmig wie den Beschluss zur Schmerzmedizin in Ettenheim verabschiedete der Klinikausschuss den städtebaulichen Vertrag mit der Stadt Oberkirch, der im Renchtal die weiteren Schritte regelt. Am 21. März kommt das Thema dann im Oberkircher Gemeinderat auf den Tisch.

„Das ist ein sehr guter Kompromiss, der Kreis geht hier eine große finanzielle Verpflichtung ein“, lobt Alfred Baum (Grüne) den Vertrag. Jetzt müsse man sehen, wie sich das in den kommenden Jahren auswirkt – da gebe es bisher keine Blaupausen.

Der Kreis hatte sich bekanntlich verpflichtet, in Oberkirch einzuspringen, wenn in bestimmten Bereichen die Finanzierung der neuen Strukturen nicht hinreichend ist. Insgesamt stellt er für die Umnutzung zehn Millionen Euro zur Verfügung.

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