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Symbol über Weihnachten hinaus

Um das Friedenslicht aus Bethlehem kümmert man sich in Lauf mit großem Aufwand

Als Friedenssymbol wird in jedem Advent ein Kerzenlicht aus Bethlehem nach Europa transportiert und weiterverteilt. In der Gemeinde Lauf macht das seit 15 Jahren Agnes Fartaczek, die einige Anekdoten aus der Zeit zu erzählen hat.

Gut bewachte Kerze: Vor dem Haus von Agnes Fartaczek und ihrer Familien in Lauf brennt ab dem dritten Advent das Friedenslicht aus Bethlehem. Foto: Stefanie Prinz

Es muss weiterbrennen: Mit viel Aufwand wird in jedem Advent ein Kerzenlicht quer durch Europa verteilt. Die Reise, bis die Flamme aus Bethlehem bei den Menschen zu Hause ankommt - und dann auch tatsächlich noch brennt - ist mitunter mit einigem Nervenkitzel verbunden. Agnes Fartaczek kümmert sich seit 15 Jahren darum, dass das weihnachtliche Friedenssymbol auch in Lauf immer wieder leuchtet – und hat in dieser Zeit so einige „flammende“ Geschichten erlebt.

In Bethlehem wird das Licht immer im Advent entzündet, nach Wien geflogen und von dort, gehütet wie ein Augapfel, zu verschiedenen Verteilstellen gebracht. Agnes Fartaczek, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, holte es für die Laufer in den Anfangsjahren selbst an solchen Stellen ab, erst in Freiburg, dann in Offenburg.

Inzwischen kommt es aus Bühl, wohin es von Daniela Weißmann vom Verein „Kleiner Stern“ gebracht wird. So sei der Aufwand für sie selbst geringer, aber: „Jemand muss sich trotzdem darum kümmern.“

Abenteuerliche Autofahrt mit dem Friedenslicht aus Bethlehem

Und für etwas Abenteuergefühl reicht auch diese deutlich kürzere Fahrtstrecke, erzählt sie: „Wenn ich das Licht hole, habe ich dafür immer drei, vier oder sogar fünf standfeste Kerzen in Laternen dabei, falls unterwegs eine davon ausgehen sollte – man sichert sich ja ab.“

Damit der Korb mit diesen Laternen im Auto nicht verrutscht, muss mitunter eine Hand zum Lenken reichen. „Auf der Bundesstraße ist das noch einfach, aber wenn es dann bergauf geht, wird es manchmal schwierig.“ Denn: Damit auf der nicht wirklich ebenen Strecke das flüssige Wachs die Flammen nicht „ertränkt“, ist Wachsamkeit gefragt. „Das ist dann doch immer wieder spannend“, sagt sie.

Am dritten Advent in der Gemeinde angekommen, können die Einwohner sich an dem Licht selbst eine Kerze anzünden und mitnehmen. Im Hause Fartaczek brennt es an immer wieder erneuerten Kerzen bis weit über Weihnachten hinaus – wenn alles gut geht.

„Einmal hatte unser Sohn an Silvester Übernachtungsgäste, die nachts pflichtbewusst alle Lichter ausgemacht haben – wer geht schon schlafen und lässt eine Kerze brennen?“ Sie hätten ja nicht geahnt, welcher Aufwand betrieben wird, damit genau diese gerade nicht ausgeht, schmunzelt sie.

Das Weitergeben ist jedes Mal ein Gänsehautmoment.
Agnes Fartaczek Pfarrgemeinderatsvorsitzende

So brennt vor der Haustür der Familie in Lauf eine große Kerze bis „Mariä Lichtmess“ am 2. Februar. „Das wissen die Leute und holen es sich hier teilweise auch noch ab.“ Als im März während des Corona-Lockdowns nicht nur die Region den Atem anhielt, zündete sie diese Kerze ausnahmsweise wieder an – an einem zweiten Bethlehem-Licht, das noch drinnen im Haus brannte.

Und auch in dieser Zeit hätten viele Menschen sich hier wieder eigene Kerzen angezündet, obwohl Weihnachten schon lange vorbei war: „Viele verbinden damit ein Hoffnungszeichen, gerade in dieser seltsamen Zeit“, sagt Agnes Fartaczek.

„Das Weitergeben ist jedes Mal ein Gänsehautmoment. Ich brenne dafür wie die Kerze selbst.“ Die „Lichterfeier“ in Lauf begann einst im heimischen Hof, seit 2008 wird sie im Zusammenhang mit der örtlichen Adventsfenster-Aktion gemeinsam mit der Kolpingfamilie samt Umtrunk und Musik zelebriert– ein Event, das in dem Örtchen bis zu 100 Besucher anzieht. Pandemiebedingt wird das diesmal anders sein.

In Lauf gibt es am dritten Adventssonntag, 13. Dezember, diesmal keine übliche „Übergabefeier“. Stattdessen kann das Licht, um den Andrang zu entzerren, zwischen 18.30 und 20 Uhr in der Kirche „abgeholt“ werden. Welche 23 Fenster bei der Laufer Adventsfenster-Aktion diesmal geschmückt und beleuchtet werden, steht auf der Internetseite der Seelsorgeeinheit aufgelistet.

Friedenssymbol kommt von einem spannungsgeladenem Ort

„Wir waren als Familie selbst mehrmals in Israel, und weil wir jemanden kannten, der jemanden kannte, konnten wir auch über die Grenze und an diesen Ort“, sagt sie über die sogenannte Geburtsgrotte in Bethlehem, wo das Friedenslicht entzündet wird: „Bethlehem ist nicht so idyllisch wie man sich das vorstellt, vor allem, wenn man an der Grotte die Streitigkeiten der verschiedenen christlichen Kirchen sieht.“

Das Friedenslicht aus Bethlehem wird seit 1986 verteilt, seit 1994 auch in Deutschland. Hinter der Aktion stehen die Pfadfinderverbände, ursprünglich stammt die Idee vom Österreichischen Rundfunk ORF – ein österreichisches Kind entzündet jedes Jahr das Licht an dem Platz, der als Geburtsort von Jesus gilt. Dann wird das Licht im Flugzeug von Bethlehem nach Wien transportiert, bevor es von dort aus zu verschiedenen Übergabestellen gebracht wird, normalerweise per Zug, im Corona-Jahr mit Autos.

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