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Klare Entscheidung des Kreistags nach kontroverser Debatte

Notarztdienste im Ortenaukreis: Eine Genossenschaft soll es richten

Der Versuch, die kreisweit rund 140 Notärzte allein am Ortenau Klinikum anzusiedeln, ist gescheitert. Ins Spiel kommt jetzt eine Genossenschaft, wie in anderen Kreisen auch.

Schwierig, teuer und kompliziert: Die Organisation des Notarztdienstes im Ortenaukreis ist in den vergangenen 20 Jahren nicht angefasst worden. Jetzt stellt der Kreis das System komplett neu auf. Foto: Markus Scholz/dpa

Der Notarztdienst im Ortenaukreis wird auch künftig zweigleisig organisiert. Nur Minuten benötigte der Kreistag, um ein Thema durchzuwinken, über das man sich zuvor wochenlang die Köpfe heiß geredet hatte.

Der mit einer Enthaltung gefasste Beschluss greift einen Kompromiss auf, zu dem sich Anfang Juli der Ausschuss für Gesundheit und Kliniken durchgerungen hatte.

Er sieht die Organisation des Dienstes zu den üblichen Arbeitszeiten über ein standortübergreifendes Departement beim Ortenau Klinikum vor. Nachts und an den Wochenenden stellt eine Genossenschaft das Personal. Ob dies im Gegensatz zu dem teuren bisherigen System kostenneutral sein wird, dies wurde am Dienstag in der Friesenheimer Sternenberghalle nicht weiter vertieft.

„Es ist ein hochkomplexes und hochwichtiges Thema“, hatte Landrat Frank Scherer betont, als er die Frage auf die Tagesordnung setzte. Notwendig geworden war die Neuordnung durch den Ausstieg des DRK aus der Organisation der Dienste zum Jahresende. Bis dahin muss dann die neue Lösung stehen, die nicht die ist, die Verwaltung und Klinikum anfangs vorgeschlagen hatten.

Ein hochkomplexes und hochwichtiges Thema.
Frank Scherer, Landrat

Jene sah nämlich vor, das Departement am Klinikum mit der gesamten Organisation einschließlich der Aus- und Fortbildung der Ärzte zu betrauen. Die nun gefundene Lösung, über die offenbar bis kurz vor der entscheidenden Sitzung des Ausschusses am 6. Juli noch heftig verhandelt worden war, bietet ein bisschen von allem.

Notärzte im Ortenaukreis: Neue Lösung bindet niedergelassene Ärzte mehr ein

Laut Bruno Metz, CDU-Bürgermeister in Ettenheim und Initiator der nun gefundenen Lösung, hätte die ursprünglich vorgeschlagene Organisation zwar gut für das große Klinikum in Offenburg gepasst, nicht aber für alle anderen. Schließlich seien kreisweit acht Notarztstandorte rund um die Uhr zu besetzen gewesen und nicht nur einer.

Die nun gefundene Alternative bindet die freien Mediziner wie beispielsweise niedergelassene Ärzte enger ein. Diese bieten ihre Leistungen nach dem nun gefundenen Modell über eine Genossenschaft an, bei der sie als selbstständige Unternehmer geführt werden – ein Modell, wie in der Vorberatung deutlich wurde, das die strikten Arbeitszeitvorgaben angestellter Mediziner umschifft.

Es bleibt beim Appell, sich an die Vorgaben zu halten. Offen blieb in der Vorberatung, ob dies dauerhaft so funktionieren kann oder ob hier rechtliche Riegel vorgeschoben werden. In drei Jahren soll die jetzt gefundene Lösung noch einmal „evaluiert“ werden.

Klinik-Chef Keller spricht von Vorbild-Charakter

Die Departement-Lösung werde „in Baden-Württemberg Vorbildcharakter haben“, so Klinik-Geschäftsführer Christian Keller in einer nach der Sitzung des Kreistags verbreiteten Erklärung. Die sei ein wichtiger Baustein, um die Notarztversorgung im Rahmen der Agenda 2030 zur Reform der Klinikstruktur sicherzustellen.

Das beim Klinikum angesiedelte Departement ist für die Notarztversorgung an Wochentagen von 8 bis 16 Uhr zuständig und im Bereich des Offenburger Klinikums rund um die Uhr. Eine Sonderreglung gibt es für das Kinzigtal, das eine eigene Struktur hat. Die verbleibenden Aufgaben übernehmen die in der Genossenschaft organisierten so genannten „Honorarnotärzte“.

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