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Dank Frost im Februar

Obstbauern-Schreck ausgebremst: Weniger Kirschessigfliegen in der Ortenau

Kleines Insekt - große Wirkung: Die Kirschessigfliege ist das Schreckgespenst der Obstbauern und Winzer. Doch gilt das auch für dieses Jahr?

Die Kirschessigfliege wanderte aus Asien ein und verursacht im Obst- und im Weinbau große Schäden. Foto: Fredrik von Erichsen picture alliance / dpa

Sie misst nur etwa 2,5 bis 3,5 Millimeter und ist dennoch das große Schreckgespenst der Winzer, Obstbauern und Gartenbesitzer. Die Kirschessigfliege befällt mit Vorliebe reifende Früchte und rötliche Trauben.

Die Schäden sind in der Regel immens, doch dieses Jahr scheint es seltsam still um das Horror-Insekt mit dem wissenschaftlichen Namen Drosophila suzukii.

Rar gemacht? „Der Befallsdruck ist in diesem Jahr nicht so stark wie in den vergangenen Jahren“, bilanziert Hans-Dieter Beuschlein. Das heiße aber nicht, dass es keinen Befall gegeben habe oder gibt, gleichsam entband das die Obstbauern auch nicht, zu spritzen, so der Pflanzenschutzberater beim Amt für Landwirtschaft im Landratsamt Ortenaukreis.

Die Kirschessigfliege liebt rote oder rötliche Trauben. Das Weibchen ritzt die Fruchthaut an und legt die Eier hinein. Foto: Rolf Haid picture alliance / dpa

Februar-Frost hemmt Fliegen-Entwicklung

Auch der Obstgroßmarkt Mittelbaden (OGM) vermeldet „deutlich weniger Probleme“ mit Drosophila suzukii. „Kein Vergleich zum Vorjahr, da war der Druck sehr hoch“, sagt Anbauberater Markus Litterst. Das hat Gründe: Im Februar war es sehr kalt, am 10. Februar zum Beispiel mit Schnee und Temperaturen um die Minus 15 Grad Celsius. Das gehe den Fliegen an die Substanz, bremst die zügige Generationen-Entwicklung aus.

Dazu kam dann ein kühler und dunkler Mai, auch nicht gerade förderlich für die Insekten. So war der Befallsdruck bei den Kirschen daraufhin „überschaubar“. Das heißt aber auch laut Obstgroßmarkt nicht, dass die Fliege nicht da war. Und wo nicht gespritzt wurde, war durchaus ein Befall zu verzeichnen.

„Ohne Behandlung geht es auch in solchen Jahren nicht“, so Litterst. Und ohne strikte Kontrollen ebenso nicht. Die erfolgen beim Wareneingang, Monitoring sagen die Experten dazu, dabei wird überprüft, ob die angelieferten Früchte einen Befall mit Eiern oder Larven aufweisen.

Auch wenn die klimatischen Bedingungen in diesem Jahr für die Fliege in vielen Monaten eher suboptimal waren, Anlass zum Jubel verspürt man beim OGM nicht unbedingt. „Die Erntemenge war erschreckend gering“, berichtet der Anbauberater für die Obsterzeuger. Aber eine gewisse Hoffnung gibt es dann doch: Dass im kommenden Frühjahr die neuen Generationen der Kirschessigfliege zahlenmäßig ebenfalls nicht so stark ausfallen.

Obstparadies Mittelbaden mit Idealbedingungen

Das Obstparadies Mittelbaden bietet mit seiner Vielfalt Drosophila suzukii ideale Bedingungen, und die liegt in der Vielfalt - Steinobst, Beerenobst, Weinbau. Der Saisonkalender des OGM weist für Mai bereits die ersten Himbeeren aus, dann geht es bis ins Spätjahr Schlag auf Schlag, Schlaraffenland für das Schreck-Insekt, das aus dem asiatischen Raum eingewandert ist und Anfang der 2010er Jahre erstmals im südlichen Baden gesichtet wurde.

Weniger Fliegen, das zeigten die Monitorings, aber laut Pflanzenschutzberater Hans-Dieter Beuschlein reicht das durchaus für eine Gefahr bei den empfindlichen Sorten und es reicht auch für wirtschaftlichen Schaden. Doch noch einmal zurück zum Wetter. Trocken-heiße Witterung wie im Vorjahr oder 2019 mag die Kirschessigfliege gar nicht so. Ihr kommt es eher zupass, wenn sich die Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad Celsius bewegen und noch einiges an Feuchte dazukommt.

Das Wetter im Sommer war also „für die Kirsche misslicher als für die Kirschessigfliege“, sagt Beuschlein. Leidtragende waren da nicht nur die Tafel-, sondern auch die Brennkirschen, denen einfach die Oechsle fehlten.

Regen lässt Trauben platzen

An der Rebfront scheint der Befallsdruck ebenfalls geringer ausgefallen zu sein, so ist es der Monitoring-Karte des Staatlichen Weinbauinistituts Freiburg (VitiMonitoring) zu entnehmen. Gleichwohl: Das betonen die Experten, heiße das nicht, dass nichts getan werden müsse, vor allem nicht in den besonders gefährdeten Rebsorten, die da zum Beispiel Acolon, Cabernet Dorsa oder auch Gewürztraminer und Regent heißen.

Zu den Pflegemaßnahmen gehört laut Hans-Dieter Beuschlein auch, den Bewuchs unter den Reben kurzzuhalten. Der üppige Regen bringt dazu noch eine weitere Gefahr: Die Trauben können platzen.

Dann kommt noch eine andere Drosophila-Verteterin, also Tau-, Obst-, Frucht-, Gär- oder Mostfliegen, wie sie auch heißen, zum Zuge: Drosophila melanogaster. Die ritzt die Obsthaut nicht ein, wie ihre asiatische Verwandte, sondern legt die Eier in die bestehende Wunde. Melanogaster ist just die Vertreterin, die sehr hohes Nervpotenzial in allen Küchen haben kann, in denen Obst steht.

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