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„Mein Leben mit Promis und Cocktails“

Offenburger Barkeeper-Legende Sigi Späth veröffentlicht Autobiografie

Sigi Späth war als Barkeeper weltweit unterwegs und brachte den Caipirinha von Brasilien nach Deutschland. Nach seiner Rückkehr mixte er in Offenburg seine Drinks. In seiner Autobiografie erzählt Späth von seinem bewegten Leben.

Denkt gerne an die alten Zeiten: Sigi Späth blickt auf unzählige Begegnungen mit Promis zurück – mit Bob Marley, Carlos Santana und vielen anderen. Foto: Hubert Röderer

Mit 18 ist er, der Bub aus dem Schwäbischen, nach Kanada und in die USA ausgewandert. Er wurde Seemann und Hoteljunge, später Barkeeper. Er hat so viele Irish Coffees gemixt wie kaum ein anderer auf der Welt. Er hat den Caipirinha von Brasilien nach Deutschland gebracht und Jahrzehnte in seinem Beruf gearbeitet – vor allem in Offenburg.

Er hat unzähligen Persönlichkeiten Cocktails kredenzt. Jetzt hat er ein Buch geschrieben, Titel: „Sigi Späth – mein Leben mit Promis und Cocktails“. Ab Anfang Dezember ist es erhältlich.

Ja, er habe was zu erzählen, sagt Sigi Späth und lächelt. Er freut sich sichtlich auf das Werk, das im TBB-Verlag in Baden-Baden erscheinen sein wird. Der Autor ist weithin bekannt – unter ganz gewöhnlichen Nachtschwärmern wie auch unter Prominenten.

Hat er sie doch in seinem Arbeitsleben, das sich meist in der Nacht und unter Tage abgespielt hat, alle bedient: Handwerker wie Akademiker, Politiker wie Musiker, Schauspieler wie Boxer. Die Bar im Palmengarten, Sigis Scotch-Club, das Hemingway – fast vier Jahrzehnte lang hat er seine Gäste mit leckeren Drinks verwöhnt, tat mitunter auch als Beichtvater wichtige Dienste.

Seine Diskretion wurde dabei genauso geschätzt wie sein exzellentes Gespür für den idealen Aperitif oder Digestif. Oder wie das Ambiente beim Absacker.

Dass er mal als Barkeeper-Legende in Offenburg landen würde, hätte er nie gedacht. 1939 in Gschwend bei Backnang geboren und in Heidenheim aufgewachsen, sollte er auf Vermittlung des späteren IG-Metall-Funktionärs Eugen Loderer beim Turbinenhersteller Voith eine Ausbildung absolvieren.

Doch das schmeckte dem jungen Mann nicht. „Ich hau ab“, habe er sich gesagt. Prompt ging es im September 1957 mit dem Schiff von Bremerhaven nach Quebec – kein Vergnügen, zumal die dort grassierende asiatische Grippe auch ihn erwischte und sechs Wochen aufs Krankenlager zwang. Wieder genesen, jobbte er in Hotels und auf See, auf einem Schiff der US-Marine genauso wie auf der „Paloma Hills“, welche Flugzeugträger mit Sprit versorgte.

„Ich habe auch die Kuba-Krise miterlebt“, erzählt er. In jenen Jahren Anfang der 60er Jahre war er auch als Offiziersordonnanz tätig, kam erstmals mit Tätigkeiten in Berührung, die zu seinem Hauptberuf werden sollten. Bei einem Landaufenthalt in Tampico (Mexiko) lernte er seine Frau Lillian kennen, die er 1960 standesamtlich heiratete und ein Jahr später kirchlich. Vier Kinder kamen zur Welt.

Nach seinen internationalen Stationen landete Sigi Späth 1972 im Palmengarten in Offenburg

1969 zog es Späth nach Deutschland zurück, er hatte seine Mutter 13 Jahre nicht mehr gesehen. Doch wenige Monate später starb sie. In Ulm an der Donau trat er seinen ersten Job als Kellner und Barkeeper an, wechselte bald ins Colombi nach Freiburg und 1972 in den Palmengarten in Offenburg.

Nach ein paar Jahren übernahm er die damalige Bar unterm Gasthaus Tritschler, aus dem „Schaukelstuhl“ wurde „Sigis Scotch-Club“. 1999 wagte er sich noch mal an etwas Neues, das „Hemingway“ an der Ecke Hauptstraße/Ritterstraße.

Im März 2010 zog er die Tür endgültig hinter sich zu. Vorbei war die Nachtarbeit, im Gedächtnis bleiben viele gute Gespräche.

Die Barkeeper-Legende mixte schon Drinks für Bob Marley und Led Zeppelin

Doch Späth hat sich bis heute nicht dem Ruhestand verschrieben, ist auch mit 82 noch als Whisky-Botschafter tätig, gibt Seminare und wohnt nach wie vor in Schutterwald. Und denkt gerne an die alten Zeiten. An 1975, etwa, als er Bob Marley nach dessen Auftritt beim Offenburger Open-air auf dem Messegelände in seiner Bar trösten musste: Lärmgestresste Anwohner hatten durchgesetzt, dass der Stecker gezogen wurde und somit die Instrumente verstummten.

An 1977, da Späth den „Caipirinha“ von Brasilien nach Deutschland brachte und ihn populär machte, an 1979, da er innerhalb eines Jahres die sagenhafte Zahl von 35. 000 Irish Coffees mixte, an all die Begegnungen mit Peter Alexander und Udo Jürgens, mit Carlos Santana, Max Schmeling und Inge Meysel oder mit den Rockmusikern von Procol Harum, Uriah Heep und Led Zeppelin. Ein „großer Kumpel“ sei der englische Blues-Musiker Alexis Corner gewesen.

Doch auch Willy Brandt und Helmut Schmidt, Breitner und Beckenbauer, Helmut Schön und Walter Scholz sei er beim Drink begegnet. Nach Steffi Graf habe er einen Cocktail benannt. Auch in Baden-Baden und im Europa-Park habe er Menschen an der Bar bedient. Dass Sigi Späth ein Meister seines Fachs ist, beweisen auch die Urkunden: Bei sechs Weltmeisterschaften war er weit vorne, bei der EM 1985 in Istrien holte er gar den Titel.

Und was macht den Spitzencocktail aus? „Die Mixtur, die gute Farbe, die Präsentation – nicht der Alkohol.“

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