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Offenburger Amtsgericht verurteilt 58-Jährigen

Eimer voll Fäkalien über Lokalbesuchern ausgekippt

Wegen angeblicher Ruhestörung vor einem Lokal in der Offenburger Innenstadt am 24. Dezember 2019 hat ein über dem Lokal wohnender Mieter einen Eimer voll Fäkalien über sechs junge Leute geschüttet. Der 58-Jährige stritt die Tat ab.

Ekliges Weihnachten: Das Amtsgericht Offenburg hat einen 58-Jährigen Mann zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er in der Offenburger Innenstadt einen Eimer voll Fäkalien über sechs Personen ausgeleert hatte. Foto: Patrick Seeger picture alliance/dpa

Eine „Bescherung der besonderen Art“ erlebten sechs Personen am Heiligen Abend 2019 vor einem Lokal in der Offenburger Innenstadt. Nach dem Verlassen der Gaststätte um Mitternacht verweilten sie noch eine Weile im Außenbereich, was dem darüber wohnenden Mieter und Angeklagten wegen angeblicher Ruhestörung „auf die Erbse“ ging, wie er sagte.

Kurzerhand schüttete er einen Eimer, gefüllt mit Fäkalien, aus dem dritten Stockwerk über die Köpfe der jungen Leute. In der Anklageschrift von Staatsanwältin Adyamam wird dem 58-jährigen Offenburger vorsätzliche Körperverletzung in sechs tateinheitlichen Fällen vorgeworfen.

Dem arbeitslosen Hartz 4 Empfänger ist zunächst ein Strafbefehl von 600 Euro zugegangen, gegen den er Einspruch einlegte. Diesen begründete er damit, dass er die Tat nicht begangen habe. Bei dieser Behauptung blieb er dann auch beim Strafprozess vor dem Amtsgericht Offenburg.

Richterin Marion Pabst verurteilte den mehrmals wegen leichteren Delikten vorbestraften Familienvater zu 700 Euro Geldstrafe, zuzüglich der Prozesskosten. Dies hätte sich der uneinsichtige Mann, der ohne Verteidiger erschienen war, ersparen können. Zu eindeutig war die Beweislast aus den Zeugenvernehmungen.

Mehrere Beschwerden wegen Ruhestörung

An jenem Abend habe er mehrmals die Polizei wegen Ruhestörung im und vor dem Lokal angerufen. Die Streifenbeamten konnten daraufhin aber keine Unregelmäßigkeiten bei den Kontrollen vor Ort feststellen. Nach Mitternacht war es dann die sechsköpfige Gruppe, welche die Polizei an den Tatort gerufen hat. Die Polizei traf sie mit zum Teil extrem verschmutzten Kleidern vor.

Bei der daraufhin erfolgten Wohnungsdurchsuchung beim Tatverdächtigen fanden diese gleich den Eimer im Wohnzimmer vor dem Fenster, bei dem noch Reste von den Fäkalien erkennbar waren. Diese habe der Angeklagte sofort beim Eintreffen der Polizei noch entsorgen wollen. Auch waren die Gesimse des Fensters mit „gelben Wasserpfützen“ belegt, so der Polizeibeamte am Zeugenstand. Sein Eindruck beim Anblick der Geschädigten sei ekelerregend gewesen.

Für die Geschädigten besteht kein Zweifel an der Täterschaft

Der Angeklagte behauptete in der Tatnacht, dass er sich zwar vom „Radau“ der Gruppe gestört fühlte, aber der Vorfall mit den Fäkalien komme nicht von ihm, „das waren vielleicht Gäste vom Lokal“, sagte er. Die Geschädigten erklärten alle unisono als Zeugen, dass die stinkende Flüssigkeit aus dem dritten Stockwerk geschüttet wurde, eben aus der Wohnung des Angeklagten.

Eine der Geschädigten, eine 22-jährige Erzieherin, schilderte, dass sie im Umgang mit Kleinkindern einiges gewohnt sei, aber das was sie damals erlebte, war „grenzwertig“. Auch die Polizei sprach von einem Gestank im ganzen Revier, nachdem die Geschädigten dort vernommen wurden. Die Flüssigkeit war ein Gemisch aus Kot, Urin und Erbrochenem.

Die Geschädigten sprachen auch von Folgeschäden, wie Schlafstörungen und Ängsten vor übertragbaren Krankheiten. Eines der Opfer ließ sich sogar die Haare abschneiden, da diese nicht mehr zu säubern waren. Die Richterin blieb mit dem Strafmaß von 700 Euro für diese eklige Tat über dem Antrag der Anklägerin mit einer Strafe von 600 Euro. Sie begründete ihre Entscheidung damit, dass der Verurteilte in keiner Weise geständig war.

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