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Stadtsanierungsprojekt Bahnhof-Schlachthof

Pop Up in Offenburg: Der Mensch besetzt Straßenflächen

Von Pop up spricht man immer dann, wenn irgendwo plötzlich etwas auftaucht. In Offenburg sind es Menschen.

Neues Tor zur Stadt: Das Offenburger Bahnhofsquartier (samt Schlachthofareal) soll in einem tiefgreifenden, städtebaulichen Prozess aufgewertet werden. Foto: Christoph Lötsch/Stadt Offenburg

Wie sehr sich die Zeiten wandeln: Früher war das Wohnen in Bahnhofsnähe ein Merkmal eines aufgeschlossenen, fortschrittszugewandten Menschen. Wer in der Eisenbahn- oder Bahnhofstraße residierte, hatte Geld und den Anschluss zur Welt.

Wer heute durch die Bahnhofsviertel großer Städte geht, findet oft das Gegenteil. Leerraum ohne Aufenthaltsqualität. Der französische Anthropologe Marc Augé bezeichnet so etwas als „Nicht-Orte“. Da unterscheidet sich das Offenburger Bahnhofsumfeld in weiten Teilen nicht von dem anderer Städte.

Offenburg will Gegensteuern und startet eine umfassende, stadtplanerische Neuausrichtung. Man kann auch sagen, zurück zu den Wurzeln. Der Bahnhof als angesagtes Quartier. Dazu gibt es die langfristigen Planungen für das Sanierungsgebiet Bahnhof-Schlachthof, die bereits vorgestellt wurden.

Aktuell läuft bekanntlich der städtebauliche Wettbewerb. In diesen Kosmos reicht auch der Masterplan Verkehr hinein. Laut Pressemitteilung der Stadtverwaltung handelt es sich um ein strategisch-konzeptionelles Planwerk, mit dem die Verkehrsentwicklung für die nächsten zehn bis 15 Jahre ausgerichtet wird.

ZOB zweieinhalb Monate in der Hand der Bürger

Und an diesem Punkt dürfen die Bürger und Gäste der Stadt Offenburg mitmachen. Geplant sind laut Stadt sogenannte Pop-up-Maßnahmen. Im Zuge des Masterplans Verkehr sollen neue Wege der Mobilität am Offenburger Bahnhof erprobt werden.

Dazu wird der Parkplatz vor dem Bahnhof, er befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Zentralen Omnibus-Bahnhofs (ZOB), für etwa zweieinhalb Monate umgenutzt.

Die neu gestaltete Fläche lädt mit einem Skatepark, Außengastronomie, einer Ausstellungsfläche und Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein. Zudem sind verschiedene Aktivitäten geplant. Die Maßnahme ergänzt das umfangreiche Veranstaltungsprogramm des Offenburger Heimattage-Jahres.

Die Eisenbahn hat Offenburg wie kaum eine andere Stadt geprägt.
Michael Friedmann, Aufsatz-Autor

Wer sein „Heiliges Blechle“ deponieren muss, findet trotz allem ein Angebot. Parkplatzsuchende können laut Stadtverwaltung auf den Parkplatz Bahnhof in der Hauptstraße 16 die städtischen Parkplätze beziehungsweise die der DB an der Rheinstraße sowie jenseits der Bahngleise auf den Park&Ride-Platz an der Rammersweierstraße ausweichen.

„Mit dieser temporären Maßnahme soll Platz geschaffen werden für Begegnung und Aufenthalt sowie die Lebensqualität erhöht werden. Es sollen die Menschen, die die Verkehrsfläche nutzen, in den Mittelpunkt gestellt werden, heißt es aus dem Rathaus.

Empfangsgebäude mit langer Geschichte

Der Offenburger Bahnhof, eröffnet 1844, geht auf die Frühzeit der Rheintalbahn zurück, damals hieß diese noch Badische Hauptbahn. Das markante, in späteren Jahren modifizierte Empfangsgebäude, das, wie das gesamte Bahngelände mit dem großen Ausbesserungswerk, im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg Schäden durch Fliegerbomben erlitt, entstand nach Plänen Friedrich Eisenlohrs.

Party statt Parken: Die Menschen sollen mehr Fläche erhalten. Die Stadt Offenburg plant, den Bahnhofsvorplatz samt dem ganzen Quartier neu zu gestalten. Foto: Christoph Lötsch/Stadt Offenburg

Er war sozusagen der Hofarchitekt der Badischen Staatsbahn, schuf aber auch eine ganze Reihe Bauten außerhalb des Eisenbahnkosmos. So stammen die Pläne für das heutige Schloss Ortenberg von ihm. 1854 starb der Architekt und Hochschullehrer im Alter von 49 Jahren in Karlsruhe.

Wer Offenburg sagt, muss auch Bähnlerstadt sagen: Noch heute ist der Bahnhof ein wichtiger Verkehrsknoten des Regional- und Fernverkehrs auf der Schiene.

„Wie kaum eine andere Einrichtung hat die Bahn in Offenburg die Stadt und ihre Bewohner geprägt“, schreibt Michael Friedmann in seinem Aufsatz „Die Eisenbahn in Offenburg. Geschichte und Faszination.“ Der Vortrag erschien im 66. Jahresband der Ortenau im Jahr 1986.

Viele Maßnahmen sollen Quartier aufwerten

Das Offenburger Sanierungsgebiet gibt es seit 2019. Die städtebauliche Erneuerungsmaßnahme wurde 2019 in das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ mit einer Finanzhilfe in Höhe von 2,2 Millionen Euro aufgenommen, heißt es auf den städtischen Internetseiten.

So könnte es aussehen. Ein verkehrsberuhigter Bahnhofsvorplatz mit dem nach Norden verschobenen Zentralen Omnibusbahnhof ZOB soll für mehr Aufenthaltsqualität und Frequenz für das Bahnhofsgebäude auf ganzer Längenerstreckung sorgen. Die Animation zeigt einen von fünf Wettbewerbsbeiträgen. Foto: Animation: Yellow Z, Treibhaus Landschaftsarchitektur, Argus Studio

Seit Januar 2020 wird die Maßnahme im Bund-Länder-Programm „Sozialer Zusammenhalt“ fortgeführt, für die aktuell eine Finanzhilfe von 1,8 Millionen Euro bewilligt wurde. Das Projekt erscheint ambitioniert, aber überfällig, soll es doch dem gesamten Quartier eine neue Qualität bringen.

Es reicht über die „Neuordnung und Neugestaltung des Bahnhofs und seines Umfelds inklusive des ZOB und den Erhalt des historischen Empfangsgebäudes mit Reaktivierung leerstehende Flächen, der Aufwertung des Quartiers und vielem mehr. Der Bahnhof soll zum attraktiven Eingangstor der Stadt werden“, so das Credo der Stadt.

Online mitmachen

Während der gesamten Laufzeit der Maßnahme ist das Feedback der Offenburger Bürger und Gäste gefragt, so die Stadt weiter. Auf www.mitmachen.offenburg.de ist neben Infos zum Projekt eine Online-Umfrage zu finden.

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