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Erfolgreiche Revision

Offenburg-Zunsweier: Prozessneuauflage um Leiche im Plastiksack bringt geringere Haftstrafe

Das Urteil im Prozess um Körperverletzung mit Todesfolge im Zusammenhang mit einer in einem Plastiksack verpackten Leiche in Zunsweier muss in Teilen vom Landgericht Offenburg überarbeitet werden.

Ein 66 Jahre alter Mann (rechts) sitzt zum Prozessauftakt auf der Anklagebank des Landgerichts Offenburg neben ihm sein Anwalt Marc Kutschera. Der Angeklagte soll die Leiche seiner Lebensgefährtin in einen Plastiksack verpackt und zwei Monate lang in einer Wohnung aufbewahrt haben.
Der heute 67-Jährige verbrachte mindestens 30 Jahre seines Lebens im Gefängnis. (Archivfoto) Foto: Violetta Heise/dpa

Gegen das Urteil vom 29. Juni 2021 wurde von Verteidiger Marc Kutschera Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt. Der BGH bestätigte im Wesentlichen das Urteil, aber mit geringfügigem Korrekturbedarf und verwies den Fall zurück an das Landgericht.

Zur Vorgeschichte: Der zuletzt in Offenburg–Zunsweier wohnhafte Angeklagte soll seine Lebenspartnerin im Streit gewürgt haben, in deren Folge die Frau starb. Darüber hinaus habe der Angeklagte in 25 Fällen 18.000 Euro unberechtigt aus Geldautomaten abgehoben.

Das Landgericht Offenburg verurteilte damals den bereits 32-mal vorbestraften 66-Jährigen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe aus vorsätzlicher Körperverletzung und 25-fachem Computerbetruges zu drei Jahren und sechs Monaten Haft, zusätzlich 80 Tagessätze zu je zehn Euro und 18.000 Euro Wertersatz.

Das Gericht sah in einer sehr komplexen Spurenlage, dass die 71-jährige Frau an den Folgen einer vorsätzlichen Körperverletzung mit möglicherweise eintretender Bewusstlosigkeit starb.

Verbrechen in Offenburg-Zunsweier: Leiche war stark verwest

Die Problematik im Nachweis der Todesursache lag am stark verwesten Zustand der Getöteten, die erst nach mehr als zwei Monaten nach Eintreten des Todes, mehrschichtig vom Angeklagten in Plastikfolien verpackt, in ihrer Wohnung gefunden wurde. Die Rechtsmedizin stellte in ihren Gutachten mehrere Todesursachen in den Raum.

Im jetzt neu angesetzten Prozess soll die Gesamtstrafe überprüft werden, mit der Begründung, dass einige der 25 Einzelfälle aus den Computerbetrügereien strafrechtlich im Hinblick auf die Schwere der Einzelstrafen neu zu bewerten sind. Das Gericht listete nochmals sämtliche Straftaten des Angeklagten auf. Er wurde seit seinem 17. Lebensjahr in der Addition aller Strafverfahren zu insgesamt 51 Jahre und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

67-Jähriger verbrachte mindestens 30 Jahre im Gefängnis

Davon verbrachte der heute 67-Jährige mindestens 30 Jahre hinter Gitter. „Im Gefängnis habe ich mich wohlgefühlt und bin dabei zur Ruhe gekommen“, so der Angeklagte. Die Straftaten rühren von Geldbetrügereien, Aufenthalten in Luxushotels und Anmieten von Luxuskarossen, ohne jeweils zu bezahlen. Sein Leben spielte sich zwischen Nobelherbergen und Gefängnisaufenthalten ab, zwischendurch kutschierte er mit teuren Autos durch Deutschland.

Während des Prozesses am Mittwoch kamen neue Begebenheiten zum Vorschein. Der Angeklagte soll mit der Getöteten ein Testament verfasst haben, indem er als Erbe eingesetzt werden soll. Ihr Haus in Zunsweier wurde zwischenzeitlich für 710.000 Euro verkauft. Die Hälfte wurden dem Sohn der Getöteten vermacht.

Um die andere Hälfte streitet der Angeklagte derzeit in einem Zivilverfahren. Streitwert: 355.000 Euro. Diese Summe stehe ihm zu, behauptet der Angeklagte über seinen Verteidiger. Dieser beantragte eine Aussetzung des jetzigen Verfahrens, bis der Zivilprozess entschieden ist. Dem hatte das Gericht nicht stattgegeben und fällte ein neues Urteil.

Ankläger Baumert forderte im Hinblick auf die Geringfügigkeit einiger Einzeltaten eine angepasste Änderung der Gesamtstrafe mit drei Jahren und drei Monaten Haft. Damit korrigierte er das Ergebnis vom ersten Urteil um drei Monaten nach unten. Die Kammer änderte das Urteil vom 29. Juni 2021 der Kammer aus gleichem Haus auf zwei Jahre und sechs Monate Haft.

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