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Fahndung bei Oppenau geht weiter

Strategiewechsel bei der Suche nach Yves Rausch

Bis zu 1500 Polizisten waren bislang bei der Suche nach Yves Rausch in Oppenau eingesetzt. Der 31-Jährige ist noch immer auf der Flucht und hat vermutlich vier scharfe Polizeiwaffen dabei. Die Polizei erweitert jetzt ihren Suchradius.

12.07.2020, Baden-Württemberg, Oppenau: Polizeifahrzeuge stehen auf einem Sammelplatz nahe der Gemeinde vor einem Sportlerheim. Ein mit Pfeilen und Bogen bewaffneter Mann hat in dem Ort im Schwarzwald Polizisten bedroht und ihnen die Waffen abgenommen. Anschließend flüchtete er in einen Wald und wird seither mit einem Großaufgebot gesucht. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Der Offenburger Polizeipräsident Reinhard Renter hat sich hinter die vier Polizistinnen und Polizisten gestellt, denen der 31 Jahre alte Yves Rauch am Sonntag in einer Oppenauer Waldhütte die Dienstwaffen abgenommen hat. „Die Kollegen haben richtig gehandelt, die Bedrohungslage war so groß, dass sie keine andere Chance hatten“ sagte Renter am Dienstagnachmittag vor der Presse in Oppenau.

Der Polizeichef kündigte einen Strategiewechsel bei der aufwendigen Fahndung an: „Wir gehen jetzt in Phase drei“. Der Personaleinsatz bleibe gleich, sei aber weniger sichtbar.

Tatsächlich hat die Polizei ihre Mannschaftsstärke auf dem Oppenauer Sportplatz von 440 am Montag auf jetzt 200 reduziert. Auch wenn Renter keine Details zur weiteren Strategie verriet – es ist offensichtlich, dass die Polizei den Suchradius erweitert. So war in der Nacht zum Dienstag auch ein Gebäude in Offenburg Ziel der Fahnder.

Es wird eine lange Suche geben, aber wir werden nicht nachlassen.
Reinhard Renter, Offenburger Polizeipräsident

Der enorme Personaleinsatz am Montag war notwendig, weil die Polizei ein etwa 8,5 Quadratkilometer großes Waldstück durchsuchte – freilich ohne Ergebnis. Auch am Dienstag kreisten weiter bis zu drei Polizeihubschrauber über Oppenau. „Es wird eine lange Suche geben, aber wir werden nicht nachlassen“, kündigte Renter an.

Die Beamten rechnen offenbar noch immer damit, dass sich aus weiter im Wald um Oppenau aufhält und werden nun die Geschäftsleute in dem Kurort instruieren, wie sie sich verhalten sollen, falls der Mann beispielsweise in ihren Laden kommt. Die Botschaft dabei: Möglichst nichts zu unternehmen und die Polizei zu alarmieren.

Wie heikel Begegnungen mit Rausch sein können, machte Renter am Beispiel der Vorgänge deutlich, die sich am Sonntagmorgen in der Waldhütte bei Oppenau abgespielt hatten – und die inzwischen weitgehend von Staatsanwaltschaft und Polizei rekonstruiert wurden. Demnach hatte sich Rausch wohl in der Hüte häuslich eingerichtet, nachdem er bereits 2019 seine Wohnung in Oppenau verloren hatte. Auf Verlangen der Beamten, die bei Betreten der Hütte durchaus die Waffen im Anschlag hatten, habe er Pfeil und Bogen, einen Speer sowie Munition, die er am Körper hatte, herausgegeben: „Die Situation war entspannt“.

Dies habe sich schlagartig geändert, als die Polizisten den Mann durchsuchen wollten. Rausch habe eine Pistole gezogen und direkt auf einen Beamten gerichtet. Die Polizisten schätzten die Waffe als echt ein. „Ich habe jederzeit damit gerechnet, dass er schießen und ich in dieser Hüte sterben werde“, zitiert der Leiter der Staatsanwaltschaft Offenburg, Herwig Schäfer, den betroffenen Mann. Auf Anweisung von Rausch hätten die Beamten des Reviers Achern/Oberkirch ihre Waffen abgelegt, er sei damit geflohen.

Renter wandte sich am Dienstag gegen Posts in den sozialen Netzwerken, in denen das Verhalten der Polizisten teilweise mit Häme begleitet werde: „Das ärgert mich, es kann sich niemand in so eine Situation hinein versetzen“. Mittlerweile habe sich gar eine Fanpage für Yves Rausch gebildet.

Sicherheitsgefühl der Bürger hat hohe Priorität

Für die Polizei ist der Mann noch immer schwer einzuschätzen – auch aus diesem Grund werde man weiter Präsenz in Oppenau zeigen, um zu verhindern, dass sich unter Umständen noch eine Auseinandersetzung mit dem Mann im Stadtgebiet ergibt. Nach kräftezehrenden Suchaktionen im unwegsamen Wald – insgesamt waren bislang rund 1.500 Beamte im Einsatz – werde man sich nun mehr auf verdeckte Aktionen konzentrieren. „Hohe Priorität“, so Renter, „hat das Sicherheitsgefühl der Oppenauer Bevölkerung“.

Der Mann sei bewaffnet, so dass man weiter davon ausgehen müsse, dass er gefährlich ist und es bei Begegnungen mit der Polizei zu Konflikten komme. Es könne aber auch sein, dass er einfach aufgibt. So oder so, „wir haben einen langen Atem“.

Sorgen macht sich der Oppenauer Bürgermeister Uwe Gaiser. „Das ist eine absolut bedrohliche Situation“. Zudem leide der nach der Corona-Zwangspause gerade wieder angelaufene Fremdenverkehr, die Menschen wüssten nicht, ob sie in die Wälder gehen dürfen, Tagesgäste blieben einfach weg. „Ich hoffe“, sagte Gaiser bei einem Blick in die Runde am Dienstag, „dass wir das Problem bald gelöst haben. Über mangelnde Medienpräsenz können wir uns jedenfalls nicht beklagen“.



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