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Polizei berichtet Details

Wie Yves R. während seiner Flucht in den Wäldern bei Oppenau überlebte

Fünf Tage nach der Festnahme von Yves R. meldet sich die Polizei mit ersten Einzelheiten zu Wort. Demnach lebte der Oppenauer Waldläufer von Wasser und versteckte sich in Erdhöhlen.

Polizisten stehen vor einem Waldstück an einer Straße bei Oppenau. Am Vortag hatte ein Mann bei einer Kontrolle Polizisten bedroht und entwaffnet. Foto: Sven Kohls/SDMG/dpa

Was hat Yves R. von der Großfahndung nach ihm in den Oppenauer Wäldern mitbekommen? Vermutlich nicht viel, machen Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch deutlich. Demnach hatte der 31-Jährige aus Angst vor einer Ortung sein Mobiltelefon abgeschaltet. Er sei praktisch von der Außenwelt abgeschnitten gewesen, sagte er den Ermittlern in ersten Vernehmungen. Allerdings haben er am Sonntag einen Polizeihubschrauber gehört und deshalb vermutet, dass nach ihm gefahndet werde.

Wie berichtet wurde R. am Freitagnachmittag vergangener Woche in einem Waldstück bei Oppenau festgenommen – nicht einmal zwei Kilometer von der Sammelstelle der mehr als 2.500 Polizeibeamten entfernt, die im Verlauf von sechs Tagen nach ihm gesucht hatten – unter Einsatz praktisch aller technischen Möglichkeiten.

Letztlich aber war es aber Personenspürhund Milow, ein bayerischer Gebirgsschweißhund, der die Beamten am Freitag gegen 17 Uhr auf die Fährte brachte. „Am Verhalten des Hundes haben die Fahnder gemerkt, dass die Spur frisch ist”, sagte Polizeipräsident Reinhard Renter. Wenige Minuten später fanden sie Yves R. - in einem Gebüsch.

Sechs Tage und fünf Nächte hatte R. auf der Flucht vor der Polizei im Wald verbracht. Vom Rambo-Romantik, wie in manchen Medien beschworen, hatte dies allerdings wenig. R. bewegte sich praktisch nur nachts, die Tage habe er in Gräben und Erdlöchern verbracht, um nicht gefunden zu werden. Viel zu Essen hatte er nicht – „die Nahrungsaufnahme“, so schreibt die Polizei, „beschränkte sich hauptsächlich auf Wasser“.

Erfolgreicher Fahnder: Der Bayerische Gebirgsschweißhund Milow hatte am vergangenen Freitag die entscheidende Spur zu Yves r. im Wald bei Oppenau gefunden. Foto: Benedikt Spether

Yves R. hatte einen Abschiedsbrief geschrieben

Als die Beamten ihn unweit der Straße „Ramsbächle“ entdeckten, hatte er die vier Waffen vor sich liegen, die er den Polizeibeamten abgenommen hatte. Zudem fanden die Ermittler eine Art Abschiedsbrief. Die Polizei spricht von einem „persönlichen Schreiben an seine Angehörigen, das er für den Fall verfasste, dass ihm auf der Flucht etwas zustoßen sollte“.

Tatsächlich erlitt R. nach Polizeiangaben bei der Festnahme „keine nennenswerten Verletzungen“. Ein Beamter des SEK wurde hingegen durch eine Axt verletzt, die R. bei sich hatte. In einer ersten Stellungnahme kurz nach der Festnahme hatte die Polizei offen gelassen, ob dies ein Unfall oder eine gezielte Attacke des Gesuchten war.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber inzwischen wegen des Verdachts eines „tätlichen Angriffs auf einen Vollstreckungsbeamten in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung“. Zudem wird R. unter anderem schwere räuberische Erpressung vorgeworfen.

Die Polizei hatte am vergangenen Freitag von rund 300 Hinweisen gesprochen, die während der Fahndung abzuarbeiten waren. Allein sieben Beamte waren damit befasst, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Zwei Drittel der Tipps bezogen sich auf das Renchtal, der Rest auf verdächtige Wahrnehmungen unter anderem in Oberharmersbach, Renchen oder Offenburg, wo es teilweise auch Durchsuchungen gab. Spuren wurden auch in Straßburg, Böblingen, Dornstetten und Baiersbronn überprüft.

Flucht war nicht ausführlich geplant

Klar wird in den bisherigen Gesprächen auch, dass Yves R. bei seiner Tat keineswegs sonderlich planvoll vorgegangen ist. Nachdem er die Beamten in der Gartenhütte mit einer Pistole bedroht und ihnen die Dienstwaffen abgenommen hatte, floh er in den Wald. Er habe, so zitieren ihn die Beamten „in aller Eile das Nötigste eingepackt“. Proviant nahm er keinen mit.

Offen bleibt, ob er die Beamten zuvor mit einer scharfen Waffe bedroht hatte – die Polizei hatte sich nach der Festnahme dazu auch auf Nachfrage nicht näher äußern wollen und auf notwendige kriminaltechnische Untersuchungen verwiesen. Auch am Mittwoch machten die Ermittler dazu keine weiteren Angaben. Auch zur Festnahme werde man „aus einsatztaktischen Gründen“ keine näheren Details bekanntgeben.

Yves R. hatte am vorvergangenen Sonntag vier Polizisten bei einer Personenkontrolle ihre Dienstwaffen abgenommen und war in den Wald geflüchtet. Vor allem angesichts der scharfen Waffen hatte die Polizei eine beispiellose Fahndung gestartet, die auf weltweites Medieninteresse stieß. Festgenommen wurde er nach sechs Tagen im Wald. Durchsuchungen im Bereich der Gartenhütte, in der sich die Tat ereignet hatte, sowie am Festnahmeort hätten keine weiteren Hinweise ergeben, berichtet die Polizei.

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