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Klinikum sieht sich gut gerüstet

Ortenaukreis überschreitet erstmals kritische Corona-Marke

Das war absehbar: Der Ortenaukreis hat die entscheidende Marke bei den Corona-Neuinfektionen überschritten. Weitere Einschränkungen wird es vorerst nicht geben, sagt Landrat Frank Scherer. Zu konfus waren zuletzt die Ansagen aus Stuttgart.

Früher nach Hause: Eine vorgezogene Sperrstunde ist eine der Optionen, die der Kreis im Kampf gegen das Coronavirus noch ziehen könnte. Doch Landrat Frank Scherer zweifelt am Sinn kreisweiter Regelungen. Foto: Paul Zinken /dpa

Der Ortenaukreis hat bei der so genannten Sieben-Tages-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen erstmals die Zahl von 50 überschritten. Landrat Frank Scherer kündigte am Dienstag vor dem Krankenhausausschuss des Kreistags aber an, erst einmal keine weitergehenden Maßnahmen anzuordnen. Ein Grund dafür sei auch das Agieren des Landes am Wochenende, als Kreis und Kommunen in Windeseile am Samstag eine aktuelle Verfügung des Sozialministeriums umsetzten, nur um am Abend dann durch eine neue Verordnung des Landes zurückgepfiffen zu werden.

„Wir werden erstmals mit dem Sozialministerium reden, damit wir nicht wieder böse Überraschungen erleben“, sagte Scherer, der nur halb im Scherz an einen „alten Beamtengrundsatz“ erinnerte. Der laute: „Erst mal abwarten, was die anderen machen“. Manchmal sei es nicht hilfreich, mit der heißen Nadel zu stricken, so der Landrat, der auch auf unterschiedliche Sprachregelungen des Landes bei der Maskenpflicht im öffentlichen Raum verwies.

Kreis kann Infektionsketten noch verfolgen

Der Kreis habe ohnedies nur noch begrenzte Handlungsmöglichkeiten – konkret eine Verkürzung der Sperrzeit in der Gastronomie auf 23 Uhr oder auch ein generelles Abgabeverbot von Alkohol außerhalb des Hauses. Bei beiden Optionen stelle sich die Frage, ob es angemessen sei, sie kreisweit zu verhängen: „In mancher Kommune liegt die Zahl der Infizierten bei null, warum soll da der Dorfgasthof nicht länger aufhaben.“

Derzeit gebe es im Ortenaukreis noch immer nicht das gefürchtete „diffuse“ Infektionsgeschehen, das dann die Abgrenzung der Ansteckungsketten praktisch unmöglich machen würde: „Wir können die Fälle noch verfolgen, aber nicht mehr so zeitnah wie zuvor“.

Die Sieben-Tages-Inzidenz im Kreis liegt bei knapp 52, am Dienstag vermeldete das Gesundheitsamt 44 neu nachgewiesene Infektionen. Sie stammen aus Durbach, Neuried (2), Willstätt (2), Oberkirch (3), Sasbachwalden, Wolfach, Zell (4), Offenburg (13), Rheinau, Ettenheim, Gengenbach, Lahr (4), Achern (2), Kehl (2), Seelbach, Biberach, Schutterwald, Kippenheim, Schwanau und Haslach. Auch im benachbarten Landkreis Emmendingen sei am Wochenende die Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten worden, am Montag sei sie bereits wieder deutlich gesunken.

Klinikum „noch entspannt“

Das Ortenau Klinikum sieht sich unterdessen auf eine neue Infektionswelle gut vorbereitet: „Wir haben uns in den vergangenen Tagen viel Zeit genommen, zu entscheiden was wir tun“, sagt der Medizinische Direktor Peter Kraemer. Zwar habe im Frühjahr die Ausweisung des Kehler Hauses als Corona-Schwerpunkt gut funktioniert, diesmal habe man sich aber dezentral aufgestellt, weil man so die personellen Ressourcen besser organisieren könne. „Wir sind noch ziemlich entspannt vor Ort.“

Das Klinikum habe nach den Einschnitten im Frühjahr wieder rund 75 Prozent seiner maximalen Auslastung erreicht. Auf dieser Ebene, so zeigte sich Kraemer zuversichtlich, könne man derzeit gut agieren – im gesamten Ortenau Klinikum lägen derzeit 40 Infektionspatienten, darunter 16 mit einem positiven Test auf Covid-19 und davon wiederum würden vier Personen beatmet.

Vorratslager sind voll

In der vergangenen Woche habe man verbundweit bis zu 15 Covid-Spezialbetten definiert. Beatmungsgeräte seien reichlich vorhanden, und auch die Ausstattung mit FFP-2-Masken im Klinikum sei kein Problem: „Die Lager sind voll“, so Kraemer.

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