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Trotz hoher Corona-Zahlen

Ortenaukreis erlässt keine neuen Ausgangssperren – trotz Inzidenz von 66,1

Aufrufe statt Verbote: Der weiter mit hohen Corona-Infektionszahlen belastete Ortenaukreis wird keine nächtliche Ausgangssperre anordnen. Stattdessen gibt es einen Appell.

Ausgangssperre aufgehoben: Trotz weiter hoher Corona-Zahlen verzichtet der Ortenaukreis auf eine regionale Sonderregelung. Foto: Benedikt Spether

Der Ortenaukreis wird keine weitere nächtliche Ausgangssperren erlassen. Diese seien „nicht erforderlich“, wie das Landratsamt am Donnerstagnachmittag mittelte.

Der Kreis mit seinen 430.000 Einwohner liegt mit der so genannten Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen von 66,1 zwar deutlich über dem landesweiten Mittel und der möglichen Eingriffsschwelle von 50, im Landratsamt verweist man unter anderem darauf, dass kein diffuses Infektionsgeschehen vorliege.

Der Verwaltungsgerichthof hatte wie berichtet die landesweit geltende nächtliche Ausgangssperre zum 11. Februar aufgehoben, unter bestimmten Umständen aber Regelungen auf Kreisebene ermöglicht. Eine dieser Voraussetzungen ist eine Inzidenz von mehr als 50.

Die Entscheidung aus dem Offenburger Landratsamt kommt nicht völlig überraschend. Bereits in der vergangenen Woche hatte Landrat Frank Scherer die im Landesvergleich weiterhin auffallend hohe Inzidenz unter anderem mit der höheren Zahl von Tests im Kreis zu begründen versucht und sich außerdem einer isolierten Betrachtung der Werte einzelner Landkreise entgegen gestellt.

Einer der am stärksten betroffenen Kreise

Scherer verfolgt damit weiter seine politische Linie, die bereits im vergangenen Oktober in einem Gespräch mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann deutlich geworden war, als er auf die Bedeutung von Gastronomie und Fremdenverkehr im ländlichen Raum verwiesen hatte. Damals war es noch um eine verlängerte Sperrzeit für die Gasthäuser gegangen.

Der Ortenaukreis hatte lange zu den landesweit am stärksten betroffenen Kreisen gehört. Nach den jüngsten Zahlen liegt er bei der Sieben-Tage-Inzidenz derzeit an sechster Stelle im Südwesten, bei der absoluten Zahl der an oder mit Corona gestorbenen Menschen mit 423 Toten an erster Stelle.

Allerdings sind diese Werte nur bedingt aussagekräftig, da es offenbar eine sehr unterschiedliche Meldepraxis gerade bei den Todesopfer in den einzelnen Kreisen gibt.

Verzicht trotz hoher Zahlen

Den Verzicht auf eine nächtliche Ausgangssperre begründet das Landratsamt trotz der hohen Inzidenzzahlen nun unter anderem damit, dass die Bekämpfung des Erregers ohne diese Maßnahme erheblich beeinträchtigt würde, wie es in einer am Donnerstag verbreiteten Presseerklärung heißt.

Das Gesundheitsamt betreibe eine besonders intensive und breit angelegte Verfolgung von Kontaktpersonen. „Diese konnte wir auch auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie immer sicherstellen“, so Kreissprecher Kai Hockenjos am Freitag. Das Gesundheitsamt setze dafür derzeit rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.

Trotz der weiter sehr hohen Testzahlen sinke die Zahl der registrierten Infektionen weiter, unterstreicht das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Derzeit stelle man fest, dass es „kein besonderes Fehlverhalten der Bevölkerung im Sinne der Missachtung der geltenden Regeln“ gibt, wie es weiter heißt. Zudem habe das Gesundheitsamt weiter einen sehr guten Überblick über das Infektionsgeschehen.

„Es tut gut, dass trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 50 die Menschen im Ortenaukreis nun ein wenig mehr Freiheit zurückerhalten können“, so Landrat Scherer. Er bitte die Bevölkerung eindringlich, sich weiter vernünftig zu verhalten, um dies und weitere Lockerungen in den nächsten Wochen nicht zu gefährden.

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