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Vor 50 Jahren gegründet

„Essen auf Rädern“ in Achern: Selbst Schnee hält ehrenamtliche Helfer nicht auf

Die Aktion „Essen auf Rädern“ wurde vor 50 Jahren in Achern gegründet. Wir begleiten einen langjährigen Fahrer, der vor allem in den Dörfern unterwegs ist und auf den Fahrten schon viel erlebt hat.

Mehrmals in der Woche bekommt die 90-jährige Erna Bohnert warme Essen gebracht, die darüber sehr dankbar ist - hier Robert Bühler bei der Übergabe des Essens. Foto: Roland Spether

Es ist Heiligabend. Die Familien treffen in ihren Wohnungen die letzten Vorbereitungen für Weihnachten. Doch wie an jedem Werktag das Jahr über treffen Fahrer von „Essen auf Rädern“ aus Achern und den umliegenden Orten bei der Küche des Ortenau Klinikums ein.

„Wir fahren an jedem Tag die Essen aus, ganz gleich, ob es Heiligabend oder ein anderer Feiertag ist“, erklärt Karl Römer, der ehrenamtlicher Geschäftsführer der seit 50 Jahren bestehenden ökumenischen Arbeitsgemeinschaft ist.

Deren Helfer bringen an diesem Heiligabend 211 Essen zu älteren Menschen, unter Einhaltung der Corona-Regeln direkt an die Haustüren. Sie erkundigen sich nach dem Wohlbefinden und wünschen den Essensnehmern frohe Weihnachten.

Ausfahrer sind am ersten Weihnachtsfeiertag unterwegs

Auch am ersten Weihnachtstag sind Ausfahrer unterwegs. Doch diesmal sind es mit 135 Mahlzeiten (täglicher Durchschnitt 275 Essen) weniger als an normalen Tagen, da viele der Kunden bei ihren Familien eingeladen sind oder von ihnen bekocht werden, sagt Karl Römer.

„Ich bin gottfroh, dass ich immer so gut mit Essen bedient werde und mir schmeckt alles sehr gut“, meinte der 92-jährige Franz Rösch aus dem Simmersbachtal in Ottenhöfen, als ihm Robert Bühler in den Tagen vor Weihnachten die Mahlzeit vorbeibrachte.

„Essen auf Rädern“ wird jeden Werktag ausgefahren, auch heute an Heiligabend und am ersten Weihnachtstag von zahlreichen Fahrern, darunter ist der ehrenamtlichen Geschäftsführer Karl Römer. Foto: Roland Spether

Solche Komplimente erhält der Ausfahrer immer wieder von den Essensnehmern, die in ihren Wohnungen schon darauf warten, dass das Essen pünktlich kommt. Dies ist in der Regel auch der Fall.

Er hat für seine 40-Kilometer-Tour wie alle Fahrer einen genau getakteten Plan, welche Straßen er fährt und in welcher Reihenfolge die Essen ausliefert, um möglichst effizient unterwegs zu sein.

Doch im Winter kann es durchaus der Fall sein, dass die Straßen hinein in die Täler und hinauf bis auf 500 Metern Höhe wie etwa zu einem Anwesen in Furschenbach schneebedeckt und glatt sind. „Der Schnee macht mir nichts aus, ich wohne auch oben am Berg“, betont Robert Bühler, der wie seine Ehefrau Lioba Bühler mit großer Begeisterung Essen ausfährt.

Beide sind ein eingespieltes Team: Er holt die Essen in der Krankenhausküche für die Kunden in Ottenhöfen und Seebach ab und sortiert die Mahlzeiten in den Thermoboxen vor, sodass sie am Übergabepunkt in Furschenbach schnell vom einen in das andere Fahrzeug verladen werden können.

Alle vier bis fünf Wochen ist das Ehepaar unterwegs. Beide sehen diesen wichtigen Dienst für andere als eine „dankbare Aufgabe“, bei der die älteren Menschen den Fahrern sehr viel an Freude und Dankbarkeit zurückgeben. Diese Erfahrung machen alle der 170 Ausfahrer in den Orten von Sasbachried bis Seebach, von Lauf über die Stadt Achern mit ihren Ortsteilen bis nach Renchen.

„Ich hatte in meinem Leben viel Glück und meine Dankbarkeit darüber gebe ich an andere zurück“, beschreibt Robert Bühler seine ganz persönliche Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Doch dies tat er eigentlich schon immer. Robert Bühler schnürte für den FC Ottenhöfen die Kickschuhe, war Jugendtrainer, übernahm Verantwortung im Vorstand und war 25 Jahre Gemeinderat. „Ich habe immer gesagt, dass ich etwas für ältere Menschen mache, wenn ich in Rente gehe“, betonte Bühler.

Ältere Menschen kommen kaum noch unter Leute

Gerade angesichts der Corona-Pandemie macht er sich seine Gedanken über die Senioren. Durch die immer wieder angeordneten Einschränkungen und Absagen von Festen, Feiern und Konzerten sei es für ältere Menschen kaum mehr möglich, „unter die Leute zu kommen“. Dies bestätigt die 90-jährige Erna Bohnert, die sehr gerne wieder einmal ein fröhliches Mühlenfest besuchen oder beim Kurparkfest andere Leute treffen und mit ihnen gemütlich zusammensitzen würde.

Doch daran sei derzeit überhaupt nicht zu denken. Wie Erna Bohnert geht es allen älteren Menschen, die gerade in der Advents- und Weihnachtszeit auf viele schöne Feiern verzichten müssen oder die Weihnachtsgottesdienste zu ihrem eigenen Schutz lieber zu Hause am Fernsehen verfolgen.

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