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Ehepaar überfallen

Judotrainer aus der Ortenau gesteht Raubüberfall: Facebook-Foto überführt den Mann

Mit einem Schlauchboot hatten sich zwei Täter in Rheininsel im Mai 2020 Zugang zu einer Villa verschafft und ein Ehepaar bestohlen. Der Mann konnte nur durch Zufall identifiziert werden.

Gruppenbild im Fitnessstudio: Beim Scrollen durch Facebook fand der Geschädigte durch Zufall ein Foto des Räubers, der daraufhin identifiziert werden konnte. Foto: Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa

Die Besonnenheit und die guten Menschenkenntnisse des überfallenen Ehepaares trugen dazu bei, dass ein bewaffneter Raubüberfall in eine Villa auf einer Rheininsel nicht stärker eskalierte und der Haupttäter überführt werden konnte. Die Tatnacht auf den 13. Mai 2020 werden die Ausgeraubten so schnell nicht vergessen.

Im Folgeprozess vor der Großen Strafkammer des Landgerichtes Offenburg sagte das geschädigte bekannte Ortenauer Unternehmerehepaar detailliert zum Ablauf des schweren Raubes in jener Nacht aus.

In dieser Nacht, drangen zwei bewaffnete Täter in die Wohnung und erbeuteten Bargeld, Goldbarren und wertvolle Uhren mit einem Gesamtwert im unteren sechsstelligen Bereich.

Haupttäter des Raubüberfalls in der Ortenau gesteht

Der gefasste Haupttäter hat ein Geständnis abgelegt. Auf der Flucht ist weiterhin sein Komplize, den der Angeklagte bis zur Tat nur flüchtig kannte. Die Geschädigten schilderten in getrennten Vernehmungen den Überfall so wie in der Anklage verlesen, aber mit Abweichungen zum Geständnis des Angeklagten.

Demzufolge wäre er „nur“ Ausführender gewesen, während sein Komplize der Rädelsführer gewesen sein soll. Die Geschädigten sprachen eindeutig vom Angeklagten als die treibende Kraft und den Wortführer des Überfalls.

Die Täter hatten Hintergrundwissen über das Vermögen des Ehepaars und verfügten auch über gute Ortskenntnisse. Das Anwesen ist umgeben von einem mehrere Meter breiten Wassergraben und ist nur zugänglich über eine gesicherte Brücke.

Mit einem mitgebrachten Schlauchboot überquerten sie das Wasser. Die Ehefrau erkannte vom Balkon aus zwei schwarze Gestalten, die in das Haus eindrangen, während ihr Mann schon schlief: „Ich habe laut um Hilfe geschrien, in der Hoffnung, mein Mann wird wach.“

Die Täter begleiteten die Frau über eine Wendeltreppe zum Schlafzimmer, wo es zu körperlichen Auseinandersetzungen kam.

Mann aus der Ortenau wurde bei Raumüberfall mit einem Messer bedroht

Der Angeklagte, ein ehemaliger Judotrainer mit abgeschlossenem Sportstudium, habe ihren Mann extrem schnell überwältigt und ihm ein Messer an den Hals gehalten, berichtete die Geschädigte. Mit Kabelbindern wurden die beiden mit den Händen am Rücken gefesselt.

Während die Geschädigte auf dem Boden liegend vom Komplizen mit einem Tuch zugedeckt wurde, musste der Geschädigte auf Befehl des Angeklagten drei Tresore über drei Stockwerke verteilt mittels eines Codes öffnen. „Mach aber, was er sagt“, rief er noch seiner Frau zu. Zum Öffnen der Tresore wurden ihm kurzfristig mit dem Messer die Kabelbinder geöffnet, um ihn anschließend erneut zu fesseln.

Einbrecher stiehlt Goldbarren und Uhren

Die Angst der Frau galt auch den beiden schlafenden Kindern im Haus. Bei den Auseinandersetzungen erlitten beide Geschädigten Verletzungen im Auge und Gesicht durch die Faustschläge des Angeklagten.

Aus den Tresoren entwendeten die Täter Bargeld in unbekannter Höhe, aber mindestens im Bereich von 15.000 Euro, Goldbarren in unbekanntem Wert, Modeschmuck im Wert von 3.500 Euro und über zehn Uhren, drei davon mit einem Einzelwert von 10.000 Euro. „Es waren Rolex- und andere Designeruhren, keine Standartware“, hieß es im Prozess.

„Der Beutewert der Uhren war über den Versicherungswert exakt bekannt, während das Bargeld mit einer unbestimmten Summe nur zum Teil versichert war“, so der Geschädigte. Auch eine Handfeuerwaffe Heckler & Koch war unter der Beute. Mit dieser wurde die Geschädigte bedroht.

Alarmanlage geht los

Beim Öffnen des dritten Tresors im Erdgeschoss ging die Alarmanlage hoch, die die gefesselte Ehefrau unbemerkt ausgelöst hatte. Daraufhin ergriffen die Täter mit dem Schlauchboot die Flucht, während die Polizei anrückte.

Nach der Flucht gab der Geschädigte, als Jagdausübender im Besitz des Waffenscheines, mit seinem Luftgewehr noch drei Warnschüsse ab. Den Täterangaben zufolge hätten sie das Bargeld im Anschluss aufgeteilt und einen Teil des Beutegutes in die Kinzig geworfen.

Das Gesicht, mit dieser Nase und den Augen, war vergangene Nacht bei mir.
Geschädigter im Prozess

Kurios klingt die Identifizierung des Angeklagten. „In der darauffolgenden Nacht konnte ich nicht schlafen und habe am Handy rumgescrollt“, so der Unternehmer.

„Plötzlich kam über Facebook ein Gruppenbild mit dem Angeklagten aus einem Fitnessstudio aus Offenburg, welches auch von mir regelmäßig besucht werde, zum Vorschein. Das Gesicht, mit dieser Nase und den Augen, war vergangene Nacht bei mir, so mein spontaner Verdacht.“

Facebook-Foto überführt den Täter

Auch seine Frau habe ihn am Bild sofort wiedererkannt. „Das war purer und reiner Zufall.“ Über den befreundeten Studiobetreiber kam man hinter den Namen des Täters. DNA-Spuren an den Kabelbindern überführten ihn, der daraufhin fünf Monate später über einen internationalen Haftbefehl an der Grenze von Moldawien zu Rumänien festgenommen wurde.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass gleiche DNA-Spuren auch mit einem Überfall in ein Betonwerk in Achern in Verbindung gebracht wurden. Der alkohol- und drogenabhängige Täter gab an, aus lauter Angst eine Flasche Kräuterlikör vor der Tat getrunken zu haben.

Das geschädigte Ehepaar wollte bei dem Vorfall keinen Alkohol- und Drogeneinfluss bemerkt haben. Der Prozess wird am Freitag, 16. April, mit Gutachten und dem Urteil fortgesetzt.

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