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„Größte Herausforderung der Zukunft“

So diskutierten Bundestagskandidaten aus der Ortenau über Fachkräftemangel und Mobilität

Die Kandidaten aus der Ortenau für den Bundestag haben bei einer Podiumsdiskussion in Renchen mehrere große Themenblöcke „abgehakt“. Eingeladen hatte die Vereinigung Badischer Unternehmer, die, nebenbei, über die „Fremdsteuerung“ durch die Corona-regeln klagten.

Debatte mit Abstand: In den Räumen der Firma Burkart Haus in Renchen diskutierten Martin Gassner-Herz (FDP), Matthias Katsch (SPD), VBU-Geschäftsführer Michael Hafner, Johannes Rothenberger (CDU) und Thomas Zawalski (Grüne). Foto: Stefanie Prinz

Fachkräftemangel, Landwirtschaft und Mobilität: Zu diesen und weiteren großen Themenblöcken hatten die Bundestagskandidaten aus der Ortenau bei einer Podiumsdiskussion in Renchen nacheinander Stellung zu beziehen.

Veranstalter der online übertragenen Debatte war die Vereinigung Badischer Unternehmen und Verbände VBU, die den Kandidaten die Sichtweise der kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Region mit auf den Weg geben wolle, sagte Vizepräsident Egon Busam.

In den vergangenen 1,5 Jahren seien die Unternehmen aufgrund der Corona-Maßnahmen „fremdgesteuert“ gewesen. „Jetzt wollen sie wieder Sicherheit und Unterstützung anstelle von Einschränkungen“, sagte Präsidentin Nina Hartmann eingangs, bevor Geschäftsführer Michael Hafner die, wie er bemerkte „reine Männer-Runde“ moderierte.

In der Corona-Krise hätten gerade Gastronomen und Veranstalter am meisten gelitten: Hier fehlten schon vorher Fachkräfte, jetzt seien viele Mitarbeiter in andere Branchen abgewandert.

Die Unternehmer wollen wieder Sicherheit und Unterstützung anstelle von Einschränkungen.
Nina Hartmann, Präsidentin der Vereinigung Badischer Unternehmer VBU

Um dem Fachkräftemangel und damit der, so Hafner, „größten Herausforderung der Zukunft“ entgegenzuwirken, müssten schon Schüler für Berufe begeistert werden, die auf den ersten Blick nicht zu den attraktivsten zählten, etwa durch Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben, so CDU-Kandidat Johannes Rothenberger, nach Spitzenkandidat Wolfgang Schäuble der zweite Bewerber aus der Ortenau.

Ändern müsse sich auch das Bild vieler Menschen, dass eine Ausbildung weniger wert sei; zu viele würden deshalb auf Abitur und Studium hinarbeiten, so Martin Gassner-Herz (FDP) und Thomas Zawalski (Grüne).

Beide waren sich außerdem einig: Die Interessenten für eine Ausbildung und die Unternehmen müssten gerade in der deutsch-französischen Grenzregion leichter zusammenkommen können – was sowohl die Sprache als auch die Anerkennung von Abschlüssen angeht.

Dass man Fachkräfte in die Region lotsen kann, setze außerdem gute Arbeitsbedingungen und vor allem eine gute Bezahlung voraus, sagte Matthias Katsch (SPD). Gleichzeitig müssten die Menschen mit „normalem Einkommen“ auch bezahlbare Wohnungen finden, diese sollten mit Vorrang gebaut werden.

Unterdessen stünden viele bestehende Gebäude leer, weil diese, so Katsch, oft in Randlagen gebaut und schlecht an Verkehr und Internet angebunden seien.

Wer sich für eine schon bestehende Wohnung entscheidet anstatt neu zu bauen, müsse mehr gefördert werden, unterstrich auch Thomas Zawalski, während Martin Gassner-Herz forderte, Vermietern das Leben zu erleichtern: Viele Menschen ließen ihre Immobilien lieber leer stehen, aus Sorge, sich rechtlich nicht gut genug auszukennen oder aus Angst vor Mietnomaden.

Von Landwirtschaft bis Mobilität

Mehr Unterstützung bräuchten auch die Landwirte in der Region, die, so Johannes Rothenberger, an drei Fronten kämpften: gegen den globalen Wettbewerb, den Handel und die Skepsis der Gesellschaft.

Deshalb müsste bei den Menschen das Bewusstsein geschärft werden, „dass wir bei der Produktion in der Landwirtschaft so hohe Standards haben wie noch nie“. Zu strenge Regulierungen allerdings würden die Herstellung hochwertiger Produkte erschweren, sagte Martin Gassner-Herz.

Er betonte im großen Themenblock „Mobilität“ derweil, dass der Individualverkehr in der Region auch in Zukunft immer eine Rolle spielen werde: „Der Feind ist nicht das Auto, sondern das CO2.“ Deshalb brauche es „alle Technologien der Zukunft, die wir haben können, Elektro, Wasserstoff und mehr“. Während Thomas Zawalski betonte, dass es keine Lösung sei, Straßen, etwa die A5, immer größer und breiter zu machen, sprach Matthias Katsch den Schienenverkehr an: „Wir brauchen ein eigenes Hochgeschwindgkeitsnetz.“

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