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Auszeichnungen für Comic und Roman

Sheree Domingo und Christoph Nussbaumeder erhalten Grimmelshausenpreis in Renchen

Alle vier Jahre sonnt sich Renchen im Scheinwerferlicht der literarischen Welt. Der im Wechsel mit Gelnhausen verliehene Grimmelshausenpreis sorgt bundesweit für Aufmerksamkeit.

Bürgermeister Bernd Siefermann bei der Übergabe des Grimmelshausenpreises 2021 an Christoph Nussbaumeder
Bürgermeister Bernd Siefermann bei der Übergabe des Grimmelshausenpreises 2021 an Christoph Nussbaumeder Foto: Daniela Busam

Bürgermeister Bernd Siefermann (CDU) freute sich im festlichen Glanz der aufwendig renovierten Stadthalle Renchen, den Grimmelshausenpreis und den Förderpreis 2021 verleihen zu können. Die Preise gingen an Sheree Domingo und Christoph Nussbaumeder.

In seiner Begrüßung erinnerte Siefermann an den 400. Geburtstag des Barockdichters, der, weil nicht zu belegen ist ob er 1621 oder 1622 zur Welt kam, in Renchen gleich zweimal gefeiert wird. Zum Festgeschenk des kommenden Jahres gehöre ein gemeinsam mit Gelnhausen angestoßenes Buchprojekt.

Zur Aufgabenstellung gehöre, Grimmelshausens Hauptwerk, den „Abenteuerlichen Simplicissimus“ für „junge Leser durch eine entsprechende Sprache und reichlich Illustrationen leichter zugänglich zu machen“.

Die Nacherzählung soll 2022, als einer der Höhepunkte der vom Land an Renchen vergebenen Kinder- und Jugendliteraturtage Baden-Württemberg vorgestellt werden.

Förderpreis ist mit 2.500 Euro dotiert

Nach dem Grußwort von Ministerialdirigentin Claudia Rose wurde Sheree Domingo, die zehnte Trägerin des mit 2.500 Euro dotierten Förderpreises, von Beate Laudenberg dem Publikum vorgestellt. Domingos Debüt, der Comic „Ferngespräch“, wurde in der Züricher „Edition Moderne“ veröffentlicht.

In ihrer Bildgeschichte gehe es um Vergänglichkeit, sowohl am Ort der Handlung, einem deutschen Altersheim, als auch in der philippinischen Heimat einer Pflegerin, die ihre sterbende Mutter nur über ein Ferngespräch erreichen kann. Die Karlsruher Privatdozentin sieht Domingos Comic in der Tradition eines Wilhelm Busch.

Setzt Busch menschliche Schwächen in Szene, werden hier Schwächen der Gesellschaft dargestellt.
Beate Laudenberg, Privatdozentin

„Setzt Busch menschliche Schwächen in Szene, werden hier Schwächen der Gesellschaft dargestellt, bei deren Verbalisierung sich allerdings flotte Reime à la Busch verbieten“, erklärte Laudenberg.

Schließlich verfolge Domingos Bildergeschichte „dezidiert aufklärerische, wenn nicht politische Ambitionen“. Im Gespräch mit dieser Zeitung verdeutliche Domingo, dass es wichtig sei, die Lage der Pfleger nicht nur finanziell zu verbessern, sondern ihnen auch eine verstärkte soziale Anerkennung zu geben.

Nach einem Intermezzo des Duos „Musica è“, wurde der Grimmelshausenpreis 2021 von Siefermann und seinem Gelnhauser Amtskollegen Daniel Glöckner an Christoph Nussbaumeder verliehen. In seinem Romandebüt „Die Unverhofften“ habe der Preisträger eine „weit verzweigte süddeutsche Familiensaga um Liebe, Lügen, Verletzungen, Verlust und Erfolg“ entfaltet. Laudator Ulf Abraham, Seniorprofessor an der Berliner Humboldt-Universität, präsentierte Werk und Autor.

Der 1978 im niederbayerischen Eggenfelden geborene Schriftsteller sei als Dramatiker bekannt geworden. Sein belletristischer Erstling beginne im Jahr 1900 und reiche bis in die Gegenwart.

Er handelt von den vielfältigen Folgen einer Verfehlung, die der selbstherrliche Spross einer Glasfabrikanten-Dynastie an einer junge Arbeiterin begeht.

Zwei Weltkriege, den Kampf der Linken gegen die Rechten, die Nachkriegs-Wiederaufbauzeit, die Studentenrevolte, die Globalisierung und die wachsende Macht der Konzerne, nicht zuletzt aber den Niedergang der Glasbläserkunst, webe der Autor in seinem Romanerstling zusammen. Den „unbestechlichen, zuweilen geradezu erbarmungslosen Blick des Erzählers“ hob Abraham besonders hervor.

In seiner Dankesrede rief Nußbaumeder dazu auf, dass jeder Mensch, immer und immer wieder aufgefordert sei, „wachsam zu sein, um die Einfallstore für jegliche Totalitarismen zu gewahren. Der Gleichgültigkeit anheimzufallen, hieße nicht weniger als die Freiheit über Bord zu werfen und den Tod vor dem Sterben zu zeitigen.“

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