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Wert in Rheinau rettete Projekt

Regisseur erfüllt sich Traum vom eigenen Hausboot

Leben auf dem Wasser: Für Thomas Münch wird dieser Traum wohl bald in Erfüllung gehen. In einer Rheinauer Werft wird an der schwimmenden Behausung gebaut. Das Ziel: Nachhaltigkeit - und Seen in Deutschland.

Thomas Münch und sein Hausboot Müthos. Der Endausbau findet in der Karcherwerft in Rheinau statt. Foto: Karen Christeleit

Wasser faszinierte den Regisseur Thomas Münch schon immer. Schlüsselerlebnisse bei Urlauben auf dem Wasser, bei denen er gestresst ankam und innerhalb nur einer Nacht mit leichtem Schaukeln tiefenentspannt aufwachte, ließen in ihm und seiner Frau die Idee wachsen, ganzjährig auf einem schwimmenden Haus zu wohnen. „Doch wir wollten die Weite eines Lofts und nicht die Begrenztheit eines Bootes“, so Münchs Vorstellung. „Außerdem sollte unser neues Heim im Einklang mit der Natur völlig autark funktionieren - ganz ohne Landanschlüsse und das angewiesen sein auf eine Marina.“

Vor zehn Jahren nahm sein Traum Gestalt an, doch mehrfach wurde der Hausbootsbau zum regelrechten Alptraum. Die Werft ging pleite, sodass sich heute die Baukosten von ehemals 300.000 Euro fast verdoppelt haben. In Rheinau nimmt nun der Traum vom autarken Hausboot ein glückliches Ende.

105 Quadratmeter Wohnfläche auf dem Wasser

Zuerst wollte Münch ein altes Stahlschiff kaufen und umbauen, doch dieses war zu lang und schwer als das er mit einem nachhaltigen Energiekonzept hingekommen wäre. Doch auch auf dem weiten Markt der modernen Hausboote wurde er nicht so richtig fündig, darum plante er sein eigenes Hausboot - die Muethos 1. Ein Hamburger Yachtbüro setzte seine Ideen um und eine Dessauer Werft bekam den Auftrag für den schlüsselfertigen Bau.

Es sollte ein 105 Quadratmeter großes zweistöckiges Niedrigenergiehaus mit lichtdurchfluteten offenen Bereichen für Küche und Wohnen, geschlossenen Arbeits- und Schlafzimmern sowie einem luxuriösem Bad und einer 40 Quadratmeter großen Dachterrasse werden. Aber statt auf einem Grundstück eben auf dem Wasser mit einem Katamaran-Rumpf. Und somit der Komfort eines Hauses mit der Mobilität eines Bootes vereint werden. Es hat eine Sportbootzulassung und zwei Außenbordmotoren treiben das Hausboot an.

Es wurde komplett aus Balsaholz gebaut, der Rumpf mit Hartschaumdämmstoffen gedämmt und die gesamte Konstruktion mit glasfaserverstärktem Kunststoff laminiert und abgedichtet. Ein zentrales Heizsystem aus einem wasserführendem Holzofen und eine Solaranlage auf dem Dach des Bootes sorgen für Strom und Wärme, das Trink- und Brauchwasser wird direkt aus dem Gewässer entnommen und gefiltert, nach der Nutzung in Waschmaschine, Bad oder Toilette wird es in einer Biokläranlage aufbereitet und wieder ins Gewässer zurückgeleitet.

Der weite Blick auf die Weiten des Wassers vom kommenden Wohnzimmer über den Holzofen Foto: Karen Christeleit

2013 wurde mit dem Bau begonnen, doch die Werft ging 2018 insolvent und Münch gelang es in letzter Minute seinen Traum aus der Insolvenzmasse zu retten. Das durch Fehlplanung und Wind und Wetter in Mitleidenschaft gezogene Hausboot kam im Rumpf eines Binnenschiffs dieses Jahr zur Schiffswerft Karcher nach Rheinau. „Thomas Karcher war meine Rettung“, betonte Münch. „Hier konnten Schäden repariert und der Innenausbau des Hausbootes mit regionalen Handwerkern in Angriff genommen werden.“

Weihnachten auf dem eigenen Boot?

Und schon kann sich Münch wieder freuen. Das Hausboot wurde im September zu Wasser gelassen und die Installationsarbeiten befinden sich in den letzten Zügen. Innen wurden die Wände mit Holz verkleidet und die Fußbodenheizung verlegt, es fehlen nur noch die Badewanne vor dem Fenster mit Blick aufs Wasser und die Einbaumöbel. „Vielleicht können wir ja Weihnachten schon im Boot verbringen“, zeigte sich der Eigner wieder zuversichtlich, „zunächst wird es in die Marina des französischen Offendorfs transportiert, dort wollen wir vorerst leben.“ Ziel ist aber irgendwann mal in die Berliner Seenlandschaft zu tuckern und da abseits der Marinas autark auf dem Wasser zu leben.

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