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Neues Paradies für Wildvögel

Karlsruher Zoo wildert vom Aussterben bedrohte Vögel in Rheinau aus

Mit Unterstützung des Karlsruher Zoos sind in Rheinau vom Aussterben bedrohte Vogelarten ausgewildert worden. Dabei handelt es sich um ein Artenschutz-Projekt zur Rettung des Kiebitz und des Großen Brachvogels.

Die ersten beiden künstlich gezogenen Großen Brachvögel wurden in Rheinau von Martin Boschert dem Direktor des Karlsruher Zoos, Matthias Reinschmidt, erfolgreich ausgewildert. Im Hintergrund Bürgermeister Michael Welsche und Ortsvorsteherin Marlies Bliß. Foto: Roland Spether

Die Eier sammelte der Biologe Martin Boschert vom Büro Bioplan Bühl, die Vogelexperten des Karlsruher Zoos um Direktor Matthias Reinschmidt brütetet die Eier aus. Die Referate Naturschutz und Landschaftspflege der Regierungspräsidien Karlsruhe und Freiburg unterstützten finanziell die Aufzucht der vom Aussterben bedrohten Vögel.

Nun konnten Matthias Reinschmidt und Martin Boschert zwei Große Brachvögel und fünf Kiebitze auf Rheinauer Gemarkung aussetzen. Neun weitere Kiebitze und vier Große Brachvögel dürfen sich in Kürze in ihren neuen Lebensraum einnisten. Die Eier sammelte Martin Boschert aus Nestern in hiesigen Lebensräumen der Vögel, wobei immer nur ein Ei entnommen wurde, um das Brüten nicht zu unterbrechen oder gar ganz zu unterbinden.

Nach Auskunft des Zoodirektors werden es in diesem Jahr allein 34 Kiebitze sein, die innerhalb des Artenschutz-Projektes in den Brutkästen des Karlsruher Zoos aufgepäppelt und dann in die Freiheit mittelbadischer Lebensräume entlassen werden.

Schutzräume für bedrohte Arten

Sehr erfolgreich verläuft auch die Aufzucht beim Großen Brachvogel, der seit etwa 30 Jahren nur mit ganz großer Anstrengung vor dem Aussterben gerettet wurde. Ein Beispiel ist die etwa 40 Hektar große Obersasbacher Mark bei Bühl-Moos, die der promovierte Biologe Martin Boschert mit der Gemeinde Sasbach und der Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe seit mehr als 25 Jahren betreut.

Das aktuelle Projekt unterstützen beide Regierungspräsidien, zumal Kiebitz und Großer Brachvogel sich ihr Nest dort suchen, wo es ihnen gelegen ist, sie in Wiesenflächen entsprechend Nahrung finden und geschützte Lebensräume fernab von zu viel störenden Publikumsverkehr haben. Dies ist gerade auch in jenem Rheinauer Gemarkungsbereich bestens gegeben, in dem jetzt im Beisein von Bürgermeister Michael Welsche (FW) und Ortsvorsteherin Marlies Bliß (FWG) die Kiebitze und Großen Brachvögel ausgewildert wurden.

Durch das Zusammenwirken von Gemeinden, Landwirten, Regierungspräsidien und Biologen könnten Schutzräume entstehen, die gerade den vom Aussterben bedrohten Vogelarten helfen würden, so Boschert, der seit Jahrzehnten solche Schutzprojekte für die Regierungspräsidien betreut. Dazu gehören Hilfen wie der Schutz der Nester, Absperrungen während der Brutzeit, Anlegung von Wassermulden und anderes mehr. Wenn dann die Jungvögel geschlüpft sind und munter umherlaufen, drohen weitere Gefahren vom Fuchs über Raubvögel bis hin zum Storch.

Künstliche Aufzucht zum Schutz vor Störchen

Der wurde mittlerweile zum „großen Problem“ für alle Jungtiere, gerade auch für Vögel wie der Kiebitz und Große Brachvogel. „Wir habe hier sehr viele Weißstörche die brüten und solche, die wieder aus dem Süden zurückkommen und noch nicht geschlechtsreif sind“, betonte Boschert. Dies sei zwar ein großer Erfolg für den Erhalt der Storchen-Population, doch die vielen Störche müsse man auch kritischen sehen. „Die gehen hier breit durch und machen keinen Unterschied zwischen einem jungen Hasen, Fasan oder Kiebitz.“

Deshalb wurde nun auch der Weg über eine künstliche Aufzucht durch den Zoo in Karlsruhe beschritten, der Jungvögel bis zur Auswilderung großzieht und betreut. Die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe unterstütze dieses Projekt fachlich und finanziell. Dazu gehörte auch der Bau einer großen Voliere, in der sich die Vögel einige Zeit vor ihrer Auswilderung an die freie Natur gewöhnten. Kaum waren die Verschläge offen, da waren die Vögel auch schon auf und davon geflogen, so als würden sie schon immer in dem Rheinauer Wiesenparadies leben.

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