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Nager vermehren sich

Nutrias gefährden Hochwasserschutz und verdrängen den einheimischen Biber

Der Bestand der Nager hat sich in den letzten Jahren stark vermehrt. Weil sie große Schäden anrichten, wird jetzt geprüft, wie ihrer Verbreitung Einhalt geboten werden kann.

Nutria - possierliche Pelztierchen oder Schädling? Foto: Karen Christeleit

Von unserer Mitarbeiterin Karen Christeleit

Man sieht sie am Feldbach in Gamshurst, am Plauelbach in Wagshurst oder am Mühlbach in Großweier und den Gewässern des Hanauerlandes, aber auch in den Arekogewässern wie Alte Rench, Acher- und Renchflutkanal und selbst am Rhein. Spaziergänger finden die immer häufiger auftretenden pelzigen und meist recht zutraulichen Wassertiere wie Nutrias und Bisams possierlich, doch vielerorts werden sie zu einem echten Problem.

Die Nutria hat orangene Nagezähne und einen runden Schwanz und ist mit dem südamerikanischen Meerschweinchen verwandt. Der Bisam - auch Sumpfkaninchen, Moschusratte - ist ein nordamerikanischer Verwandter der Wühlmaus und hat einen nackten seitlich abgeplatteten Schwanz. Beide sind invasive Neozoen - Tiere die im 17. Jahrhundert in Europa wegen ihres Pelzes eingeführt und in Pelzfarmen gezüchtet wurden. Von dort verbreiteten sie sich auch in der freien Natur.

Der Bestand der Nager hat sich in den letzten Jahren stark vermehrt. Sie verdrängen den streng geschützten und einheimischen Biber und richten große Schäden an Uferböschungen an. Während der Biber nämlich in seiner Biberburg wohnt und lediglich das Wasser aufstaut, graben die gut 65 Zentimeter großen Nutrias und die nur halb so großen Bisams Erdhöhlen auf Höhe des Wasserspiegels und unterhöhlen dabei die Uferböschungen, die bei Hochwasser unterspülen und erodieren oder bei Unterhaltungs- oder Ackerarbeiten mit dem Traktor wegen des Gewichts einbrechen.

Kritische Schäden an Hochwasserdämmen

„Dabei gibt es durchaus Gewässer, da ist das nicht schlimm, da fördern die Nager sogar die natürliche Gewässerentwicklung“, erklärte der Wagshurster Betriebsleiter des Regierungspräsidiums Simon Spinner, zuständig für den Betrieb und der Unterhaltung des Acher und Renchgebietes, „und bei den Gewässern erster Ordnung wie dem Rench- und Acherflutkanal haben die Nager wegen des festen Pflaster-Verbaus der Kanäle wenig Chancen.“

Trotzdem sah Spinner die entstehenden Schäden an Hochwasserdämmen sehr kritisch, da durch die Gänge und Höhlen Schäden an den Hochwasserdämmen entstehen können, die bei Hochwasser im schlimmsten Fall ein Versagen des Damms zur Folge haben. Die Schäden, gerade im Siedlungsbereich, wären immens. Doch auch landwirtschaftliche Schäden kommen immer häufiger vor. Die Nager ernähren sich vorwiegend von Pflanzen.

Die Flussmuscheln sind eine begehrte Eiweißspeise für die Pelztiere und so droht den Muschelbeständen die Ausrottung.
Simon Spinner, Betriebsleiter des Regierungspräsidiums

Ackerfrüchte wie Rüben, Kartoffeln oder Maispflanzen stehen bei den dämmerungsaktiven Nagern auf dem Speiseplan. Angenagte Bäume verlieren ihre Standsicherheit und die Ufervegetation wird abgefressen und somit wird auch der Brut- und Schutzraum für Wasservögel, Amphibien und Fische gefährdet. „Im Renchflutkanal sind die Flussmuscheln eine begehrte Eiweißspeise für die Pelztiere und so droht den Muschelbeständen die Ausrottung“, erklärte Spinner, „da müssen wir die Nager bekämpfen - zumal sie bei uns keine Fressfeinde haben und sich mit jährlich zwei Würfen mit acht bis zwölf Jungen immens vermehren.“

Nutrias besser nicht anfassen

Während die Stadt Achern auf Nachfrage meinte, dass für sie sich die Frage nach „Freude oder Ärgernis“ nicht stellt, da sich die hervorgerufenen Schäden noch im Rahmen halten, zumal Nutrias letztlich auch zur Artenvielfalt an den Gewässern beitragen, überlegt Kehl die Erhöhung der Fangprämie, die derzeit bei fünf Euro pro erlegtem Tier liegt, und steht mit dem Umweltschutzamt des Landratsamtes im Gespräch um die Fangsaison, die vom 1. August bis 28. Februar begrenzt ist, auszuweiten.

Während die Nutrias nur von Jägern geschossen werden dürfen, da sie dem Jagdrecht unterliegen, ist bei den Bisams das Fallenstellen erlaubt. „Das ist ein mühsames, aber umso wertvollerer Job“, lobte Spinner die ehrenamtlichen Bisamfänger, die leider immer häufiger mit Anfeindungen von Spaziergängern zu kämpfen haben, und appellierte an die naturliebende Bevölkerung, „das Eindämmen der Populationen ist wirklich notwendig.“ „Gefährlich gegenüber Menschen ist sie nicht“, bestätigte der Pressesprecher des Landratsamtes Kai Hockenjos, gab aber den Rat, „aber man sollte sie möglichst nicht anfassen und auch nicht füttern.“

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