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Fische schnappen nach Luft

Trockengefallener Bach macht Rheinbischofsheimern Sorgen

Anstatt munter zu schwimmen, schnappten die Fische in einem Bach bei Rheinbischofsheim nur noch kläglich nach Luft - das Gewässer war plötzlich trockengefallen.

Nur das trockene Bachbett war übrig: Was auf den ersten Blick auch ein Trampelpfad sein könnte, ist der trockengefallene Niedermattengraben bei Rheinbischofsheim, fotografiert am 13. August. Foto: Klaus Zink

Normalerweise plätschert hier im Bereich der Rehlach das Wasser, die Frösche quaken, die Libellen fliegen, und manchmal saust mit Glück sogar ein blauer Eisvogel vorbei: Bei Fahrradtouren kommt das Rheinbischofsheimer Ehepaar Zink von der Forsthausstraße ortsauswärts regelmäßig an einem kleinen Bach vorbei – der war vor wenigen Tagen plötzlich komplett leer.

„Es war nur noch das trockene Bachbett zu sehen“, sagt Klaus Zink: Das habe er als gebürtiger Rheinauer noch nie erlebt. Auf einem letzten Rest Wasser hätten beide noch ein paar nach Luft schnappende Fische entdeckt. „Das tat in der Seele weh. Als passionierter Angler und Naturfreund kommt man natürlich an keinem Gewässer vorbei, ohne einen Blick hineinzuwerfen.“

Ein Anglerkollege, der Vorsitzende des Angelsportvereins Rheinbischofsheim nämlich, Karl-Heinz Saier, sieht die Ursache in diesem aus seiner Sicht nicht alltäglichen Ereignis im Klimawandel. „Vor zwei Jahren war die Trockenheit aber sogar noch schlimmer als dieses Jahr“, sagt er. Inzwischen hat sich die Situation schon wieder leicht gebessert, und das Bächlein führt wieder etwas Wasser. In den vereinseigenen Gewässer steige zwar die Wassertemperatur, dramatisch sei das aber noch nicht.

Auch der Schwiebergraben drohte auszutrocknen

„Das Trockenfallen von Gewässern in langanhaltenden warmen Jahreszeiten wie in den vergangenen Jahren ist nichts Ungewöhnliches“, sagt dagegen Verbandsingenieur Andreas Meyer vom für die Gewässerunterhaltung zuständigen Zweckverband „Hochwasserschutz Hanauerland“ in Kehl. So sei beispielsweise der Holchenbach in Rheinbischofsheim ab der Abzweigung zum Galgenbach auch in den vergangenen Jahren immer wieder trockengefallen.

Der Zweckverband versuche, „durch eine geeignete Steuerung das ohnehin knappe Wasser möglichst fair auf alle Gewässer im Hanauerland zu verteilen“, sagt Meyer. Beim Niedermattengraben, um den es in dem Beispiel der Familie Zink geht und der durch die Rehlach gespeist wird, hat der Verband solche Steuerungsmöglichkeiten nicht. Auch der Schwiebergraben, der ebenfalls durch die Rehlach gespeist wird, drohte schon trocken zu fallen.

„Wir wurden des Öfteren gefragt, ob wir den Zufluss in die Rehlach reduziert hätten“, berichtet Meyer. Im Gegenteil, es seien sämtliche Abfluss-Hindernisse entfernt worden. Turnusmäßig oder „auf Zuruf“ werden die Gewässer im Auftrag des Zweckverbands gepflegt und freigeräumt. Die Durchgängigkeit von Gewässern wird von vielen Zusatzfaktoren beeinflusst, etwa durch sogenanntes Sedimentgeschiebe, das Fließgewässer mitführen, durch Bodeneintrag von Feldarbeiten oder Vegetation. Trotz allem sei Wasser „nicht einfach herbeizuzaubern“, sagt Meyer.

Wasserentnahme ist seit Mai in der Ortenau verboten

Auch im Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Landratsamt Ortenaukreis ist das Problem der Trockenheit im Bereich der Rehlach bekannt. „Leider haben wir derzeit aufgrund seltener Niederschläge und hoher Temperaturen in vielen Gewässern wenig Abflussführung, weshalb Bäche und Flüsse vermehrt auf natürliche Weise trockenfallen können“, sagt Anika Morat aus dem Sachgebiet Oberflächengewässer, in dem man davon ausgeht, dass sich diese Situation noch verschärfen wird.

Bereits seit Mai ist es daher im Ortenaukreis verboten, Wasser aus Bächen oder Flüssen zu entnehmen, um Hausgärten oder landwirtschaftliche Flächen zu bewässern. Führen Fließgewässer nicht ausreichend Wasser, so das Landratsamt, werde die Selbstreinigung des Gewässers gemindert, sodass vermehrter Algenwuchs sowie Schäden und Ausfälle für die Fischerei die Folge sein können.

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