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„Leserbild“-Fotograf

Günter Kohler aus Sasbach: Mit dem seltenen Wiedehopf erfüllt sich ein Foto-Traum

Am liebsten hat er Vögel vor der Linse: Günter Kohler liefert regelmäßig Fotos für die Zeitungsrubrik „Leser an der Kamera“. Auch online ist er unterwegs, denn über die Bilder des 70-Jährigen freuen sich auch 6.000 Instagram-Follower.

Seltener Gast: Bis er erstmals einen Wiedehopf sah, musste der Hobby-Fotograf lange warten. Foto: Günter Kohler

Manchmal harrt Günter Kohler Stunden im hohen Gras aus. „Wenn ich rausgehe, habe ich jedes Mal eine riesige Wundertüte vor mir: Was werde ich heute draußen sehen?“ Sein Name ist sicherlich manchem ABB-Leser ein Begriff: Der Hobby-Naturfotograf aus Sasbach gehört zu den fleißigsten Teilnehmern der Aktion „Leser an der Kamera“.

Außerdem freuen sich rund 6.000 Follower auf der Plattform Instagram über die Fotos des 70-Jährigen. Dass er auch immer genau weiß, was ihm vor die Linse fliegt, hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte.

„Fliegen“ ist das passende Stichwort, denn Vögel haben es Kohler besonders angetan. „Das ist mein Hauptthema. Aber es können auch mal schöne Wildpflanzen oder Insekten sein“, sagt er.

Bienen fotografiert jeder, und Fotos von Schmetterlingen am Sommerflieder gibt es auch schon mehr als genug.
Günter Kohler, Leserbild-Fotograf

Allerdings gibt es Ausnahmen: „Bienen fotografiert jeder, und Fotos von Schmetterlingen am Sommerflieder gibt es auch schon mehr als genug.“

Kühle Erfrischung: eine junge Blaumeise beim Baden Foto: Günter Kohler

Ein ganz besonderes Erlebnis sei es gewesen, endlich seinen Lieblingsvogel fotografieren zu können – und ihn überhaupt zu Gesicht zu bekommen: „Als Kind habe ich Bilder vom Wiedehopf gesehen, die gingen mir ein Leben lang nicht aus dem Kopf.“

Vor ein paar Jahren hörte er unterwegs zufällig den Ruf des extrem seltenen Tiers, das mit seinen Streifen und dem Federkamm auf dem Kopf im Vergleich zu anderen heimischen Vögeln doch ziemlich exotisch aussieht.

„In einem alten Kirschbaum habe ich eine Bruthöhle entdeckt. Als ein Junges den Kopf herausstreckte, war ich hellauf begeistert“, sagt Kohler. Kurz darauf beobachtete er, wie dieser junge Wiedehopf, der letzte im Nest, sich schließlich entschloss, die Kinderstube zu verlassen, und in die Morgensonne davonflog. „Das war fast ein bisschen kitschig“, erzählt er schmunzelnd.

Das Interesse an der Vogelwelt stammt noch aus seiner Kindheit: Als Schüler freute er sich über Sammelbilder oder schnitt Naturfotos aus Zeitschriften aus und klebte alles in Alben. „Dann habe ich versucht, alle Namen zu lernen“, erzählt er.

Die Kamera um den Hals gehängt: Günter Kohler ist als Hobby-Naturfotograf am liebsten rund um Sasbach unterwegs Foto: Günter Kohler

„Wenn die Leute heute meine Bilder sehen, meinen viele, dass ich sicher mit einer sehr langen Linse und einem Tarnzelt unterwegs bin.“ Dem ist nicht so: Eine Kompaktkamera mit Zoom-Objektiv baumelt um Kohlers Hals. Das Vorgängermodell bekam er vor fünf Jahren von seinem Sohn zum Geburtstag geschenkt.

Seitdem ist Kohler fast jeden zweiten Tag mehrere Stunden in der Natur im Sasbacher Umland oder um Kappelrodeck unterwegs. „Dabei muss man lange warten, still sein, und darf die Tiere nicht verscheuchen.“

Kreuz und quer durch die Wiesen mit Wanderschuhen

Mit Wanderschuhen geht es kreuz und quer durch Wiesen, Felder und hohes Gras, denn dort gibt es andere Vögel zu entdecken als die, die man in Wohngebieten zu Gesicht bekommt.

„Man lernt nach und nach, an welchen Plätzen man etwas sehen könnte. Wenn ich ahne, dass ein Tier kommt, bleibe ich ruhig, zum Beispiel hinter einem Baum, oder schleiche mich an“, sagt Kohler.

Zwei, drei, vier Stunden kann das schon einmal dauern. „Man muss viel Geduld mitbringen, aber als Rentner habe ich ja Zeit.“ Gern ist er rund um das Sasbacher Lindenhaus unterwegs, wo ihm hin und wieder auch Rehe und Feldhasen über den Weg laufen.

Nah dran: ein sogenanntes Großes Ochsenauge ist auf einem Gänseblümchen gelandet. Foto: Günter Kohler

Technische Aspekte stehen für Günter Kohler dabei eher im Hintergrund. Wichtiger ist es ihm, genau den richtigen Moment zu erwischen. Sein Anspruch: Ein Foto muss etwas Besonderes an sich haben. „Tiere einfach am Futterhäuschen zu fotografieren, das habe ich mir zum Beispiel selbst verboten.“

Die Ergebnisse sind nicht nur immer wieder unter den Leserfotos im ABB zu sehen. Kohler versorgt außerdem fast jeden Tag seine rund 6.000 Follower auf der Plattform Instagram. Zu jedem Bild liefert er zudem erklärende Sätze: „Einiges weiß ich noch aus der Kindheit, anderes lese ich mir an“, erzählt der frühere Mathe- und Physiklehrer.

Ein lang gehegtes Wunschmotiv hat Günter Kohler mit dem Wiedehopf bereits „abgehakt“. Was in der Sammlung bislang fehlt, aber ebenso auffällig ist: der leuchtend gelbe Pirol.

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