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Gastgewerbe

Kostenexplosion und Fachkräftemangel: Dehoga Achern kündigt Preiserhöhungen an

Bei der vergangenen Dehoga-Hauptversammlung in Sasbachwalden sagten die Gastronomen, wo ihnen der Schuh drückt – von der Ausbildung bis zum Personalmangel.

Dehoga Jahresversammlung, bitte thematisch keinen JHV-Bericht, sondern die Frage in den Mittelpunkt rücken, wo die Wirte grad der Schuh drückt (Personal, Mindestlohn, Rckkehr von Corona etc.)
Komplexe Zeiten: Iris Schaeck beim Bedienen der Gäste Barbara Herrmann und Theo Herrmann. Für die Betriebe des Gastgewerbes wird es immer schwieriger, Fachkräfte und Auszubildende zu finden. Foto: Roland Spether

Steigende Kosten, fehlende Fachkräfte, wenige Auszubildende: Die Reihe ließe sich um so manches Problem ergänzen, mit denen die Inhaber und Betreiber von Gaststätten, Restaurants und Hotels vor allem im Blick auf die aktuelle Krise mit stetig steigenden Preisen gerade auch bei Lebensmitteln konfrontiert sind.

„Wir sind in einer extrem schwierigen Situation“, brachte es Herbert Decker, Vorsitzender der Dehoga-Kreisstelle Achern, bei der Hauptversammlung auf den Punkt. „Niemand weiß, was nach Corona und den Lockdowns jetzt noch alles auf uns zukommt“, so Decker.

Er sprach die hohen Energiepreise an, die in einem verantwortbaren Rahmen an die Gäste weitergegeben werden müssen. „Preiserhöhungen werden kommen, denn wir haben enorme Kosten und hoffen, dass die Gäste dies auch verstehen.“

Dass der Dehoga-Verband während der Pandemie und auch bei den aktuellen Krisen ein wichtiger und kompetenter Begleiter des Gastgewerbes sei, betonte Decker in seinem Dank an den Dehoga-Verbandsjuristen Nicolai Danne. Der ging ausführlich auf das Thema steigende Energiekosten ein und hofft, dass die Bundesregierung weitere Pakete schnürt, die Gaspreisbremse umsetzt und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas langfristig bei sieben Prozent belässt.

Dehoga Achern setzt sich weiterhin für die Betriebe ein

„Doch wie sich alles entwickelt, lässt sich derzeit nicht sagen. Wir stehen erst am Anfang der Heizperiode.“

Doch der Verband werde sich weiterhin intensiv auf politischer Ebene für die 12.000 Betriebe in Baden-Württemberg einsetzen, zumal diese die aktuellen Krisen „härter treffen als Corona“. Bei einer Umfrage zur Stimmungslage hätten 65 Prozent der Befragten „massive Zukunftsängste“ geäußert.

„Wir haben nicht nur bei der Energie, sondern in allen Bereichen Preissteigerungen wie bei den Entgelten, beim Mindestlohn oder bei den Grundprodukten für die Herstellung von Lebensmitteln“, so Danne. „Das Leben wurde insgesamt teurer und das bekommt auch das Gastgewerbe zu spüren.“

Ob sich die „Neun-Euro-Energiepauschale“ pro Übernachtung eines Hotels in Baiersbronn durchsetze beziehungsweise kein rechtliches Problem darstelle, werde sich zeigen. Die gastronomischen Betriebe müssten ihren Gästen gegenüber Endpreise angeben, in die die Energiekosten durchaus und „vernünftig kalkuliert“ eingepreist werden können und sicherlich auch müssen, betonte Danne.

Höhere Löhne bezahlen wir gerne, wenn wir auch gutes Personal haben.
Herbert Decker, Vorsitzender der Dehoga-Kreisstelle Achern

„Höhere Löhne bezahlen wir gerne, wenn wir auch gutes Personal haben“, meinte Decker. Doch vor allem bei der regen Diskussion wurde deutlich, dass Fachkräfte immer schwieriger zu bekommen sind und immer weniger Jugendliche eine Ausbildung beginnen.

Doch aus den Ausführungen von Cordula Braedel-Kühner von der Fachgruppe „Ausbildung“ wurde deutlich, dass die Zahl der Auszubildenden im Land „extrem rückläufig“ sei und viele ihre Ausbildung im Gastgewerbe abbrechen oder eine andere Ausbildung angehen.

Die Gründe dafür seien vielfältig, einer aber müsse die Betriebe des Gastgewerbes aufhorchen lassen. Bei den Auszubildenden bestand der „Wunsch nach mehr Wertschätzung“. Die bekommen sie jetzt nach einer deutlichen Entgelterhöhung um 100 Euro auf 900 Euro im ersten Lehrjahr, im zweiten sind es 1.050 Euro und im dritten Lehrjahr 1.150 Euro pro Monat. Ob dies ein Anreiz ist, wird sich zeigen.

In der Ausbildung muss sich einiges tun

Es müsse sich jedenfalls in der Ausbildung einiges tun, gleiches betreffe auch das Fachpersonal, wie selbstkritisch zu hören war.

Dann könnte es irgendwann passieren, dass Gaststätten und Restaurants samstags und sonntags geschlossen bleiben, weil kein Personal vorhanden sei. Doch das wollte sich keiner im Raum ausmalen, zumal gerade Sonn- und Feiertage stark frequentierte Tage sind.

Weitere Themen waren der Umgang mit Stornierungen, die Erfassung der Arbeitszeit oder die Einwegregelung bei der Mitnahme von Essen, auch Ehrungen standen an. So wurden die Acherner Gastronomen Edelbert Fischer („Alte Zunft“) für 40 Jahre und Beatrice Kuhn („Zur Hoffnung“) für 25 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet.

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