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Hängepartie beendet

Gemeinde Sasbachwalden übernimmt ehemalige Wagner-Kliniken

Die Ungewissheit ist beendet. Mit der Übernahme der Wagner-Kliniken wagt die Gemeinde Sasbachwalden einen Neustart. Für den Kauf musste sie einen Kredit aufnehmen.

Mit dem Kauf der Wagner-Kliniken wagt die Gemeinde Sasbachwalden einen neuen Start zur Nutzung des Gebäudekomplexes in exponierter Lage. Foto: Spether

Von Roland Spether

Die Hängepartie ist beendet: Völlig überraschend hat die Gemeinde Sasbachwalden die Wagner-Kliniken übernommen. Den Schlüssel für den Gebäudekomplex hat jetzt Bürgermeisterin Sonja Schuchter.

Die Kommune hat nun als Eigentümerin die Möglichkeit, das Areal an einen Investor zu verkaufen und nach der Aufstellung eines neuen Bebauungsplans mit diesem etwas Neues zu schaffen. Wie sich nun herausstellte, hatte der bisherige Eigentümer den Kaufpreis nicht bezahlt.

Ihre Blütezeit hatte die einstige Reha-Klinik mit 320 Betten in den 60er und 70er Jahren, als der Kurort Sasbachwalden noch mehr als 300.000 Übernachtungen hatte und auch als Feriengemeinde sehr beliebt war. „Ich bin sehr glücklich, dass jetzt Klarheit herrscht. Aber wir haben noch einen langen Weg vor uns“, so die Bürgermeisterin in der Sitzung des Gemeinderates am Mittwoch.

Am Vormittag hatte sie von Hanno Reinert, Geschäftsführer der Pompeiian GmbH & Co. KG, den Schlüssel für das 1,5 Hektar große Areal der ehemaligen Wagner-Kliniken erhalten, die nun in ein Projekt mit Hotel, Ferienwohnungen und Dauerwohnen umgewandelt werden sollen.

„Nach Rücksprache mit der Kommunalaufsicht haben wir zur Zwischenfinanzierung einen Kredit von 2,2 Millionen Euro aufgenommen“, so die Bürgermeisterin, die nun auf den nächsten Schritt und damit den Kauf durch einen Investor hofft. Gespräche mit einem potenziellen Investor seien am Laufen - Ziel sei es, in den Gebäuden ein Hotel, Ferienwohnungen und Dauerwohnungen anzusiedeln.

Die Gemeinde Sasbachwalden ist nun im Besitz der Wagner-Kliniken: Bürgermeisterin Sonja Schuchter erhielt von Geschäftsführer Hanno Reinert die Schlüssel für das 1,5 Hektar große Areal. Foto: Spether

Wert legte Sonja Schuchter auf die Feststellung, dass die Gemeinde durch den Kauf nun „Herr des weiteren Verfahrens“ sei und die Dinge in ihrer Hand habe, auch wenn es keinen Verkauf an einen Investor geben sollte. Voraussetzung für den Kauf war die Löschung die im Grundbuch eingetragene Auflassungsvormerkung vom Herbst 2018, so die Bürgermeisterin.

Die Vormerkung dient der Sicherung eines Anspruchs und ist eine Art „Grundbuchsperre“, die sich der Investor BF Real Estate ohne eingetragene Löschungsmöglichkeit sichern ließ, eingetragen waren aber neun Millionen Grundschulden. Aber der Kaufpreis wurde nicht bezahlt und die Erwerbsvormerkung im Grundbuch konnte erst im Juni 2020 gelöscht werden, dadurch wurde auch der Kauf von der Pompeiian GmbH & Co. KG durch die Gemeinde Sasbachwalden möglich. „Das Geld wurde überwiesen“, so Schuchter.

Auf Vorkaufsrecht einst verzichtet

Bereits im Dezember 2016 hatte die Gemeinde auf ihr Vorkaufsrecht gepocht, zumal das vorgelegte Konzept der BF Real Estate mit Altenpflege und betreutem Wohnen nicht den Vorstellungen der Gemeinde entsprach. Dagegen legte der Käufer Widerspruch ein und präsentierte mit der Bädergesellschaft Monte Mare als möglicher Pächterin ein neues Konzept, das einen Wellness-Tempel und Appartements vorsah.

Durch eine Bürgschaft von fünf Millionen Euro sowie der unterschriebenen Absichtserklärung zwischen Monte Mare und der BF Real Estate über den Abschluss eines Pachtvertrags schien die Mindestvoraussetzung für die Rücknahme des Vorkaufsrechts durch die Gemeinde erfüllt.

Nun hofft die Gemeinde erneut auf einen Investor für das große Areal. Dazu muss der gültige Bebauungsplan für Kur und Erholung geändert werden. Einen ersten Entwurf erläuterte Thomas Kernler vom Büro Zink Ingenieure, den die Gemeinderäte wie das weitere Vorgehen im beschleunigten Verfahren mit frühzeitiger Beteiligung einstimmig befürworteten.

Auch ein Abriss ist denkbar

Danach soll ein Investor die Möglichkeit erhalten, dieses Areal mit Hotel, Ferienwohnungen und Dauerwohnen weiter zu entwickeln. Er könnte die Vorgaben im bisherigen Bestand mit zwei bis fünf Vollgeschossen auf einer Länge von 170 Meter realisieren, denkbar wäre auch, alles abzureißen und etwas Neues mit gleichen Höhen oder mehr zu bauen, so Thomas Kernler.

Gespannt sei man auf die Anmerkungen des Amtes für Wasserwirtschaft zu den beiden Bachläufen Langerbach und Brandbach. Der Langerbach sei in diesem Bereich verdolt und verlaufe unter den Gebäuden. Es könnte durchaus sein, dass dieser geöffnet und mit entsprechenden Gewässerrandstreifen versehen werden muss.

Auf jeden Fall muss ein Artenschutzgutachten angefertigt werden, die Untersuchungen sollen den Sommer über vorgenommen werden. Für „denkbar” hält der Planer in seiner Antwort auf eine Frage von Markus Bruder, dass hier auch ein Hotel gebaut werden könnte.



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