Skip to main content

Bürgermeisterin will etwas unternehmen

Gestank von Abwasser: Warum es am Schelzberg in Sasbachwalden ein Geruchsproblem gibt

Seit Jahren riechen die Anwohner am Schelzberg in Sasbachwalden alle paar Tage den Gestank von Abwasser. Die Bürgermeisterin will nun etwas dagegen tun.

Es stinkt Anwohner Wolfram Dommsch. In seiner Straße gibt es immer wieder unangenehme Gerüche. Foto: Michaela Gabriel

Alle paar Tage zieht ein „Gschmäckle“ durch die Straße Am Schelzberg mit ihren schmucken Fachwerkhäusern. „Es riecht wirklich extrem“, sagt Familie Zeitvogel, die das im Bürgerdialog mit Rathauschefin Sonja Schuchter schon vorgebracht hat.

Die Bürgermeisterin hat das Problem von ihrem Vorgänger geerbt. Es tritt schon seit vielen Jahren immer wieder auf und steht jetzt auf ihrer Agenda.

„Zunächst hat man bestritten, dass das überhaupt sein kann“, erinnert sich Ehrenbürger Heinrich Fallert, der am Schelzberg wohnt und sich sehnlichst wünscht, dass „der Gestank endlich aufhört.“

Übel kommt aus den Gullideckeln

Alle paar Tage für etwa 30 Minuten sei er feststellbar, hat der Rentner beobachtet. Wenn man gerade lüfte, sei die unerfreuliche Wolke ruckzuck in der Wohnung. Und auch Wanderer könnten leicht eine Nase davon abbekommen.

Sein Nachbar Wolfram Dommsch bestätigt das. Das Übel komme aus den Gullideckeln, davon ist er überzeugt. Dass in die Kanalschächte Duftfilter eingebaut wurden, habe die Situation nicht verändert: „So große Duftbäume gibt’s gar nicht“, meint er scherzhaft. Anderen Anwohnern ist nicht zum Scherzen zumute. Sie vermeiden, ihre Fenster zur Straßenseite überhaupt zu öffnen.

Es riecht nach Fäkalien.
Hans-Martin Hockenberger, Gemeinderat

Hans-Martin Hockenberger, FWV-Gemeinderat und Winzer, wohnt auch am Schelzberg. Er sei nicht betroffen, doch Anwohner hätten ihn hinzugerufen, wenn es soweit war. „Es riecht nach Fäkalien“, bestätigt er. Angefangen habe es, als mehrere Anwesen Am Schelzberg ihre Klärgruben aufgaben und an die Kanalisation angeschlossen wurden.

Diese wenigen Häuser liegen auf der anderen Seite des Hügels. Wenn ihre gesammelten Abwässer den Berg hinauf gepumpt werden und dann in den Kanal unter der Straße Am Schelzberg abfließen, entsteht der unangenehme Geruch. Markus Doninger, seit vier Jahren Kanalaufseher beim Abwasserverband Sasbachtal, hat in seinem ganzen Zuständigkeitsbereich keinen ähnlichen Fall.

Kanalaufseher Markus Doninger kommt immer wieder auf den Schelzberg und versucht, das Geruchsproblem mit dem Abwasser von wenigen abgelegenen Häusern zu beseitigen. Foto: Michaela Gabriel

Physikalisch sei die Sache klar: Aus dem Abwasser trete Schwefelwasserstoff aus, der im Fäulnisprozess entstehe. Dieses völlig normale Ausgasen beginne nach dem Übergang von der engen Druckleitung in den größeren Kanal. Und es dauere, bis der Inhalt aus den beiden Pumpensümpfen der Anwesen hinter dem Hügel die Straße hinunter gelaufen seien.

Weil dieses Abwasser von weniger als 20 Anwohnern nicht so stark verdünnt werde wie in dicht bebauten Wohnstraßen, sei der Geruch aufdringlicher als anderswo. Die Klagen seien deshalb berechtigt.

„Ich bekomme Tipps, wie das abgestellt werden könnte“, sagt der Fachmann. Doch manches funktioniere nicht, anderes sei nicht zulässig oder sehr teuer. Er habe unter anderem die Schaltzeiten der Abwasserpumpen optimiert. Nach weiteren Maßnahmen dringe der Geruch nicht mehr aus der Kanalisation direkt, sondern aus den Toilettenentlüftungen der Häuser. Er sei bei gewissen Wetterlagen stärker als bei anderen.

Ich bekomme Tipps, wie das abgestellt werden könnte.
Markus Doninger, Kanalaufseher beim Abwasserverband Sasbachtal

Lösen lasse sich das Problem durch bauliche Veränderungen, ist der Kanalaufseher sicher. Entweder man verlängere den Kanal unter der Wohnstraße bis zum Hochpunkt auf dem Hügel oder man dosiere dauerhaft und elektronisch gesteuert geruchshemmende Mittel in die Druckleitungen, die zum Kanal führen. Beides könnte rund 35.000 Euro kosten und müsste von der Gemeinde Sasbachwalden finanziert werden.

Mittel reichen dieses Jahr nicht

Bürgermeisterin Sonja Schuchter hat das Problem bei den Haushaltsberatungen kürzlich zum ersten Mal öffentlich gemacht. In diesem Jahr reichen die Mittel der Gemeinde aber nicht für eine teure bauliche Lösung. Weil die Geruchsbelästigung nicht dauerhaft sei, halte sie es für „verantwortbar, dass wir dieses Jahr nutzen, um die Maßnahme durchzuplanen und nach Sparpotential zu suchen“.

nach oben Zurück zum Seitenanfang