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Letzter Flohmarkt am Wochenende

Inventar der Sasbachwaldener Wagner-Kliniken wird künftig im Internet verkauft

Beim letzten Flohmarkt in den Sasbachwaldener Wagner-Kliniken geht so manches Andenken in gute Hände. Künftig will die Gemeinde das Inventar nur noch über das Internet verkaufen.

Gut gelaunt streift Sabine Koch durch die Zimmer der ehemaligen Wagner-Kliniken in Sasbachwalden. Seit Anfang dieses Jahres kümmert sie sich im Auftrag der Gemeinde um den Verkauf des restlichen Inventars Ganze Zimmereinrichtungen, wie auf unserem Foto, kommen dabei allerdings seltener unter den Hammer. Foto: Michael Brück

„Sie kommen, die Leute. Wohl auch aus Neugierde“, glaubt Sabine Koch. Mehrmals hat sie in diesem Jahr schon Flohmärkte in den ehemaligen Wagner-Kliniken in Sasbachwalden organisiert.

Und jedes Mal, so sagt sie, geht wieder ordentlich was weg vom schier nicht enden wollenden Inventar des riesigen Komplexes, die seit Jahren leer steht und im vergangenen Sommer ins Eigentum der Gemeinde Sasbachwalden übergegangen ist. Die 320 Zimmer, die Verwaltungsräume und natürlich so mancher Behandlungsbereich – sie alle verbergen jede Menge verborgene Schätze.

Eigentlich hätte Sabine Koch ja nur dabei helfen sollen, die teuren Pflegebetten an den Mann zu bringen. „Sonja Schuchter hatte mich Anfang des Jahres angerufen und mich, weil ich mich durch meinen Beruf recht gut mit solchen Dingen auskenne, gebeten, beim Verkauf zu helfen“, erzählt die Rentnerin über ein Telefonat mit Sasbachwaldens Bürgermeisterin, das sie in eine neue Aufgabe geführt hat.

„Als ich hier sah, was da noch so alles rumliegt, was ja viel zu gut ist, um es einfach wegzuwerfen, hatte ich die Idee, Flohmärkte zu veranstalten.“ Von der Bürgermeisterin gab es sofort grünes Licht und die Schlüssel zum Gebäude gleich noch dazu. Seither ist Koch so etwas wie die Chefin und die gute Seele der verwaisten Gebäude.

Sie kümmert sich darum, dass hier alles seine Ordnung hat, vor allem aber auch darum, dass buchstäblich jedes Töpfchen hier wieder sein Deckelchen findet. „Ich bringe das Inventar wieder mit den Menschen zusammen“, sagt sie.

Frau fragt nach gigantischer Suppenkelle aus den Wagner-Kliniken

Dabei würde auch so manches Kuriosum einen neuen Platz finden. Sabine Koch erinnert sich an den Anruf einer Frau, die unbedingt die Suppenkelle des alten Chefkochs haben wollte. „Dazu muss man wissen, dass es sich dabei um ein gigantisch großes Exemplar gehandelt hatte, für eine Großküche eben“, erzählt Koch mit einem Lachen.

Was die Frau damit wollte, weiß sie bis heute nicht. „Aber sie hat ihre Kelle bekommen.“ Viele Dinge, so glaubt Sabine Koch, seien für die Menschen hier ein Stück Erinnerung an vergangene und schöne Zeiten, als in Sasbachwalden der Tourismus brummte und die Kurgäste zu Hunderten den Ort bevölkert hatten.

Da werde nach alten Vasen gefragt, die in einem bestimmten Stockwerk auf den Zimmern gestanden hatten, eben nach ganz konkreten Dingen. Beim wohl letzten offiziellen Flohmarkt am Wochenende waren es Geschirr, Bilder und alte Spiegel, die schnell ihre Abnehmer fanden. „Eine Einrichtung hat sich mit Stühlen eingedeckt, ein Gastronom aus der Gegend mit Tassen“, erzählt Sabine Koch.

Sie bestimmt die Preise, vom Zuckerstreuer für zwei Euro bis zum Spiegel für 300. Dazwischen jede Menge Schüsseln, Töpfe, Leuchten und fast schon museal anmutende Elektroartikel. Fünf Euro, zehn Euro oder auch nur einen einzigen.

Hauptsache, die Sachen finden einen neuen Besitzer, der ihnen neues Leben einhaucht. „Das ist auch eine Form der Nachhaltigkeit, wenn wir hier mit unserem ganzen Helferteam dafür sorgen, dass diese Sachen weiterverwendet oder zumindest nicht weggeworfen werden.“

Und dem Gemeindehaushalt kommt es auch zu Gute. Denn nichts fließt hier in die eigene Kasse. „Alles gehört der Gemeinde. Und so manche gute Sache wurde in den vergangenen Monaten über unsere Verkäufe finanziert“, verrät die Flohmarkt-Organisatorin.

Inventar aus Sasbachwalden wird künftig übers Internet verkauft

Und was nicht verkauft wird? „Die Interessenten können mich über die Gemeinde jederzeit erreichen. Wer sich für etwas interessiert, kann sich melden und einen Termin ausmachen. Dann schauen wir uns die Sachen gemeinsam an.“

Die schönen Zimmereinrichtungen lassen sich so auch schwierig verkaufen.
Sabine Koch, Flohmarkt-Organisatorin

Auf diese Weise, sagt Koch, bekomme sie irgendwann alles weg. Künftig wohl über Online-Auktionen. Denn die Flohmärkte sind zeitaufwendig und brauchen immer viele Helfer. Das könne man nicht ewig so weitermachen. „Und die schönen Zimmereinrichtungen lassen sich so auch schwierig verkaufen“, erzählt sie. „Die sind alle in den Zimmern fest eingebaut. Und das schreckt die meisten potenziellen Käufer ab. Dabei sind diese Möbel sehr hochwertig und haben meistens keinerlei Schrammen.“

Doch Sabine Koch hat Geduld: „Eines Tages werden die richtigen Käufer kommen. Und dann bekommen wir auch das noch in gute Hände.“

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