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Anlage von 1975

Terrassenpark Brandmatt in Sasbachwalden: Ferienwohnanlage steht jetzt unter Denkmalschutz

Terrassenhäuser sind ein Konzept aus den Vorstädten. Im Schwarzwalddorf Sasbachwalden wurde diese Idee 1975 für ein Feriendorf genutzt. Das steht jetzt unter Denkmalschutz.

Landschaftsprägend: Der Terassenpark Brandmatt wurde in den Jahren 1971 bis 1975 nach den Plänen der Architekten Heinz Jakubeit und Gerhard Seebacher gebaut. Foto: Ulrich Coenen

Spötter sprechen von Klaviertasten. Valentin Doll, der damalige Sasbachwaldener Bürgermeister, erklärte – wenig charmant – bei der Feier zum 25. Jubiläum des Terrassenparks Brandmatt am 4. April 1998, dass er die „bauliche Ausführung“ für nicht übermäßig gelungen hält.

Es ist unstrittig, dass die Menschen in der Gemeinde bis heute mit der Ferienwohnanlage im Schwarzwald fremdeln. Dennoch steht sie inzwischen unter Denkmalschutz und wird sogar im aktuellen „Jahresbericht der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg“ mit einem Aufsatz gewürdigt.

Die Balkone der Terrassenhäuser erlauben eine grandiose Sicht ins Rheintal. Foto: Ulrich Coenen

„Die Terrassenhäuser sind architekturgeschichtlich auf der Höhe ihrer Zeit“, urteilt Gitta Reinhardt-Fehrenbach in dem vom Landesamt für Denkmalpflege unter dem Titel „Erforschen und Erhalten“ herausgegebenen Jahresbericht.

Terassenhäuser haben auch (fast) nur Vorteile.
Sabine Pollak, Professorin für Urbanistik

Terrassenhäuser haben, beginnend mit den Hängenden Gärten von Babylon, die als eines der sieben Weltwunder der Antike galten, eine lange Tradition. In den 1960er Jahren kamen sie als Wohnhäuser in den Vorstädten in Mode.

„Sie waren die neue Wohnform schlechthin“, urteilt Sabine Pollak, Professorin für Urbanistik an der Kunstuniversität Linz, 2017 in einem Beitrag für die Wiener Tageszeitung „Der Standard“. „Sie haben auch (fast) nur Vorteile. Sie fügen sich in die Landschaft ein, die Terrassen kommen den Gärten von Einfamilienhäusern nahe und auf Erdgeschossebene steht man nicht vor einer senkrechten Wand, sondern vor einem begrünten Hang. Bauphysik und eintönige Bauklassen machen terrassierte Baukörper heute unmöglich.“

Laubengänge prägen die dem Schwarzwald zugewandte Rückseite der Terrassenhäuser. Foto: Ulrich Coenen

In der Tat bedeuten die neuen Vorschriften für Wärmedämmung praktisch das „Aus“ für stark gegliederte Baukörper mit Terrassen. Wichtige Beispiel wie das Arag-Terrassenhaus in Düsseldorf wurden 1992 trotz heftiger Proteste abgerissen.

Wie kam es nun, dass im kleinen Sasbachwaldener Ortsteil Brandmatt in den frühen 1970er Jahren modernste Tendenzen der Architektur ausgerechnet für eine Ferienanlage aufgegriffen wurden? Nachdem es in diesem landwirtschaftlich dominierten Weiler bereits in den 1950er Jahren einige Wochenendhäuser gab, wurde in den Jahren 1967 bis 1969 in Zusammenarbeit mit Heinz Jakubeit, der damals am Lehrstuhl von Egon Eiermann an der Universität Karlsruhe tätig war, ein neuer Flächennutzungsplan erarbeitet. Der sah ein Sondergebiet „Wohnen, Erholung und Fremdenverkehrseinrichtungen“ in der Talsenke vor.

Warum Bauernhöfe nicht in die Landschaft passen

Jakubeit präsentierte ein erstes Konzept. Eine Bauernhofgruppe mit Ferienwohnungen umgab ein zentrales Hotelgebäude. Nikolaus Müller, Sasbachwaldener Bürgermeister während der Planungs- und Bauphase und später Verwalter des Terrassenparks, berichtete in seinem Vortrag bei der Jubiläumsfeier, dass dieser Entwurf im Gemeinderat und im Landratsamt für Begeisterungsstürme sorgte.

Im Regierungspräsidium Freiburg sei aber damals ein „junger Architekt, frisch von der TU Berlin, zuständig“ gewesen. „Er entschied, dass die Bauernhöfe nicht landschaftstypisch seien.“

Im Zentrum des Terrassenparks steht das frühere Hotel mit Hallenbad und Sauna. Das Restaurant wurde später zu Ferienwohnungen umgebaut. Foto: Ulrich Coenen

Dieses Urteil mag zunächst überraschen. Wer aber das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach besucht, erkennt sofort, dass es im Schwarzwald und im Rheintal sehr verschiedene Hoftypen gibt. Ferienhäuser in vermeintlich bäuerlichen Formen bergen deshalb das große Risiko, rasch zum Baukitsch zu verkommen. Auf ähnliche Weise wurde der aus der Gutacher Gegend stammende Bollenhut durch die Heimatfilme der 1950er Jahre zum Gesamtsymbol für die Schwarzwaldtracht, die es so nie gab.

Schmale Fahrstraßen erschließen das Feriendorf. Foto: Ulrich Coenen

Das Regierungspräsidium setzte sich durch. Es gab einen komplett neuen Entwurf. Der Terrassenpark entstand schließlich in den Jahren 1971 bis 1975 nach den Plänen der Architekten Heinz Jakubeit und Gerhard Seebacher (Rastatt). Mit Bauernhäusern hat diese Architektur nichts mehr zu tun. Der Terrassenpark wurde am steilen Hang des Brandkopfs mit einer grandiosen Aussicht in die Rheinebene in Zeilenbauweise errichtet.

Es gibt sogar ein Hallenbad mit Sauna

So entstand ein durch schmale Fahrstraßen erschlossenes Feriendorf mit 14 Terrassenhäusern, davon fünf Doppelhäuser, ein Einzelhaus und eine Dreiergruppe. Im Zentrum des Dorfes, das in drei Häuserzeilen gegliedert ist, steht das niedrigere Hotel mit Restaurant, Hallenbad und Sauna. Es wurde später, analog zu den anderen Gebäuden, zum Apartmenthaus umgestaltet. Das Hotel wurde zu drei Wohnungen umgebaut.

Alle mit braunen Faserzementplatten verkleideten Terrassenhäuser sind dreistöckig über einem Garagengeschoss mit mächtigen Betonpfeilern. Die Westseite in Richtung Rheinebene wird durch die gestaffelten Terrassen mit Balkonen bestimmt. Die Ostseiten haben Laubengänge, durch die die Wohnungen erschlossen werden.

Terrassenpark Brandmatt. Die Balkone sind prägend. Foto: Ulrich Coenen

Die Ferienapartments haben unterschiedliche Grundrisse. Meist handelt es sich um Einzimmerwohnungen mit Küche und Bad, es gibt aber auch Zweizimmerwohnungen und Maisonetten. Heute besteht die Wohnungseigentümergemeinschaft aus rund 160 Personen.

Mit dem Privileg eines einzigartigen Panoramas
Gitta Reinhardt-Fehrenbach, Denkmalpflegerin

Man kann dem Terrassenpark kaum vorwerfen, dass er sich nicht in die Schwarzwaldlandschaft fügt. Die gestaffelten Gebäude in Zeilenbauweise schmiegen sich in den Hang und sind zweifellos landschaftsverträglicher als zahlreiche große Neubauten mit Satteldach, die dem Autofahrer auf dem Weg von der Rheinebene nach Brandmatt begegnen. Es ist deshalb eher die ungewöhnliche Form der Häuser, die in den Vorstädten der 1960er und 1970er Jahre Verbreitung fand, die die Schwarzwälder irritiert.

Einmalige Lage: der Terassenpark Brandmatt Foto: Ulrich Coenen

Die Denkmalpflegerin Gitta Reinhardt-Fehrenbach urteilt: „Das Beispiel Brandmatt zeigt eindrucksvoll und selten gut überliefert, wie man damals in den Ferien wohnen wollte: auf verdichtetem Raum, mit praktischem Parken vor der Tür, mit dem Gimmick eines Skischranks, mit dem Luxus eines Schwimmbads und mit dem Privileg eines einzigartigen Panoramas: Ferien in den 1970ern!“

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