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„I hätt da mol ä Frog”

Wie der Frauenweg zur Hornisgrinde zu seinem Namen kam

Ein bisschen geheimnisvoll ist es schon: Woher kommt der Name Frauenweg? Eine Leserin stellte die Frage, die eine spannende Zeitreise in die Heimatgeschichte auslöste.

Herrlich zu Wandern: Der Frauenweg lockte dieser Tage auch wieder eine Gruppe des Schwarzwaldvereins zu einer Sonnenaufgangstour mit Wanderführerin Andrea Höfling. Sie stellte die Leserfrage zur Bedeutung des Namens. Foto: Andrea Höfling

In Wanderer- und Mountainbikerkreisen gilt er gleichermaßen als Lustbringer: Der Frauenweg. Er führt oberhalb der Unterstmatt mit moderater Steigung wunderbar durch den Wald und dann, als neckischer Trail, durchs Hochmoor zur „Kleinen Grinde”, wo der Telekom-Sender steht.

Von dort ist, vorbei an der 206 Meter hohen Betonnadel des SWR, nach kurzer Wegstrecke der mit 1.164 Metern höchste Gipfel des Nordschwarzwalds erreicht. Doch warum heißt der Weg eigentlich Frauenweg? Genau das will ABB-Leserin Andrea Höfling wissen und meldete sich damit über die Leserfragen-Plattform von BNN/ABB. Sie ist Wanderführerin beim Schwarzwaldverein Sasbach/Obersasbach, damit ist es eigentlich fast schon ein berufliches Interesse.

„Auf jeden Fall ist es kein sehr alter Weg”, so der ehemalige Sasbachwaldener Bürgermeister und Heimatkenner Valentin Doll. Auf den rauen Grindehöhen gebe es keine alte Besiedelung, deshalb sei die Infrastruktur ebenfalls eher jüngeren Datums. Also keine Römer, keine Säumer, keine Wallfahrt, die für eine historisch fassbare Bezeichnung sorgten, kein selbsterklärender Briefträgerweg.

Und kein prominenter Namensgeber wie beim Elsaweg, benannt nach der Ehefrau von Wilhelm Nauwerck (1851-1916), seines Zeichens Chef der Bindfadenfabrik, Wahloberacherner und Vater des Aussichtsturms auf der Hornisgrinde.

Der Charme dieser Geschichte über den Frauenweg liegt im Thema wie in der Recherche. Denn Altbürgermeister Doll empfahl, das heimatkundliche Wissen des Sasbachwaldeners Markus Bruder anzuzapfen. Der grub sich in alle ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen, konnte aber zum Frauenweg nichts finden. Aber: Sein Verweis auf Hubert Oberle als kundige Quelle, führte zum Ziel. „Das ist der bequemste Weg auf die Hornisgrinde”, berichtet Oberle, der von 1961 bis 2009 das Forstrevier Sasbachwalden leitete.

Einst war die Hornisgrinde baumfrei

Bis in die 1950-er Jahre herrschte auf dieser Strecke reger Verkehr. Beerensammler nutzten den moderaten Auf- und Abstieg zum Acherner Hausberg ebenso wie Holzfäller. Dazu kamen Bauern aus Sasbachwalden, Sasbach und Obersasbach. „Die Landwirte haben dort das Gras gemäht. Das diente dann als Futter und als Einstreu für den Stall”, berichtet der 75-jährige, ehemalige Forstmann.

Damals stand auf der Hornisgrinde nicht ein Baum.
Hubert Oberle Forstrevierleiter im Ruhestand

Vor allem in kargen Zeiten, als die Menschen in der Region nicht viel hatten, zogen Männer mit den Sensen hinauf. „Damals stand auf der Hornisgrinde nicht ein Baum”, so Oberle, bedingt durch die alljährliche Mahd wie durch die Beweidung in noch früherer Zeit. In den Wäldern unterhalb des Gipfels wurde Holz gemacht. Wie das Gras trat das über den Frauenweg die Reise ins Tal an, ebenso ein Teil des Sandsteins, mit dem die 1844 geweihte Dreifaltigkeits-Kirche in Sasbachwalden gebaut wurde.

Oberle kennt sie alle, die alten Überlieferungen und Anekdoten, viele haben ihm seine Waldarbeiter erzählt. „Als ich mit knapp 22 Jahren im Revier anfing, gab es Waldarbeiter, die waren 70 Jahre alt. Die haben sich als Rentner noch ein Zubrot verdient.” Und diese Männer wussten vieles vom alten Schwarzwaldleben, was heute in Vergessenheit geraten ist.

Franz Bruder war einer der Waldarbeiter, der all’ die alten Geschichten kannte. Er meißelte einst das Wort Frauenweg in einen Stein, der oben am Telekom-Sperrgebiet liegt.

Volksmund sagt ‘der’ Grinde

Für die Ergründung der Namensbedeutung lassen sich aus der Summe der topografischen und historischen Fakten zwei Thesen aufstellen. Die erste ist eine soziologische: Der Weg hat eine moderate Steigung und führt nicht so steil hinauf wie der Pfad vom Ochsenstall zur Grinde. Er scheint also eher geeignet für das - mal mit dem 19. Jahrhundert gesprochen - schwache Geschlecht, oder zumindest hat der Weg in seinem harten, subalpinen Umfeld, doch einen deutlich weiblicheren Charakter.

Die zweite erscheint dagegen etwas historisch orientierter: Der Weg wurde häufig Frauen benutzt, die in die Heidelbeeren gingen oder vielleicht ihre auf den Höhe schuftenden Männer mit Essen versorgten. Dort wurde früher auch Torf gestochen, weiß Markus Bruder. Der letzte seiner Zunft war Salomon Fischer (1834-1890). „Umgangssprachlich hieß es früher übrigens ‘der’ Grinde”, so Bruder.

Viele Jahrzehnte hatte der Frauenweg Pfadcharakter, so wie im letzten Abschnitt, wenn man den Wald verlässt und durch die Hochmoorfläche über einen ziemlich verblockten Abschnitt dem Telekom-Turm entgegen strebt. Bis dorthin ist es aber seit einigen Jahrzehnten ein komfortabler Forstweg.

Hubert Oberle ist sich sicher, dieser Ausbau fand noch vor dem Zweiten Weltkrieg statt. „Ich gehe davon aus, es war in den 1930-er-Jahren”. Und wenn der 75-Jährige, ehemalige Revierleiter das sagt, muss es stimmen. Denn vor ihm arbeitete sein Vater gut 50 Jahre im Sasbachwaldener Forst - in der Summe also 100 Jahre Revierhistorie, vereint in nur zwei Familienmitgliedern.

Für den Sammler historischer Fakten passt der Ausbau des Frauenwegs genau in den Zeithorizont der großen Infrastrukturmaßnahme Schwarzwaldhochstraße. Am 8. Juli 1930 erfolgte der erste Spatenstich für den Abschnitt von der Hundseck zur Unterstmatt. Nach nur vier Monaten ging das Straßenstück in Betrieb und von diesem Zeitpunkt war auch der Name Schwarzwaldhochstraße offiziell.

1932 wurde dann zum Mummelsee weiter gebaut, 1934 war der Ruhestein erreicht und 1937 erfolgte die Verbreiterung der Fahrbahn auf sechs Meter. Hubert Oberle ist heute noch viel im Wald, „eigentlich jeden Tag”, sagt er und lacht. Und gelegentlich ist er auf dem Frauenweg unterwegs, wenn er mit seiner Frau wandern geht.

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