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Auerhuhn im Fokus

Zweites Windrad in Sasbachwalden: Bürgermeisterin Schuchter schreibt an Kretschmann

Sasbachwaldens Bürgermeisterin Schuchter schreibt einen offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, nachdem die Forstwissenschaftliche Versuchsanstalt 50 Hektar Ausgleichsfläche für die Errichtung des zweiten Windrades auf der Gemarkung der Gemeinde fordert. Der Grünenpolitiker soll das Thema zur Chefsache machen.

Einsam und allein: Wann und ob sich zu dem Windrad auf der Hornisgrinde ein zweites gesellt, steht noch in den Sternen. Foto: Matthias Griebl

Seit nunmehr einem halben Jahrzehnt soll auf der Gemarkung der Gemeinde Sasbachwalden auf der Hornisgrinde ein zweites Windrad entstehen. Diesen Bemühungen hat eine Entscheidung der Forstwirtschaftlichen Versuchsanstalt (FVA) nun einen erheblichen Dämpfer verpasst. Zugunsten des Auerhuhns wird von Investor Matthias Griebl eine Ausgleichsfläche von 53 Hektar gefordert, die den besonderen Bedürfnissen der Vögel entsprechen muss.

Sasbachwaldens Bürgermeisterin Sonja Schuchter (CDU) wendete sich am Dienstag in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und kritisierte die Entscheidung der FVA. Gerade im Hinblick auf die Festlegung im Koalitionsvertrag mit dem Hinweis, bis 2026 insgesamt 1.000 Windräder zu genehmigen, habe man die Hoffnung gehabt, dass nun lösungsorientiert an der Verwirklichung der Anlagen gearbeitet werde, so Schuchter.

Zwar sei die Gemeinde bereit, den Investor bei der Suche nach einer passenden Fläche zu unterstützen, dies gestalte sich aber sehr schwer. „Wir sind bereits mit Grundstücksbesitzern im Gespräch. Ob wir diese Flächen dann tatsächlich nutzen können, ist unklar“, teilt Schuchter auf Anfrage dieser Redaktion mit.

Sind potenzielle Flächen für EU-Schutzprogramm „Natura-2000“ reserviert?

Das Problem: Die infrage kommenden Flächen könnten bereits für das EU-Schutzprogramm „Natura-2000“ reserviert worden sein. Wo die reservierten Flächen liegen, sei der Gemeinde aber Stand heute unbekannt, weil diese frühestens Ende des Jahres ausgewiesen werden.

Schuchter wirft der FVA vor, mit diesem „Totschlagargument“ ein Windrad generell zu verhindern. Darüber hinaus sei es unklar, ob überhaupt eine Genehmigung erteilt werde, wenn die Ausgleichsfläche bereitgestellt wird.

Schuchter fordert von Kretschmann, die Sache zur „Chefsache“ zu machen und seine Zusagen bezüglich des Ausbaus der Windenergie einzuhalten. Es könne nicht sein, dass ein Auerhuhn oder ein umstrittenes Gutachten der FVA über die Energiewende entscheidet.

Beim bereits bestehenden Windrad gebe es, im Gegensatz zu anderen Gebieten im Schwarzwald, eine stabile Auerhuhnpopulation. Der Standort sei einer der mit dem höchsten Windaufkommen im gesamten Bundesland. Darüber hinaus sei die Infrastruktur vorhanden und es müsse kein Wald geopfert werden.

Die FVA hatte das Windrad mit Verweis auf das Auerhuhn schon einmal abgelehnt. Vor über einem Jahr wurde nach Gesprächen der Gemeinde mit dem Regierungspräsidium eine erneute Prüfung aufgenommen, die im Ergebnis nun die Ausgleichsfläche fordert.

CDU-Landtagsabgeordnete äußern sich zur Hornisgrinde

Nach der Veröffentlichung des offenen Briefes äußerten sich auch die CDU-Landtagsabgeordneten Tobias Wald und Willi Stächele zu den Auflagen: „Die Hornisgrinde ist der windhöffigste Punkt in ganz Baden-Württemberg und damit wie kein anderer Ort prädestiniert, um erneuerbaren Strom zu produzieren“, hieß es in einer Stellungnahme. Darüber hinaus erfülle der Standort alle zentralen Voraussetzungen für weitere Windkraftanlagen, auch weil hier – fernab von Wohnsiedlungen – die Akzeptanz durch die Bevölkerung gegeben sei.

Auch Investor Matthias Griebl kritisiert auf Anfrage die Entscheidung der FVA und sieht das Auerhuhn durch das Windrad, das er für sechs Millionen Euro errichten will, nicht gefährdet.

„Für das bestehende Windrad mussten wir eine Ausgleichsfläche von 30 Hektar ausweisen und ein regelmäßiges Monitoring unternehmen. Die Population der Tiere ist auch nach dem Bau gestiegen. Das neue Windrad steht sogar noch weiter von dem Brutgebiet entfernt. Darüber hinaus gibt es in dem Gelände große Höhenunterschiede, sodass die Vögel tatsächlich topografisch von den Anlagen getrennt sind“, legt Griebl seine Position dar. Auch vor dem Hintergrund der großen touristischen Nutzung des Areals ergebe die Auflage keinen Sinn.

Auch Griebl erwartet, dass sich die Landesregierung der Sache annimmt. „Auch bei der bestehenden Anlage gab es große Hindernisse. Der SWR hatte sogar Bedenken, dass durch ein Windrad die Sendeleistung des Funkturmes gestört wird. Letztendlich gab es aber den politischen Willen, das Projekt umzusetzen“, erinnert sich Griebl und hofft, dass sich das Blatt auch diesmal wieder wendet.

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