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Kultur

"Schlechtester Film aller Zeiten": In Sasbachwalden gedrehter "Tatort" wird heftig kritisiert

Der "Tatort" ist ein Quotengarant für die ARD. Auch am Sonntag schalteten 6,1 Millionen Zuschauer bei dem Freiburger Fall "Ich hab im Traum geweinet" ein – ein Marktanteil von 17,6 Prozent. Allerdings gibt es auch heftige Kritik an dem "Tatort", der unter anderem in Sasbachwalden und Baden-Baden gedreht wurde.

Eintrag ins Goldene Buch: Mario Tampris, Polizeipräsident Reinhard Renter, Bürgermeisterin Sonja Schuchter (hinten von links) mit Schauspielerin Eva Löbau und Schauspieler Hans-Jochen Wagner (vorne). Foto: Gemeinde Sasbach

Der "Tatort" ist ein Quotengarant für die ARD. Auch am Sonntag schalteten 6,1 Millionen Zuschauer bei dem Freiburger Fall "Ich hab im Traum geweinet" ein – ein Marktanteil von 17,6 Prozent. Zum Vergleich: Der "Tatort" aus Hamburg, "Die goldene Zeit", hatte am 9. Februar 8,7 Millionen Menschen erreicht und einen Marktanteil von 24 Prozent geholt.

Im Internet wird der Schwarzwald-"Tatort" heftig kritisiert. Er wurde nicht nur in Elzach bei Freiburg, sondern auch in Sasbachwalden, Bühlertal und Baden-Baden gedreht.

Der Krimi spielt während der alemannischen Fasnet. Die beiden Ermittler Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) sind privat im närrischen Getümmel unterwegs und müssen den Mord an einem Geschäftsmann in einem Hotelzimmer aufklären. Der Mann hatte seine Frau zu einer Operation in einer Schönheitsklinik im Schwarzwald begleitet.

Karlsruhe rückt in den Fokus der "Tatort"-Kritik

Ins Zentrum der Ermittlungen rückt die in der Klinik beschäftigte Krankenschwester Romy Schindler (Darja Mahotkin). Sie ist Mutter eines kleinen Sohnes und mit einem Arzt des Hauses liiert. Zudem hat sie eine Escort-Vergangenheit in Karlsruhe.

Klaus Graf vom SWR (rechts) und Rainer Trabert als ehemaliger Hauselektriker der früheren Wagner-Kliniken helfen mit, aus dem stillgelegten Gebäude eine Schönheitsklinik für Dreharbeiten zu einem Tatort zu machen. Foto: Michaela Gabriel

Zentrale Kritikpunkte am Freiburger Tatort: falsch dargestelltes Lokalkolorit sowie falscher oder fehlender Dialekt. So wird die Vergangenheit von Schindler in Karlsruhe häufiger thematisiert. Eine Twitter-Nutzer aus der Nähe von Freiburg schreibt dazu:

Karlsruhe mit dem ausgesprochenem e habe ich schon lange nicht mehr gehört #Tatort

— FR/BG (@Timo_SCFR) February 23, 2020

Ich habe Teenie-K2 motiviert, heute mal Tatort zu schauen. „Da zeigen sie viel von der Gegend hier und ich war ja heute bei dem Umzug.“. Jetzt habe ich Angst, dass es Fragen gibt.

z. B. Warum die in Elzach keinen Dialekt sprechen. #tatort

— 𝙉𝙞𝙠𝙤𝙡𝙖𝙪𝙨 (@Bertgefluester) February 23, 2020

Generell ist Karlsruhe häufiger Thema bei der Besprechung des "Tatorts" im Internet. So schreibt erneut Twitter-Nutzer "Nikolaus":

Von Elzach aus gesehen ist Karlsruhe die große, weit entfernte Stadt, in der es sowas wie Prostitution gibt. #tatort

— 𝙉𝙞𝙠𝙤𝙡𝙖𝙪𝙨 (@Bertgefluester) February 23, 2020

Aber auch die regionalen Bezeichnungen von Karneval stehen im Fokus: Fastnacht? Fasnacht? Fasching? Karneval?

Es heißt bei uns FASNET nicht Karneval verdammt... #tatort

— Steffen W. (@djw0nder) February 23, 2020

Die Mischung aus Fasnet, dunklen Geheimnissen, schmutzigen Beziehungen, menschlichen Dramen und nackten Kommissaren – bei diesem Twitter-Nutzer ist sie nicht gut angekommen:

Der heutige #Tatort ist der wohl schlechteste Film aller Zeiten @ARDde @DasErste

— Lenny 🇩🇪 (@dieserLenny) February 23, 2020

Geteiltes Echo in den Medien

In den Medien fällt das Echo geteilt aus: SZ.de schreibt, der "Tatort" sei "ein sehenswertes Drama um Rausch und Wollust geworden", laut RP Online ist es "ein düsterer, gelungener Krimi".

"Ein bisschen heillos waren die Schwarzwald-Tatorte von Anfang an. Dieser nun irrlichtert durch einen dunklen, vor allem aber trostlosen Wald des Begehrens – aus dem die meisten Figuren nicht mehr hinausfinden werden", urteilt die Frankfurter Rundschau.

T-Online meint: "Der eigentliche Fall ist zwar spannend, intensiv und berührend – auch wenn er nur schwerfällig ins Rollen kommt. Auf der anderen Seite wirken die eigentlichen Ermittler und Protagonisten völlig deplatziert und muten bisweilen seltsam an."

Dabei war die Produktion des "Tatorts" aufwendig. "Es waren ungewöhnliche Dreharbeiten, weil wir diesen Film inmitten von Fastnachtsumzügen und närrischem Treiben produziert haben", hatte Fernsehkommissar Wagner der Deutschen Presse-Agentur erzählt.

Gedreht wurde vor einem Jahr, während der "tollen Tage". Gemeinsam mit den Narren in Elzach, einer Kleinstadt nördlich von Freiburg. Die dortige Narrengestalt, der "Schuttig", ist überregional bekannt.

Elzacher Narren verpassen "Tatort"-Ausstrahlung

Eben jene aktiven Mitglieder der Narrenzunft Elzach haben die Ausstrahlung am Sonntag allerdings verpasst – wegen närrischer Verpflichtungen. Der Sonntagabend in der Fasnet sei ein fester Termin im Narrenkalender für einen großen Fackelumzug mit dem "Schuttig" durch die Stadt, sagte der Chef der Narrenzunft, Armin Becherer, am Montag. Vor dem Fernseher zu sitzen sei da nicht möglich.

Die Elzacher Narren schauten den "Tatort" daher in der Mediathek an: "Aber frühestens am Aschermittwoch, wenn die Fasnet vorbei ist."

Dort können sich auch all jene Interessierten selbst ein Bild von "Ich hab im Traum geweinet" machen, die die Ausstrahlung am Sonntag verpasst haben .

mit Material von dpa
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