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Friedrich Wein zeigt Militärgeschichte in ehemaligem Bunker

Hornisgrinde war ein begehrter „Horchposten“ im Kalten Krieg

Was taten die französischen Streitkräfte auf dem Hornisgrindegipfel? Das fragten sich einst viele Einheimische und Gäste noch in den 1990er Jahren angesichts der Antennenanlagen hinter dem Stacheldrahtzaun. Heute weiß man mehr: Die Hornisgrinde diente als Horchposten für die Nachrichtendienste.

Die „Ohren“ der „Schlapphüte“: Mit riesigen Antennen arbeiteten die Nachrichtendienste auf der Hornisgrinde - hier ein Bild aus dem Jahr 1998. Foto: Friedrich Wein

Geheimnisvolle Aktivitäten bewaffneter Soldaten hinter hohen Stacheldrahtzäunen, riesige Antennen: Bis weit in die 1990er Jahre waren große Teile der Hornisgrinde militärisches Sperrgebiet. Ein für Besucher zugänglicher Bunker ist noch heute stummer Zeuge des Kalten Krieges. „Bis zum Ural und nach Kuwait reichten die Ohren des französischen Geheimdienstes und der Nato auf der Hornisgrinde,“ weiß Friedrich Wein, der sich intensiv mit der Militärgeschichte auf der höchsten Erhebung des Nordschwarzwalds beschäftigt hat.

Schwere Sturmböen, Regen und der erste Schnee bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt: Am Samstag zeigten sich auf dem 1164 Meter hohen Acherner Hausberg nach einer monatelangen Schönwetterperiode die ersten Vorboten des Winters. „Vor gut 81 Jahren war das Wetter ähnlich wie heute“, sagt Friedrich Wein im einstigen französischen Bunker, ein paar Meter unter der Erdoberfläche der Grinde.

Natur zeigt dem Militär die Grenzen auf

Damals, im Oktober 1939, zeigte die Natur den Militärstrategen des Dritten Reichs ihre Grenzen auf. Im Frühjahr 1939, Monate vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, hatten die Bauarbeiten für eine mit schweren Geschützen bestückte Flugabwehrstellung auf der Hornisgrinde begonnen. Fertiggestellt im Spätsommer 1939, wurde die Anlage jedoch bereits nach drei Wochen wieder aufgegeben.

Das zuständige Luftgaukommando meldete, dass die allgemeine Wetterlage die Sicht derart eingeschränkt hatte, dass die Batterie nicht ein einziges Mal zum Schuss kam. „In dieser Zeit gab es mit 65 Prozent so viele Nebeltage, dass die Sichtweite unter 100 Meter blieb. Hinzu kam, dass die gegnerischen Flugzeuge um die Stellung schlicht herumflogen“, berichtet Wein. Die Wehrmacht nutzte den strategisch günstig gelegenen Bergrücken fortan, um die eigenen Jagdflugzeuge per Richtfunk zu leiten.

Experte für die Militärgeschichte: Friedrich Wein in dem einstigen französischen Bunker auf der Hornisgrinde. Foto: Michael Moos

Mitte April 1945 eroberten die französischen Streitkräfte die Hornisgrinde. „Sie kamen mit eigenem Material und errichteten den Sperrzaun, der zunächst auch den Mummelsee einschloss“, berichtet Wein. Dieser Bereich wurde erst 1955 wieder freigegeben. Gleichzeitig machten die Franzosen Druck auf die Gemeinde Seebach und ihre Waldgenossenschaft, die ihnen schließlich Gelände zum Bau von Unterkünften für die eingesetzten Soldaten verkaufen mussten.

Seine Recherchen zur Ära der Franzosen auf der Hornisgrinde hat der 52-jährige Wein, der in Horb als Architekt arbeitet, sowohl auf allgemein zugängliche Quellen als auch auf Gespräche mit Zeitzeugen aufgebaut. Der „Hochposten“ auf der Hornisgrinde gehörte als Außenstelle zu der in der Illenau in Achern ansässigen „Base aerienne“.

Dreh- und Angelpunkt bei „Desert Storm“

Er war ein wichtiger Stützpunkt im Netz der französischen Nachrichtendienste und wurde bis zum Austritt Frankreichs aus der Nato auch gemeinsam mit den Diensten befreundeter Staaten genutzt. Riesige Antennenanlagen erlaubten das Abhören der Kommunikation über Tausende von Kilometern Entfernung. Und nicht nur das: Zum Dreh- und Angelpunkt wurde die Hornisgrinde für das französische Militär beim Kriegseinsatz in Kuwait, der Anfang der 1990er Jahre unter der Bezeichnung „Desert Storm“ bekannt wurde.

Mit dem Ende des Kalten Krieges kam auch der Abzug der Franzosen aus Deutschland. 1997 verließen die französischen Soldaten Achern, 1999 die Hornisgrinde. Ebenfalls 1997 wurde mit dem Abriss des Sperrzauns begonnen. 2004 erfolgte die Beseitigung der französischen Bunkeranlagen auf dem Bergrücken. Der Spitzhacke zum Opfer fiel unter anderem auch das sogenannte „U-Boot“ – wo dieses mächtige Bauwerk einst stand, befindet sich heute eine Kinderseilbahn.

Bunker kann besichtigt werden

Einige Bauwerke blieben jedoch erhalten. So auch der Bunker, dessen unauffälliger Zugang sich gegenüber der Grindehütte befindet. Auf Betreiben der Gemeinde Seebach und ihres Bürgermeisters Reinhard Schmälzle blieb er der Nachwelt erhalten. Eines der verwendeten Abhörgeräte ist erhalten geblieben und zusammen mit gut recherchierten historischen Details zu den Themen „Luftverteidigungszone West und Kalter Krieg“ Glanzstück einer kleinen Ausstellung im Bunker, der - mittlerweile unter Corona-Bedingungen – regelmäßig für Besucher geöffnet wird.

Sensible Technik: Ein solches Gerät nutzten die französischen Soldaten in dem Horchposten auf der Hornisgrinde. Foto: Michael Moos

So auch am Samstag – trotz des widrigen Wetters. Sogar die von Friedrich Wein versprochene ergänzende kleine Fahrzeugschau musste nicht abgesagt werden. Konrad Müller und Reiner Schlack aus Freudenstadt sowie Hans-Ulrich Barth aus dem elsässischen Fort-Louis hatten sich von Regen, Wind und Schnee nicht davon abhalten lassen, mit ihren teilweise offenen historischen Militärfahrzeugen den Weg auf die Grinde anzutreten.

Luxus Fehlanzeige: Mit dem legendären Willys Jeep kamen die amerikanischen GIs nach Europa. Ein Fahrzeug dieses Typs steuerte Konrad Müller trotz Schnee und Regen zu einer kleinen Ausstellung auf die Hornisgrinde. Foto: Michael Moos

So kam es zum geschichtsträchtigen Zusammentreffen eines legendären amerikanischen „Willys Jeep“ aus dem Jahr 1942 mit einem 35 Jahre alten „Iltis“ der belgischen Armee und einem französischen P4-Peugeot aus dem Jahr 1987. Während der „Willys-Jeep“ noch den Zweiten Weltkrieg „erlebte“, blieben die beiden anderen Fahrzeuge eher „kalte Krieger“ – genau wie die Bunkeranlagen auf der Grinde.

Buchtipp

Friedrich Wein: „Hornisgrinde - Die Wehrgeschichte eines Schwarzwaldberges“ - erhältlich im Buchhandel.

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