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Kritik am Vorgehen der Landesregierung

Skiliftbetreiber an der Schwarzwald-Hochstraße sind frustriert und in Existenznöten

Skiliftbetreiber in der Region und an der Schwarzwaldhochstraße sind frustriert, verärgert, und enttäuscht und sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Dieses Stimmungsbild erbringt eine Umfrage bei einigen professionellen Betreibern.

Lifte stehen still – Schlitten aber nicht: Skiliftbetreiber an der Schwarzwaldhochstraße sind frustriert, verärgert und enttäuscht. Sie sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Foto: Hannes Kuhnert

Per Landesverordnung wurde der Betrieb ihrer Lifte bis 10. Januar eingestellt. Und dann? „Das weiß keiner“, sagt Christian Zimmermann aus Baiersbronn-Mitteltal, der mit seinem Vater Ernst die Lifte Vogelskopf und Zuflucht nahe der Schwarzwaldhochstraße betreibt. Schon die Art der Mitteilung ärgert ihn. Von der Verordnung des Landes hätten seine Kollegen und er über die Medien erfahren. Zimmermann: „Wenn man sich nicht selbst darum kümmert, passiert gar nichts“.

Nina Trayer, Wirtin der „Ruhesteinschänke“, organisiert die beiden Lifte praktisch vor ihrer Gasthaustür am Ruhestein. Unsere Frage, was sie vom derzeitigen Zustand hält, beantwortet sie mit einem klaren: „Bescheiden! Es ist alles geschlossen. Bis 10. Januar“. Zwar würde die derzeitige Schneelage einen Skibetrieb noch nicht zulassen, die Wetterkarte jedoch verspräche schneereiche Weihnachtsferien. Das Weihnachtsgeschäft aber sei schon mal gestrichen. Der vergangene Winter habe ihren Liften, eine reine Naturschnee-Anlage, gerade mal neun Betriebstage gewährt: „Wenn jetzt wieder die Skilifte stehen müssen, wird es eng für uns“.

Heiko Fahrner vom Nationalpark-Schliffkopfhotel, das drei Lifte in Unterstmatt an der Schwarzwaldhochstraße sowie den Lamm-Lift in Kniebis betreibt, ist auf Hundertachtzig. Die Lifte hätten abgestellt werden müssen, doch bereits am vorvergangenen Wochenende seien die Schneehänge an der Schwarzwaldhochstraße “total überfüllt“ gewesen mit Schlittenfahrern, die „unkontrolliert“ die Hänge runtergesaust wären.

Gutes Weihnachtsgeschäft hatte sich bereits abgezeichnet

Sein Betrieb hätte bei den derzeitigen Minustemperaturen gut die Pisten beschneien können. Und man hatte auch ein eigenes Hygiene-Konzept dafür entwickelt, durfte aber nicht an den Start gehen. Bei den Schlittenfahrern habe kaum einer auf Abstände geachtet. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Lifte mit Hygienekonzepten schließen müssen, aber Schlitten ungehindert fahren dürften.

Es habe sich ein gutes Weihnachtsgeschäft an den Liften abgezeichnet, auch das sei jetzt gestrichen. Es sei „unerhört, was sich unsere Regierungen leisten“. Er habe sich schriftlich an die Abgeordneten Thomas Bareiss und Hans-Joachim Fuchtel (beide CDU) gewandt und von diesen ebenso wenig Antwort erhalten wie von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Er wolle das nicht auf sich beruhen lassen.

Christian Zimmermann aus Baiersbronn-Mitteltal erreichten wir telefonisch in der Schweiz auf einem Pistenbully. „Ich habe gerade zwei Meter hoch Schnee vor mir“ sagt er. Seine beiden Lifte im Schwarzwald jedoch stehen still. Es sei eine sehr unbefriedigende Situation. Nach der schlechten Saison im vergangenen Jahr noch so einen Winter erleben? „Das würde sehr ‚sportlich‘ werden für die Skilifte im Schwarzwald“, meint Zimmermann sarkastisch.

Unsicherheit über eventuelle staatliche Entschädigung

Bereits Ende Oktober hatte der Verein Wintersport Stokinger in Freudenstadt, der die beiden Stokinger-Lifte in Freudenstadt-Lauterbad betreibt, von sich aus entschieden, in dieser Saison zu pausieren. Die Auflagen des Hygienekonzepts seien, so Vorsitzender Erhard Anger (Freudenstadt), für einen Verein nicht zu erfüllen.

Alle befragten Liftbetreiber hatten Verständnis dafür, dass die Pandemie Einschränkungen auch bei Skiliften verlangt. Sie beschwerten sich jedoch über die Ziel- und Planlosigkeit von Anweisungen und Vorschriften der Behörden, die meist nur Verwirrung hinterlassen.

Wie geht es nach dem 10. Januar weiter? Das ist die große Frage. Über eine mögliche staatliche Entschädigung für die Liftbetreiber herrscht allgemeine Unsicherheit. Gibt es eine, wieviel gibt es, wann gibt es sie? „Sicherlich stehen Skilifte nicht an erster Stelle, aber wir haben noch gar nichts davon gehört“, so Christian Zimmermann. Zumindest der Baden-Badener CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Wald habe sich in einer Videokonferenz mit einigen Skiliftbetreibern dieser Fragen angenommen.

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