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Wachstum den Klinikums stößt an Grenzen

Verlust von 25,9 Millionen Euro: Ortenauklinikum schreibt 2019 erneut rote Zahlen

Das Ortenau Klinikum schreibt tiefrote Zahlen - und denkt nun auch an einen Abbau von Arbeitsplätzen. Doch das ist nicht ganz so einfach, trotz rückläufiger Fallzahlen.

Umfassende Dokumentationspflicht für Ärzte: Mit WLAN ginge es leichter und schneller, doch das ist im Ortenau Klinikum noch lückenhaft. Der Ausbau würde Millionen kosten. Foto: Ulrich Perrey/dpa

25,9 Millionen Euro Verlust hat das Ortenau Klinikum im vergangenen Jahr eingefahren. Dass dies so nicht in den Büchern steht, hat nur einen Grund. Durch den Rückgriff auf das Eigenkapital hat das Klinikum das Minus unter dem Strich auf 18,5 Millionen Euro abschmelzen können.

Doch im Krankenhausausschuss sah man dies als das, was es vor allem ist: ein kosmetischer Eingriff. Und schon jetzt ist klar, die Zahlen aus dem laufenden Jahr werden durch die Corona-Pandemie sicher nicht viel besser werden – es sei denn, die Finanzspritze des Bunds fällt größer aus als erwartet.

Bei ambulanten Operationen ist noch Luft nach oben

Insgesamt erwartet das Klinikum für die Zeit von 2019 bis zur Inbetriebnahme der neuen Häuser 2030 ein Minus von 280 Millionen Euro. Im Krankenhausausschuss zeigte man sich erschrocken. „Wir hatten mit schwierigen Zeiten gerechnet, aber der Verlust liegt sieben Millionen Euro über den Erwartungen“, sagte Bruno Metz, CDU-Sprecher im Ausschuss.

Metz verwies auf den (weiteren) Rückgang der ambulanten Operationen, ein Widerspruch angesichts der seit Jahren angekündigten „Ambulantisierung“ des Klinikbetriebs, wie er deutlich machte. Gleichzeitig sei die Zahl der Stellen auf dem Stellenplan auf ein neues Rekordhoch angewachsen.

Kehl zum Beispiel weise den größten Personalaufbau gleichzeitig mit dem höchsten Rückgang an Fallzahlen auf. „Unabhängig von den Strukturen gibt es sicher Gesprächsbedarf, in welchen Bereichen wir künftig auf die Kostenbremse treten“, so Klinik-Geschäftsführer Christian Keller dazu.

Er machte deutlich, dass der Durchhänger bei den ambulanten Operationen zum Teil hausgemacht ist: „Wir wollen mehr ambulant operieren, haben aber zum Teil nicht die nötige bauliche Infrastruktur“. Teilweise würden die Eingriffe daher in den medizinischen Versorgungszentren ausgeführt.

Drohen Personalkürzungen oder Schließungen?

Keller kündigte an, auch beim Personal zu reagieren. Das Klinikum habe zuletzt vor allem in den patientennahen Bereichen die Mitarbeiterzahl aufgebaut, sehe sich aber nun vor einem Rückgang der Fallzahlen. Das werde Konsequenzen haben: „Wir brauchen jetzt eine Abwärtsbewegung im Personalbereich, weil unsere Leistungszahlen nach unten gehen“.

Allerdings seien hier Grenzen gesetzt. Vor allem in kleineren Häusern könne man bald an die personelle Mindestausstattung einer Abteilung kommen. Mit anderen Worten: „Dort kann ich dann nur durch Schließungen etwas erreichen“. Das aber ist politisch heikel. Doch nicht nur hier gerät das Klinikum an die Horizonte seiner Möglichkeiten.

So habe der Konzern im Kreis eine „Marktausschöpfung“ von rund 80 Prozent erreicht. Ein, wie Keller deutlich machte, bundesweit fast einmaliger Wert. Nachteil: Dem Wachstum durch die Anwerbung neuer Patienten sind enge Grenzen gesetzt, eigentlich könne man nur noch größer werden, indem man neue Fachbereiche eröffnet.

Zwei Millionen Euro braucht es allein für WLAN im ganzen Haus

Aber auch da stößt man an: Es gibt klare Vorgaben, was ein Haus von der Größe und Funktion des Ortenau Klinikums machen darf und was nicht – was also zum Beispiel hoch spezialisierten Häusern oder Unikliniken vorbehalten ist. Manchmal liegt es auch an Kleinigkeiten.

Zwar wies der Medizinische Direktor des Hauses, Peter Kraemer, die Darstellung von Kreisrat Alfred Baum (Grüne) zurück, dass die Ärzte rund 80 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Dokumentationen verbringen. Doch es könnte, das räumte Kraemer ein, schneller gehen, wenn beispielsweise überall im Hause bereits WLAN wäre: „Da ist mit der Digitalisierung sicher noch nicht alles top“.

Doch auch dies ist nicht so einfach. Rund zwei Millionen Euro werde es voraussichtlich kosten, das gesamte Ortenau Klinikum mit drahtlosem Internet auf Vordermann zu bringen, wie der Geschäftsführer deutlich macht. „Wir werden“, so Keller dazu, „jede Menge Förderanträge stellen“.

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