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Land ändert Regeln

Verwirrung um Corona-Impftermine in Offenburg: „Astrazeneca bleibt gerade reihenweise übrig“

Neue Vermittlungscodes zur Buchung von Corona-Impfterminen: Das Land bringt mit seiner Entscheidung von vergangener Woche nicht nur die Bürger durcheinander, auch in den Impfzentren herrscht Ratlosigkeit.

Die Aufforderung aus Stuttgart, neue Vermittlungscodes für die Corona-Impfung zu vereinbaren, sorgt nicht nur in den Impfzentren für Verunsicherung. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Von einem „Update des Buchungssystems“ spricht zurückhaltend das Stuttgarter Sozialministerium. Es empfiehlt Menschen unter 60 Jahren, sich einen neuen Vermittlungscode für ihre Corona-Impfung ausstellen zu lassen. Eine kurze Meldung der Deutschen Presseagentur von Freitag, die bei den Impfzentren vor Ort für Kopfzerbrechen sorgt.

Und nicht nur dort: Wer seine erste Spritze mit Astrazeneca bereits erhalten hat, dürfte nun endgültig verunsichert sein. Die Neuregelung könnte auf den Kopf stellen, was bislang bei der Vergabe der Impftermine gegen das Coronavirus als sicher galt.

Denn die ohnedies komplizierte Organisation der Zentren, die mit derzeit drei verschiedenen Substanzen – und entsprechend unterschiedlichen Zeitabständen zwischen erstem und zweitem Piks – arbeiten, könnte jetzt noch einmal deutlich komplizierter werden.

Organisation auch in Offenburg wird immer komplizierter

Dazu kommt die Frage: Was geschieht mit Menschen, die bereits ihre erste Immunisierung erhalten haben und nun auf den Zweittermin warten? Werden sie weiter automatisch auf einen mRNA-Impfstoff umgestellt wie bisher immer versichert? Oder müssen sie neu buchen? Und falls ja, müssen sie dann noch einmal alle Unterlagen zusammentragen, die sie beim ersten Impftermin vorzuzeigen hatten und die dort in der Regel zu den Akten wandern?

Bitte auf keinen Fall neue Termine vereinbaren.
Florian Mader, Sprecher des Sozialministeriums

Diana Kohlmann, Dezernentin im Offenburger Landratsamt und zuständig für die beiden Impfzentren des Kreises, hofft jetzt auf den kommenden Freitag. Dann soll es weitere Informationen aus Stuttgart geben, denn da hat das Sozialministerium zum „Impfgipfel“ eingeladen. Vielleicht bringt der Klarheit. „Mir fehlt“, so Kohlmann auf Anfrage, „im Moment noch die Ansage, wie wir damit umgehen sollen und ob wir genügend Impfstoff bekommen, um das alles auch umzusetzen“.

Erst nur für Menschen unter 65, danach nur noch für über 60-Jährige – das Hin und Her um das Vakzin von Astrazeneca hat, gelinde gesagt, für Verunsicherung gesorgt. Und das hat Konsequenzen. „Astra bleibt gerade reihenweise übrig, die Termine werden nicht mehr gebucht“, sagt Kohlmann. Dies werde dadurch verschärft, dass die Impfung für die Altersgruppe zwischen 60 und 69 Jahren, also die Menschen, für die der Vectorimpfstoff des britisch-schwedischen Herstellers unbestritten geeignet wäre, noch nicht geöffnet wurde.

Was geschieht mit den Impf-Zweitterminen?

Vor allem aber sorgt die jüngste Ansage aus Stuttgart erst einmal für Verwirrung: „Wir schweben ein bisschen in der Luft und warten auf Anweisung“, sagt Kohlmann.

Das gilt wohl auch für die vielen Menschen unter 60, die derzeit einen Zweittermin für Astrazeneca in der Tasche haben. Sollen sie ihn beibehalten und darauf vertrauen, dass der Impfstoff vor Ort dann nach Wunsch getauscht wird? Oder sollen sie neu buchen? Das würde, da die Impfungen ja nur paarweise zu haben sind, zu einer Fülle ungenutzter Zweittermine führen, jedenfalls, wenn man den aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts folgt, sich auf Astrazeneca hin mit einer einzigen Spritze eines mRNA-Impfstoffs wie dem von Biontech nachimmunisieren zu lassen.

Mehr noch: In den Kreisimpfzentren trägt man sich mit der Sorge, dass die Menschen nun in großer Zahl noch Termine mit der alten Vermittlungsnummer machen und dann im Impfzentrum aufschlagen in der Erwartung, automatisch auf ein anders Präparat umgestellt zu werden – was aber dann möglicherweise nicht ausreichend vorrätig ist. „Das schlägt“, so fürchtet Diana Kohlmann, „diese Woche massiv ein“.

Stuttgart bittet in der Corona-Krise um Geduld

Im Stuttgarter Sozialministerium reagierte man auf die Fülle von Fragen, die sich aus der Entscheidung von vergangener Woche ergeben, mit betonter Gelassenheit. Es dauere noch eine Weile, bis die ersten Zweitimpfungen mit Astrazeneca anstehen, sagt Ministeriumssprecher Florian Mader. „Jetzt lassen sie uns das erstmal prüfen, wenn die Frage konkret wird, informieren wir die betroffenen Impflinge entsprechend“.

Es gehe ja nicht um sehr viel Menschen, die bereits einmal Astrazeneca erhalten haben. Man werde rechtzeitig mitteilen, welchen Impfstoff es beim zweiten Durchgang gibt: „Bitte auf keinen Fall neue Termine vereinbaren“, appelliert Mader.

Die Kreise werde man auf dem Impfgipfel am kommenden Freitag ins Benehmen setzen. Dazu sind unter anderem auch die Landräte eingeladen.

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