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Frost und Fäulnis

Das Wetter hat Folgen für die Kirschenernte in der Ortenau

Starke Niederschläge haben den Kirschen in der Ortenau zuletzt stark zugesetzt. Die Ernte fiel auch wegen weiterer Faktoren in diesem Jahr nicht gut aus.

Der Kirschenschüttler kommt bei der Ernte der Steinfrucht zum Einsatz. Ein spezieller Greifarm schüttelt den Kirschenbaum, sodass die einzelnen Exemplare herunterfallen. Foto: Hubert Röderer

Die Kirschernte 2021 in der Ortenau liegt in den letzten Zügen, sowohl bei der Brenn- wie auch bei der Tafelkirsche. Die starken Niederschläge zuletzt haben der Steinfrucht arg zugesetzt. Fäulnis ist laut Barbara Ennemoser vom Amt für Landwirtschaft in Offenburg zu einem großen Problem geworden, zudem sind manche Sorten von Spätfrösten heimgesucht worden.

Durch das in den vergangenen Jahren mitunter große Angebot und den gesunkenen Alkoholkonsum hat zudem der Preis für den Schwarzwälder Kirsch Federn lassen müssen.

„Auch 2021 haben frostige Nächte während der Blüte wieder große Schäden bei den Kirschen verursacht“: Dies hat bereits Ende Juni das Statistische Landesamt wissen lassen. Im Mittel werde 2021 mit 5,2 Tonnen Süßkirschen je Hektar gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr falle die Menge damit um fast ein Drittel geringer aus.

„Die Süßkirschenernte dürfte bei einer Anbaufläche von 2.760 Hektar einen Umfang von rund 14.300 Tonnen erreichen.“ Auch bei den Sauerkirschen, heißt es weiter, liege die vorläufige Schätzung mit rund 7,1 Tonnen pro Hektar unter dem sechsjährigen Mittel von rund acht Tonnen. Anbaufläche: 277 Hektar.

Der Ortenaukreis ist ein herausragendes Kirschen-Anbaugebiet. „Hier werden auf einer Fläche von rund 1.500 Hektar Süßkirschen angebaut“, teilte Barbara Ennemoser vom Amt für Landwirtschaft in Offenburg mit. Davon seien rund 60 Hektar Tafelware und rund 1.440 Hektar Verwertungsobst.

Witterung ein Problem für die Kirschenernte in der Ortenau

Die Brennkirschenernte dauert in der Regel drei bis vier Wochen, in frühen Jahren beginnt sie um den 15. Juni, in diesem Jahr war dies erst etwa zehn Tage später der Fall: „Je trockener die Witterung, desto länger können die Kirschen am Baum bleiben, um noch bessere Zuckerwerte zu erlangen und dann für die Brennerei verarbeitet zu werden.“

Aktuell hoffen die Betriebe noch sehr auf trockenere Witterung.
Barbara Ennemoser, Amt für Landwirtschaft in Offenburg

Doch das war genau das Problem in diesem Erntejahr: Es hat lange und viel und mitunter stark geregnet. „Aktuell hoffen die Betriebe noch sehr auf trockenere Witterung“, sagt die Diplom-Ingenieurin Gartenbau (FH). Fäulnis sei gegenwärtig ein Riesenproblem. Viele Früchte seien aufgrund der Niederschläge aufgeplatzt. Die Risse bildeten Eintrittspforten für Pilzinfektionen.

„Der Wunsch vieler Kirschenanbauer ist es, in der kommenden Woche noch zuckerreiche Brennware zu ernten. Ob dies gelingt, hängt davon ab, wie sich das Wetter gestaltet, und wie stark sich die Fäulnis noch weiter ausbreitet.“ Die Tafelkirschen-Ernte – sie beginne früher – sei bereits am Ausklingen. Zu allem Übel hätten die Kirschenanbauer bei den frühen Sorten auch starke Ertragseinbußen durch Frost hinnehmen müssen.

Die Spätsorten seien hingegen kaum frostgeschädigt, aber vielfach von Aufplatzen und Fäulnis befallen. Außerdem seien die Zuckergehalte der Früchte oftmals zu gering und diese deshalb fürs Brennen uninteressant. Tafelware wird laut Barbara Ennemoser bis heute von Hand geerntet, meist mit Leitern, bisweilen kommen auch Hebebühnen zum Einsatz.

„Niedere Bauformen“ bei den Bäumen, ergänzt Amtsleiter Arno Zürcher, erleichtere heute die Arbeit, außerdem würden verstärkt großfruchtigere Sorten angebaut, was die Ernteleistung verbessern hilft.

Kirschen landen auch bei Ferrero

Bei Brennkirschen sind laut Barbara Ennemoser meist hydraulische „Stammschüttler“ im Einsatz, die Leistung liefert der vorgespannte Traktor, die Kirschen würden dann – modernste Variante – mit einem Tuchwagen aufgefangen und mit einem Gebläse von Laub befreit.

In Hanglagen kämen auch „Seilschüttler“ zum Einsatz: Ein Stahlseil wird in der Baumkrone eingehängt und über den Schlepper zum Vibrieren gebracht. Die Kirschen landen auf einfachen Tüchern. In einzelnen Obstbaubetrieben der Region würden die Kirschen sofort nach Größe sortiert: „Sie gehen dann nicht in die Brennerei oder Saftindustrie, sondern werden an Ferrero geliefert.“ Und kommen als „Mon Cherie“ zu den Kunden.

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