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Urteil des Landgerichts Offenburg

Zweifacher Totschlag in Offenburg: Frau muss elf Jahre ins Gefängnis

Aus Sicht des Staatsanwalts war es eines der schlimmsten Prozesse der vergangenen Jahre: Weil eine 46-Jährige ihre Tochter und Schwester bestialisch tötete, muss sie lange hinter Gittern.

Die Angeklagte beim Betreten des Gerichtssaales unmittelbar vor dem Urteil.
Die Angeklagte beim Betreten des Gerichtssaales unmittelbar vor dem Urteil. Foto: Winfried Köninger

Im Prozess um zweifachen Totschlags in einer Obdachlosenunterkunft in der Offenburger Kesselstraße ist vor dem Landgericht Offenburg das Urteil gefallen. Die bereits wegen Gewaltdelikten vorbestrafte 46-jährige Frau wurde zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Strafkammer blieb damit deutlich über dem Antrag von sieben Jahren seitens der Verteidigung, und nur wenig unter dem, was die Staatsanwaltschaft gefordert hat. Staatsanwalt Heiko Baumert: „Der Fall ist eines der schlimmsten Verfahren der letzten Jahre“, fordert im Plädoyer zwölf Jahre Haft.

Für Richter ist brutales Vorgehen unerklärlich

Für Richter Stefan Hofsäss bleibt das brutale Vorgehen in der Tatausführung unerklärlich. Nach heftigen verbalen Streitereien und Beleidigungen im Vorfeld des 29. Juni 2022 eskalierte eine bereits länger andauernde Zwistigkeit zwischen ihrer 19-jährigen Tochter und ihrer 49-jährigen geistig behinderten Schwester.

Tochter mit 26 Stichen und 22 Hammerschlägen getötet

Mit 26 Stichen und 22 Hammerschlägen brachte sie ihre Tochter und mit 22 Schlägen und mehreren Hammerschlägen ihre Schwester um. Beide starben unmittelbar nach der Tat am hohen Blutverlust und der Traumatisierung durch die Hammerschläge. Die Brutalität im Vorgehen war beispiellos.

Nachdem die Angeklagte zuerst mit einem Küchenmesser auf ihre Tochter losging, brach das Messer ab, danach setzte sie den Tötungsvorgang mit einer spitzen Schere fort. Mit den Schlägen eines Fleischerhammers vollendete sie die Tat, so der Richter in der Urteilsbegründung. Die Hammerschläge waren gezielt auf die Nase der Tochter gerichtet.

Gezielter Angriff auf die Nase?

Dafür gab es für das Gericht eine Vermutung. Ursache der Streitereien waren Eifersucht und eine chronische Geldknappheit zwischen Mutter und Tochter. Unter anderem wollte die Tochter schon länger eine kosmetische Nasenoperation, welche aber immer am Geld scheiterte. Mit der Zertrümmerung der Nase wollte die Angeklagte dieses Problem lösen, so die Mutmaßung.

Beziehungsstreit wegen eines Mannes

Kern der Disharmonie der drei Frauen war auch ein Beziehungsgeflecht mit einem vermögenden 80-Jährigen aus Freiburg. Die Angeklagte pflegte mit ihm eine Freundschaft und unterstellte den beiden Geschädigten ein geheimes sexuelles Verhältnis. Am Vorabend der Tat sollen beide Frauen der Angeklagten gedroht haben, sie anzuzünden.

Ich habe eine tot gemacht.
Angeklagte
in ihrem Geständnis

Letztlich kam es zur Eskalation in der Nacht zum 30. Juni mit der Tatvollendung um 6.30 Uhr. „Ich habe beide tot gemacht“, so die Angeklagte in ihrem Geständnis. Der möglich hohe Alkoholisierungsgrad der Angeklagten mit geschätzten zwei Promille könnte zur Effekthandlung geführt haben.

Zur Motivation und zum genauen Tatablauf ist vieles denkbar, so Richter Stefan Hofsäss. „Es bleiben Unsicherheiten und ungeklärte Motive zur Tat.“ Wahnhafte- und Bewusstseinsstörungen sind laut psychologischem Gutachten nicht erkennbar. Es war Totschlag in zwei tateinheitlichen Fällen. Mordmerkmale sind nicht sicher feststellbar, wenn dann am ehesten niedere Beweggründe.

Angeklagte stand unter Alkoholeinfluss

Die Strafkammer blieb in der Strafzumessung im Strafrahmen von fünf bis 15 Jahren. Es gibt keine Begründung für einen minderschweren Fall, wie von der Verteidigung gefordert. Eine Strafrahmenverschiebung ergibt sich aus dem Geständnis und der Übernahme der Verantwortung zur Tat seitens der Angeklagten. Die temporäre Alkoholisierung habe mit zur Effekthandlung beigetragen.

Richter Stefan Hofsäss sah die Schwere der Tat im gleichzeitigen Töten von zwei Menschen, die mit einer hohen Brutalität begangen wurden und lasse somit keine erheblich strafmildernden Merkmale zu. Die Angeklagte nahm das Urteil regungslos und tief in sich versunken an. 

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