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Kritik von Schulleitern

Abi-Aufgaben kommen auf USB-Stick nach Rastatt

Ende April starten die schriftlichen Abiturprüfungen in Baden-Württemberg und anstelle eines stattlichen Papierstapels werden die Aufgaben auf einem schlanken, verschlüsselten USB-Stick an die Schulen geschickt. Schulleiter aus dem Landkreis Rastatt kritisieren Verantwortung und Kosten.

Ende April ist es mal wieder soweit: Bei den Abi-Prüfungen werden in diesem Jahr erstmals die Aufgaben per USB-Stick an die Schulen geschickt. Foto: dpa

Datenriegel statt Papierflut hat man sich im Stuttgarter Kultusministerium wohl gedacht. Ende April starten die schriftlichen Abiturprüfungen in Baden-Württemberg und anstelle eines stattlichen Papierstapels werden die Aufgaben auf einem schlanken, verschlüsselten USB-Stick an die Schulen geschickt. Datenriegel und Papierflut heißt es hingegen bei den Schulen, an denen die Abi-Aufgaben am Prüfungstag gedruckt werden müssen – so auch an den Gymnasien in Rastatt und Durmersheim.

„Das System wird zum ersten Mal eingesetzt“, sagt Benedikt Reinhard, Pressereferent im Kultusministerium in Stuttgart. Das Verfahren, auf einen USB-Stick zu setzen, hängt mit den Schuleinbrüchen aus den Jahren 2017 und 2018 zusammen und soll die Sicherheit verbessern und zu einer kürzeren Lagezeit der Aufgaben führen.

Gemeinsame Aufgaben

Die Regelung betrifft Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch – bei diesen Fächern gibt es einen gemeinsamen Aufgabenfundus der Kultusministerkonferenz, aus dem sich jedes Bundesland bedienen kann. Die Prüfungsaufgaben aller anderen Fächer werden, so eine Pressemitteilung des Ministeriums, aber in gedruckter Form ausgeliefert.

Probe für den Ernstfall

Und wie das bei einer neuen Regelung so ist, einmal muss sie ja mal getestet werden, bevor der Ernstfall eintritt. Anfang des Jahres gab es einen Probelauf, an dem 41 Gymnasien aus Baden-Württemberg teilnahmen und dann ein zweiten für alle.

Auf die Schulen kommt ein erheblich höherer Aufwand zu.

„Der Testlauf lief problemlos“, sagt der Schulleiter des Rastatter Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums, Markus Braun. Auch im Ernstfall, sprich dem Prüfungstag, befürchtet er keine Schwierigkeiten.

Trotzdem wurden Vorkehrungen getroffen: So wird ein Kopiergerät in der Direktion aufgestellt, um zu vermeiden, dass es bei der Vorbereitung auf den Unterricht, der an den Prüfungstagen auch läuft, zu einem Stau vor dem Gerät komme. Braun kritisiert das neue System: Auf die Schulen komme ein erheblich höherer Aufwand zu. Rund 90 Schüler treten am LWG in diesem Jahr zum Abi an. Es werde sich zeigen, ob das Vorgehen des Kultusministeriums sinnvoll war.

Code kommt am Prüfungstag

Auf jeden Fall hat die neue Regelung Auswirkungen auf den jeweiligen Prüfungstag: Der Beginn der Prüfung um eine halbe Stunde nach hinten verlegt. Lehrer und Schulleiter sind ab 6 Uhr da, um Vorbereitungen zu treffen und das Passwort zu erhalten, mit dem der USB-Stick entschlüsselt werden kann. Denn erst dann erhalten die Schulen den Code für den Datenträger.

Wir hoffen, dass es keine Pannen gibt.

Keine Probleme mit dem neuen System meldet auch der stellvertretende Schulleiter des Tulla-Gymnasiums, Mario Wirth. Dort legen rund 60 Schüler in diesem Jahr das Abitur ab. „Wir hoffen, dass es am Prüfungstag keine Pannen gibt“, sagt er – beispielsweise, dass der Datenträger nicht erkannt wird oder der Kopierer streikt. Im Grunde würden durch den Wechsel auf einen USB-Stick Kosten auf den Schulträger abgewälzt, die sonst nicht entstehen würden, bemängelt er. Auf die Schulen käme auch mehr Verantwortung zu. Diese hätten dafür Sorge zu tragen, dass alles korrekt ausgedruckt, sortiert und geheftet werden.

Verantwortung wird abgewälzt

Kritik kommt ebenfalls von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Barbara Becker, Beisitzerin Gymnasien im Bezirksvorstand Nordbaden, bringt die gleichen Argumente vor: Die Verantwortung werde vom Ministerium auf die Schulleitungen abgewälzt. Zudem seien technische Probleme bei alten Geräten fast vorprogrammiert.

Zu Lasten des knappen Schulbudgets.

„Das Zeitfenster dürfte kaum reichen, diese adäquat zu lösen“, sagt sie. Hinzu komme, dass die Druckkosten auf den Schulträger abgewälzt würden „und gehen somit zu Lasten des ohnehin in der Regel deutlich knappen Schulbudgets.“ Damit stehe das Geld nicht für wichtige schulische Anschaffungen vor Ort zur Verfügung. Benedikt Reinhard bestreitet, dass es dem Kultusministerium nur um Kostenersparnis ging, sondern um Sicherheit. Zumal es umweltfreundlicher sei, als Tonnen von Papier durch die Gegend zu fahren, betont er.

Reservierte Drucker für Abi-Aufgaben

Für die Abi-Prüfungen reservierte Kopierer gibt es auch am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Durmersheim, erzählt Schulleiter Thomas Dornblüth. Um die Lagezeit der Abi-Aufgaben zu verkürzen, werde der Datenträger erst in den Osterferien geliefert, sagt er. Dass auf die Schulen mehr Verantwortung zukommt, sieht auch der WHG-Schulleiter. „Am Tag des Abiturs muss in relativ wenig Zeit, relativ viel passieren und das muss perfekt sein“, betont Dornblüth.

Da vertraue ich auf die Weisheit des Kultusministeriums.

Beim Thema, ob das neue System mehr Sicherheit bietet, gibt er sich diplomatisch. „Da vertraue ich auf die Weisheit des Kultusministeriums“, sagt er. Und was passiert mit dem Stick nach den Prüfungen? Die Daten seien danach sofort zu löschen, sagt Markus Braun. Wie Benedikt Reinhard erläutert, bleibt der Stick nach den Prüfungen an den Schulen.

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