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Adventsmarkt in Rastatt

Adventsmarkt in Rastatt: Trübes Wetter begleitet traurige Bilanz

Vorweihnachtliche Stimmung mochte am Samstag auf dem Rastatter Adventsmarkt nicht aufkommen, es fehlten die Gäste. Für Schausteller Hugo Levy wird das zur Existenzfrage. Und auch sonst sieht Vorfreude auf das Christfest anders aus.

Wenig los: Die Halbzeitbilanz zum Adventsmarkt in Rastatt fällt sehr ernüchternd aus. Schausteller Hugo Levy sorgt sich um die Existenz. Foto: Hans-Jürgen Collet

Zwei Bratwürste in einer guten halben Stunde, dazu ein Kunde am Knusperhäuschen. Es lief an diesem ungastlichen Samstagmorgen im Dezember nicht gut für Schausteller Hugo Levy. Der Rastatter Adventsmarkt - leergefegt. Die Stimmung so trübsinnig wie das Wetter.

Eigentlich stehen die Menschen so kurz vor dem Christfest auf den Advents- und Weihnachtsmärkten dicht an dicht, zu Jingle Bells oder Last Christmas, süffeln Glühwein oder Punsch, plaudern. Doch dieses Jahr ist alles anders. Das spürt Hugo Levy. „Wir sind der Stadt ja dankbar, dass wir überhaupt was machen dürfen“, konstatiert der Schausteller. Geschäft sieht aber anders aus, „bei uns geht es an die Substanz.“ Am 23. Dezember 2019 standen für Levy die letzten, richtigen Einnahmen an.

Im Schatten der barocken Pfarrkirche St. Alexander hat ein Weihnachtsbaumverkäufer gerade aufgebaut. Die Einnetzmaschine für Nordmanntanne und Co steckt noch in der Schutzfolie, und eigentlich will der Mann gar nicht reden. Aber dann erzählt er doch ein bisschen. Die Bäume hat er am späten Freitag ganz frisch geschlagen. Er hofft, ein paar davon zu verkaufen. Dennoch: Es sei ihm eher danach, wieder einzupacken, sagt er, schaut fragend rüber zum leer gefegten Adventsmarkt.

Wochenmarkt hat noch seine Kunden

Jenseits der Pfarrkirche, auf dem Wochenmarkt, herrscht mehr Betrieb. Zum Beispiel am Stand der Familie Diebolt aus dem Elsass. Französische Käsespezialitäten bieten sie an, und auf die Frage des Reporters, wie denn Käse und Maske zusammengehen, man rieche ja gar nichts, muss Marktbeschickerin Jacqueline Diebolt lachen. Irgendwie geht’s. Die Kunden halten den Käseexperten aus dem Nachbarland die Treue, vor allem diejenigen, die immer kommen. Auch Gemüse, Obst, Fisch, Wurst oder Brotspezialitäten finden Absatz, bisweilen bilden sich sogar Schlangen, die mit dem durch die Corona-Verordnung gebotenen Abstand natürlich gleich sehr lang aussehen.

„Die Nahrungsmittel sind ja auch nicht das Problem“, berichtet ein Mann, bewaffnet mit Einkaufstüten, und „nein, wir machen auch keine Hamsterkäufe.“ Was er und seine Frau auf dem Markt holen, ist für den täglichen Bedarf, so manche Spezerei, die es jetzt nicht unbedingt im Supermarkt gibt. „Allerdings gehen wir heute Nachmittag noch zum Octomedia“, fügt er noch an - falls es dann doch ernst werde mit dem verschärften Lockdown.

Schausteller richten bangen Blick nach Stuttgart

„Wenn der kommt, ist das für uns eine Katastrophe“, so Schausteller Levy. Seit dem 2. Dezember ist er mit seiner Truppe und seinen schmucken Buden am Start, bis zum 23. Dezember dürften sie eigentlich noch. Wenn eben nicht die Landesregierung den Corona-Kurs weiter verschärft. Dabei haben sie schon verhalten Waren eingekauft für ihre Stände, haben wegen des Verbots von alkoholisiertem Glühwein eine promillefreie Variante im Angebot.

Echter Wein vom Winzer, dem der Alkohol entzogen wurde. Käme nun das komplette Aus, wäre das natürlich ein herber Schlag. Levy ist auch deshalb sauer, weil die Politik große Versprechungen mit Soforthilfen gemacht habe, bislang aber bei vielen potenziellen Empfängern noch nichts angekommen sei.

Es ist halt alles ein bisschen widersprüchlich in diesen Tagen: Adventsmarkt, Verweilen - gut und recht, als Kontrast dazu dann die Mahnung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, nur für die nötigen Besorgungen aus dem Haus zu gehen. Viele Geschäfte in der Rastatter City sind jedenfalls ziemlich leer, von Gedränge kann auf der Poststraße, einer der Geschäfts- und Flaniermeilen in der Barockstadt, zumindest um die Mittagszeit keine Rede sein.

Und das am dritten Adventswochenende! Immerhin versuchen drei junge Straßenmusiker, das Ganze noch etwas rauszureißen. Mit Hingabe intonieren sie „Feliz Navidad“, frohe Feststimmung mag aber nicht aufkommen.

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