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Protest am 25. November

Wenn der Partner zum Mörder wird: Internationaler Aktionstag prangert Gewalt gegen Frauen an

Statistisch gesehen tötet in Deutschland jeden dritten Tag ein Mann seine Frau oder Ex-Partnerin. Das wollen sich Frauen nicht mehr bieten lassen. Am 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, setzen sie Zeichen des Protests.

In Karlsruhe werden an diesem Donnerstag viele Gebäude orange beleuchtet – aus Protest gegen die allgegenwärtige Gewalt an Frauen. Auch die BNN-Geschäftsstelle in der Karlsruher Lammstraße beteiligt sich. Foto: Rake Hora /BNN

Es passiert immer und immer wieder, auch in Deutschland. Auch mitten in Baden: 36 Jahre jung ist die Frau und Mutter, die im September 2020 in Rastatt von ihrem Ehemann „abgeschlachtet“ wird, wie es der Richter später formuliert. Vor den Augen des fünfjährigen Sohnes sticht der Täter auf die Frau ein. Sie hat sich von ihm getrennt und lebt in einer neuen Beziehung.

Der blutige Gewaltexzess in Rastatt ist eines von 139 Verbrechen dieser Art in Deutschland. 139 Frauen starben im vergangenen Jahr, weil ihre Männer oder Ex-Partner sie umbrachten.

Das bedeutet: spätestens jeden dritten Tag ein weibliches Todesopfer. Auf diese endlose Serie der Brutalität und Frauenverachtung machen an diesem 25. November vielerorts Protestaktionen aufmerksam. Es ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen.

Dorota L. stirbt im Mai 2020: Ihr Ehemann Wolfgang ertränkt sie im Gartenteich. Die gemeinsamen Kinder (11 und 14 Jahre alt) müssen den Todeskampf ihrer Mutter mit ansehen. Auch der Vermieter kann nicht mehr rechtzeitig eingreifen. „Der Täter hat gelächelt, als wäre das eine Art Erlösung für ihn, so, als wollte er sagen, jetzt habe ich dich“, so beschreibt der Zeuge den Gesichtsausdruck des Mannes.

Das Verbrechen an Dorota passierte bei Potsdam. Der Mörder von Rastatt ist Syrer. Er versuchte, die Tat mit der Scharia zu begründen. Doch die Persönlichkeiten, die kulturellen Hintergründe all der Männer, die ihre Frauen und Ex-Freundinnen töten, sind höchst unterschiedlich.

Gewalt gegen Frauen kommt in allen sozialen Schichten und in allen Berufsgruppen vor.
Carmen Nerding, Vorsitzende des Zonta Club Karlsruhe

„Gewalt gegen Frauen kommt in allen sozialen Schichten und in allen Berufsgruppen vor“, betont Carmen Nerding, Vorsitzende des Zonta Club Karlsruhe, der zum Anti-Gewalt-Tag viele Gebäude orange anstrahlen lässt.

Zwei Risikogruppen: Arme Frauen & reiche Frauen sind Opfer von Gewalt

Sehr erfolgreiche, gebildete und gutverdienende Frauen gehören sogar zu den Risikogruppen. Die Soziologin Monika Schröttle beschrieb die zwei auffälligsten Opfergruppen so: „Frauen mit gar keinen Ressourcen – und Frauen, die hoch gebildet sind und materiell mit ihrem Partner auf Augenhöhe oder überlegen sind.“ Kontrollverlust, Lebenskrisen, Minderwertigkeitsgefühle spielen bei Tätern eine große Rolle.

Der Partner wird zum Täter: Millionen Frauen erleben Gewalt am eigenen Leib, auch in Deutschland. Sehr arme und abhängige Frauen, aber auch sehr erfolgreiche sind sogar besonders gefährdet. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Zonta-Club-Vorsitzende Nerding will auch Nachbarn und Angehörige aufrütteln, damit sie Gewaltopfern schneller helfen. „Die Polizei zu rufen, ist eine riesige Hemmschwelle“, sagt sie. Besonderen Beratungsbedarf sieht Iris Sardarabady vom Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) Karlsruhe bei den zugewanderten Frauen.

„Viele sind überrascht, dass Frauen auch hierzulande häusliche Gewalt erleben – und dass es Hilfe gibt“, berichtet sie bei einer Pressekonferenz zum Aktionstag. Zuwanderinnen hätten allerdings noch größere Angst, sich jemandem anzuvertrauen. „Sie fürchten Auswirkungen auf ihr Aufenthaltsrecht.“

Karlsruher Expertin: Rund 18.000 Mädchen droht Genitalverstümmelung in Deutschland

Rund 18.000 Mädchen seien in Deutschland von Genitalverstümmelung bedroht, zitiert Sardarabady aus Expertenschätzungen. Die Beschneidungspraxis wird in manchen afrikanischen Kulturen teilweise noch praktiziert. Es gibt bereits einen „Schutzbrief“, der mehrsprachig erklärt, dass Genitalverstümmelung in Deutschland strafbar ist.

„Man muss ihn noch bekannter machen“, räumt Soziologin Sardarabady ein. Sie setzt auf behutsame Beratung – und Optimismus: „Solche kulturellen Praktiken sind auch veränderbar“, sagt sie – und erinnert daran, dass Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland bis in die 1990er Jahre straffrei war.

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