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Aufgegebene Siedlung

Archäologin sucht in Rastatt nach Spuren: Was aus der Siedlung Muffenheim wurde

Was ist mit Muffenheim passiert? Damit beschäftigte sich eine Archäologin am Sonntag im Riedmuseum in Rastatt-Ottersdorf. Sie ging mit 30 Besuchern auf eine Spurensuche durch die Geschichte der Siedlung.

Ein Haus mit Leuten davor
Eine Station von vielen: In diesem Ottersdorfer Fachwerkhaus soll ein Haus aus dem verlassenen Muffenheim verbaut sein. Foto: Martina Holbein

Wer auf dem Pamina-Radweg zwischen Ottersdorf und Plittersdorf fährt, stößt etwa in der Mitte auf eine Tafel mit einer alten Karte. Diese erinnert an die untergegangene Siedlung Muffenheim. Heute ist nur der Gewannname „Muffler Gärten“ übriggeblieben.

Die Geschichte des Dorfes Muffenheim war Thema eines archäologischen Spaziergangs zum „Tag des offenen Denkmals“. Dieser stand in diesem Jahr unter dem Motto „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“.

Auch das Zentrale Fundarchiv im Festungslazarett und der Westwallbunker öffneten ihre Pforten. Kurt Pottiez bot einen Vortrag über die Veränderungen der Kaiserstraße an.

30 Besucher kommen ins Riedmuseum in Ottersdorf

Mehr als 30 Geschichtsinteressierte trafen sich mit Archäologin Jennifer Deible am Riedmuseum in Ottersdorf, um Spuren der alten Siedlung zu finden. Und sie erfuhren, warum dieses Rieddorf nur noch als Gewannname existiert.

Die Endung „-heim“ verweist immer auf eine Merowinger Gründung.
Jennifer Deible, Archäologin

Deible erläuterte anhand des Ortsnamens dessen Gründungszeit um 550 und 600 nach Christus. „Die Endung ‘-heim’ verweist immer auf eine Merowinger Gründung“, so die Archäologin.

Muffenheim wurde also von Merowingern gegründet, nachdem diese unter ihrem Heerführer und König Choldwig I die Alamannen zweimal, 496 bei der Schlacht von Zülpich und 506, besiegt hatten.

Damals war es üblich, dass die eroberten Regionen mit eigenen Leuten besiedelt wurden, um die Herrschaft zu sichern. Das Gebiet war damals ein Auwald, der Rhein floss in zwei Armen, am heutigen Plittersdorfer Freizeit-Paradies und am Daimler-Werk.

Was sind eigentlich Rieddörfer?

Der Name Rieddörfer für die insgesamt fünf Dörfer – Wintersdorf, Dunhausen, Ottersdorf, Muffenheim und Plittersdorf – kommt wahrscheinlich von dem Wort roden, da sich die Menschen den Platz für Gehöfte und Viehweiden in den Auwäldern erst roden mussten.

Im 17. Jahrhundert kam es zwischen den Ottersdorfern und Plittersdorfern zu einem Streit um das Land des verlassenen Dorfes. Bei Dammarbeiten 1968 wurden zwei Skelette ausgegraben, deren Grabbeigaben auf die Merowinger Zeit schließen ließen.

Für den Ottersdorfer Heimatforscher Franz Ruf der Beginn für seine Spurensuche, die Zehntausende von Scherben auf den Äckern rechts der Straße zwischen Ottersdorf und Plittersdorf zutage förderte.

Auch Deible hatte erst am Vortag Scherben auf dem Acker gefunden, die sie den Teilnehmern präsentierte. Beim Bau der Nato-Pipeline 2000/01 gruben Mitarbeiter des Fachreferats Mittelalter vom Landesdenkmal mit aus.

Sie fanden ebenfalls unzählige Keramikscherben, die eine Besiedlung des Ortes zwischen 550 nach Christus bis um 1500 nachwiesen. Sogar die Reste dreier Brunnen wurden ab dem 13. Jahrhundert nachgewiesen.

Was mit Muffenheim passiert sein könnte

„Muffenheim ist die einzige Siedlung im Südwesten, die während des gesamten Mittelalters bestanden hat“, so Deible. Die Bewohner scheinen die Siedlung allmählich verlassen zu haben, so die Archäologin.

Zum einen hatte der Rhein sein Bett geändert und seine Bewohner mussten über den Strom zu ihrer Kirche nach Seltz fahren. Da war der Weg in die Ottersdorfer Kirche und der Gedanke, sich gleich dort anzusiedeln.

Ein mögliches Szenario ist auch, dass der Ort gebrandschatzt wurde oder die Bewohner auf Geheiß des neuen Landesherrn, des Grafen von Eberstein, sich im Murgtal anzusiedeln hatten, um dieses urbar zu machen.

Muffenheims Bewohner gaben ihre Häuser auf, die Gärten und Äcker wurden weiter bewirtschaftet. In Ottersdorf steht noch ein Fachwerkhaus, das in Muffenheim abgebaut und in Ottersdorf wieder aufgebaut worden sein soll, ebenfalls eine Station der Exkursion. Heute ist der Bereich der ehemaligen Siedlung ein geschütztes Bodendenkmal.

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